Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
566
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meines Herzens nicht begreifen! Nein, nein, ſprich mir nicht von meiner Gattin und meinen Kindern, wecke nicht die Erinnerung an jene Zeit, wo ich mich im Beſitz ihrer Liebe glaubte, in mir auf, laß den Traum ruhen! Liebe! Wie leichtſinnig werft Ihr mit dieſem Worte um Euch! Wie weit dehnt Ihr ſeine Grenzen aus! Hätte Dein Herz eine Ahnung von der Liebe, die mich an Hedwig feſ⸗ ſelt, es würde mich nicht verdammen!

Sinnestaumel! entgegnete Oskar,doch ich liebe es nicht, Deine exaltirten Reden anzuhören, einſt wird der Nebel vor Deinen verblendeten Augen ſchwin⸗ den, und dann, Arthur dabei legte er ſeine Hand auf die Schulter des Freundes und ſah ihm wehmü⸗ thig ernſt in's Augemögeſt Du dann nicht ſchon in den Abgrund geſtürzt ſein, vor dem Du jetzt ahnungslos ſtehſt! Doch Du ſprachſt vorhin von Rath und Hülfe, die Du bei mir zu finden gedächteſt; rede, worin ſoll ich Dir rathen?

Arthur erhob ſich; einen Augenblick ſchien es in ihm zu kämpfen, dann, raſch die Rechte auf's Herz preſſend, als wolle er es gewaltſam zur Ruhe bringen, erwiderte er mit eintöniger Stimme:Ich muß mich von meinem Weibe ſcheiden laſſen, um die Kluft, die mich von Hedwig trennt, zu überſchreiten.

Oskar ſprang auf.Alſo ſo weit iſt es ſchon gekommen? fragte er rauh.Pflichtvergeſſen willſt Du Dein Weib und Deine Kinder, die keinen ande⸗ ren Beſchützer, keinen anderen Ernährer als Dich haben, hinausſtoßen ins Elend? Das hätte ich nim⸗ mer von Dir erwartet.

Aber ſo höre doch¹ fiel ihm der Dichter in die Rede.

Ich mag nichts weiter hören, weder die Ent⸗ ſchuldigungen, mit denen Du Dein Gewiſſen betäuben willſt, noch die Vorwürfe, mit denen Du Dein ſchuld⸗ loſes Weib überhäufſt. So lange ich die Sache noch als nicht zu weit vorgeſchritten betrachtete, wollte ich Dich gehen laſſen und nicht der Vorſehung vorgreifen; jetzt aber, wo es ſich um das Lebensglück einer ganzen Familie handelt, jetzt, wo Du im Begriffe ſtehſt, die heiligſten Bande gewiſſenlos zu zerreißen, jetzt mußt Du erfahren, welcher Buhlerin Du die Ruhe und das Glück Deiner Familie zu opfern gedenkſt.

Buhlerin? fragte Arthur, ednen Schritt zurück⸗ tretend,wer giebt Dir das Recht, ſo über Hedwig zu ſprechen?

Komm' mit, erwiderte Oskar,die Gräfin kann uns im Gedränge nicht geſehen haben, kennt alſo unſere Coſtume nicht, folge mir.

Arthur zogerte einen Augenblick, dann ergriff er

binde Deine Maske vor und

Novellen⸗Zeitung,

Der haſtig die Maske und folgte ſeinem Freunde, der das

ine Arm

Zimmer ſchon verlaſſen hatte. 1 has in L Die Gräfin von Altheim wanderte nach ihrer Unterredung mit Reichendorff einige Minuten lang 2 loch ſuchend durch den Saal, endlich blieb ſie vor einen fuh Domino ſtehen.Alſo hier trifft man Dich, Treu⸗ 48 1 loſer, ſcherzte ſie, indem ſie ihre Hand leicht auf n bif die Schulter des Dominos legte,hier, bei den Schä ferinnen und Blumenmädchen? dunſt du

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Der Angeredete bot der Gräfin ſeinen Arm und 1 führte ſie durch den Saal.Es iſt gut, daß Du deine G kommſt, Hedwig, hob er an,ich langweilte mich, gundſte hätteſt Du mir nicht ſo feſt verſprochen, hierher zu ß denke kommen, wäre ich ſchon längſt fortgegangen. 2 die d

Sprich nicht ſo laut, Guido, flüſterte die Gräfim er könnte uns hören.

Er und immer er, erwiderte der Huſarenlieute nant,wann wirſt Du die Komödie einmal beenden? l⸗ Willſt Du mir eine Stunde opfern, Hedwig? Ich habe manches mit Dir zu reden, komm mit in jenes Seitencabinet, dort ſind wir ungeſtört. We

Die Gräfin dachte einen Augenblick nach.Es 1 tt ſei, flüſterte ſie,doch nicht jetzt, das würde Aufſehen erregen, nach einer halben Stunde will ich dort ſein.

Mit dieſen Worten zog ſie ihre Hand aus ſeinem Arme und verſchwand gleich darauf in der Menge. Der Lieutenant ſah ihr eine Weile nach, dann wandte er ſich um und ſchritt wieder auf die Schäferinnen zu.

Nach Verlauf einer halben Stunde trat die Gräfin in das bewußte Cabinet; Stürmer war ſchon dort, nach ihrem Eintritt ſchloß er die Thüre, nahm ſeine Maske ab und ſetzte ſich in's Sopha.

Unſere Liaiſon dauert nun ſchon eine geraume Zeit, Hedwig, begann er, nachdem er eine Cha pagner⸗Flaſche entkorkt und die Gläſer gefüllt batte, und ſo oft ich auch den Verſuch machte, 1s ihrem von mir ſo heiß erſehnten Ziele eugedene führen, haſt Du mich doch ſtets zurückgewieſen. Des⸗ halb nun, und weil ich endlich einmal dem Drängen meines Herzeüs, das ſich nicht länger beſchwichtige läßt, nachgeben muß, will ich jetzt ernſt mit Dir da⸗ rüber reden und von Deinen Lippen hören, was ich zu erwarten habe.

Der Augenblick zu dieſer Unterredung iſt ſchlechte der gewählt, erwiderte die Gräfin,ich bin heute nicht in der Laune, mich auf ein ernſtes Thema einzulaſſen.

Deshalb, Guido, ſcheuche die Falten von Deiner Stirne und den Ernſt aus Deinem Herzen, ſei fröͤh⸗ lich und genieße den Augenblick, der nicht wiederkehrt! Dann ein Glas ergreifend und daſſelbe erhebend, trällerte ſie:Treibt der Phampasnei das Blut durch die Adern.

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