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Iffland, wo Ludwig Devrient lebten, war für den Schauſpielerſtand noch eine ſehr abenteuerliche, und bei weitem nicht auf ſo kurzen Wegen wie heute gelangten jugendliche Talente zu ihrem Ziel. Kein Theater⸗ bureau, kein ordentlich fördernder, uneigennütziger „Seelenverkäufer“ reichte ihnen die Hand, und die deutſche Preſſe hatte noch nicht ein ſo allgemeines Netz der Intelligenz und induſtriöſen Berichterſtattung über ganz Deutſchland geſponnen, durch welche es heute zu Wien verſpürt wird, wenn in dieſes Netzes Maſchen zu Hamburg eine glänzende Eintagsfliege zappelt. Deshalb und weil es noch keine Eiſenbah— nen und keine ſegensreiche Reiſewuth gab, ſo wie noch aus vielen anderen Gründen arbeitete die Schauſpiel⸗ kunſt in Deutſchland unbekannt neben einander her, und man wußte oft kaum, was in den Nachbarſtädten vorging. Die Schauſpieler wurden genöthigt, lang⸗ ſam von der Pike aufwärts zu dienen, und Mancher, der zum General Talent genug gehabt hätte, blieb durch die Ungunſt der Verhältniſſe Pikenträger ſein Leben lang. Wer aber endlich unter dieſen qualvol⸗ len Hinderniſſen, in dieſem langſamen Schrittgang des Avancements emporkam, verſtand dann auch wirk⸗ lich die ganze Taktik ſeiner Kunſt und jagte keine Ideale, die ohne Entfaltung aus dem geſunden Leben gpſtracte Phantome ſind.
Dieſes Dienen und Arbeiten, dieſes Ringen und Schaffen, bei dem Jeder ſein techniſches Können als eine gültige Errungenſchaft des Fleißes werthſchätzte, weil es von ſeinen eingeweihten Genoſſen, trotz Eifer⸗ ſucht und Kabale, als ſolche erkannt ward, gab der Handhabung der Schauſpielkunſt etwas Zunftſtrenges, Handwerksmäßiges, das zugleich etwas ſehr Hand⸗ werkstüchtiges war.
Die eigentliche Schule, die überlieferte Manier großer Meiſter erhielt ſich dadurch in wirkungsvollem Glanze und ſegnete auch kleine Talente mit dem nie zu verſpottenden Segen mechaniſcher Abrundung.
Daraus entſproß die Erſcheinung der Lebens⸗ wahrbeit, der genrebildlichen Treue, der Kunſt des ruhigen, natürlichen Proſadialogs,— Eigenſchaften, in denen ſelbſt die früheren mittelmäßigen Schau⸗ ſpieler bedeutend waren, während die heutigen mittel⸗ mäßigen darin entweder Stümper oder hohle Manie⸗ riſten zu ſein pflegen.
Einen aus jener alten Schule noch hervorgegange⸗ nen, aber ſchon auf der Grenzſcheide der neueren ſtehen⸗ den Schauſpieler uns in ſeinem Streben und ſeinem verhängnißvollen Künſtlererdenwallen ausführlich zu ſchildern, hat ſich Holtei in ſeinem„letzten Komödian⸗ ten“ zur Aufgabe geſtellt. Man braucht wohl kaum zu erwähnen, daß der Verfaſſer alle Detailkenntniſſe
Novellen⸗
Zeilung,
zu einer ſolchen Arbeit mitbringt, und zwar in ganz beſonderem Grade, denn Holtei hat bekanntlich zwei Muſen gebuldigt, der der Schauſpielkunſt und der der Poeſie. Einen reichen Schatz von Erfahrung hat ihn das Schickſal in beiden Fächern für den übrigen Preis der ſchönſten Lebensjahre käuflich überlaſſen.
Der Held, welchen Holtei begleitet, heißt Wulf, und es iſt indifferent, wie weit ſeine Fata der Wirk⸗ lichkeit oder der freien Erfindung angehören. Jeden⸗ falls genügt es, daß ſie in geiſtiger Wirklichkeit dar⸗ geſtellt ſind.
Es zerfällt nun der Roman, wenn man ihn als
ein Kunſtproduct betrachten will, was Pflicht der
Aeſthetik iſt, in zwei Abtheilungen, nämlich in eine gelungene und in eine mißlungene. Die erſtere füllt den erſten Band, die zweite die beiden anderen Bände aus.
Dies Urtheil klingt ſehr ungünſtig, doch nur für den erſten Augenblick, denn ich füge hinzu, wer den dritten Theil eines langen Romans ſo zu ſchreiben
vermag, daß man es nur mit dem behaglichſten Er⸗
ſtaunen über die Abrundung dieſes naturwahren, ein⸗ fachen Gemäldes leſen kann, der hat in der That ſchon nicht wenig erreicht, da ſich die meiſten Roman⸗ ſchreiber kaum in einem einzigen Capitel als ökono⸗ miſche Künſtler zu bewähren pflegen. Dazu kommt noch, daß die beiden andern Theile zwar als prakti⸗
ſche Erzählung ein ganz unorganiſches, zerriſſenes,
disharmoniſches Gebilde, trotzdem aber doch mit ſor viel Spannung vorgetragen und mit ſo intereſſanten, wenn auch höchſt plauderhaften Abſchweifungen eines feinen Apergu's durchwebt ſind, daß man ſie mit Intereſſe leſen kann und beſonders das große Publi⸗ cum ſeine Kenntniſſe dadurch höchſt wünſchenswerth erweitert..
Im erſten Bande hat der Dichter mit gar ein— fachen und doch jugendfriſchen Farben eine hoͤchſt glückliche Compoſition gemalt, und ſeinem Bilde kommt
es zu gute, daß die wenigen Figuren deſto genauer
ausgeführt und mit einem beſtimmten Rahmen ruhig umſchloſſen ſind..
Wir befinden uns in einem alten Schloſſe, wel⸗ ches ganz verfällt und nur von den Verwaltungs⸗ behörden ſeines Beſitzers nebſt der ganzen dazu ge⸗ hörigen Herrſchaft adminiſtrirt wird. Dieſer Eigen⸗ thümer, der Reichsfreiherr von Tauren⸗Kautzburg, kommt dort eines Tages unerwartet an und hält plötzlich Villeggiatur in dem alten Kautzburg, wel⸗ ches neu hergerichtet und wieder in wohnlichen Zu⸗
ſtand verſetzt wird. Geld zu ſparen iſt gerade ſeine Abſicht nicht; aber das Geklatſch in der Stadt und
ſeinen guten Ruf will er ſparen, indem ihm das ein⸗
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