Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
554
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begegnet ſein, ſo kurze Zeit lag zwiſchen ſeinem Gehen und dem Kommen der Letzteren. Beide müßten ſich auch getroffen haben, wenigſtens im Zimmer des Portiers, wohin Alfred den Schlüſſel zum Zimmer zu geben pflegte, wenn er das Haus verließ, wäre das Mädchen nicht, als ſie ſeinen Tritt, den ſie von vielen unter⸗ ſchied, vernahm, in das Schlafkämmerlein der Hausleute entſchlüpft. Sie nahm Alfred's Stubenſchlüſſel den ihrigen trug ſie ſtets bei ſich, ſtieg hinan, ſchloß auf, trug den Schlüſſel zu dem Portier zurück, den ſie bat ihre Heimkehr zu verſchweigen, eilte in Alfred's Zimmer hinauf und ſchloß es mit dem Riegel, den von außen eben der Schlüſſel zurückzog.

Herrlich, rief das entzückte Mädchen,er iſt nicht da! Die Probe hat lange gedauert, es wird ſchon dunkel. Als ich die Straße hinaufging, glänzte ſchon hier und da in den Fenſtern ein Weihnachts⸗ baum. Wie freue ich mich über die Probe! Alles ging vortrefflich, der Capellmeiſter, der Regiſſeur drück⸗ ten mir die Hand. Wie noch anders will ich ſingen, wenn das Haus gefüllt iſt, wenn ich Herzen vor mir weiß, die ich wach ſingen ſoll aus dem Alltagsleben heraus, herauf zu Deiner Höhe, herrliche Kunſt! Ach, ein Mal nur wird mir das Glück werden und nie wieder. Fort mit Grillen und Sorgen! Jetzt, mein lieber Alfred, lege ich hier meine Weihnachtsgeſchenke für Dich aus.

Im Begriff Licht anzuzünden, hörte ſie ſeine Schritte wieder. Vorſichtig klinkte er an dem Schloſſe ihrer Thür, dann öffnete er das ſeine; Marie hatte ſich hinter einen Schrank geflüchtet; Alfred ſchlüpfte in ihr Zimmer.

Leiſe ſchob Marie den Riegel der Seitenthür vor.

Was ſie in ſeinem Zimmer that, that er in dem ihrigen, Beide bereiteten ſich eine Weihnachtsfreude. Marie war zuerſt mit ihrem Arrangement fertig, ſie ſchob den Riegel der Zwiſchenthür zurück, ſchlich leiſe in Hut und Mantel, wie ſie war, hinaus, ſchloß ihre Stube auf, als käme ſie erſt heim und hätte keine Ahnung von ſeinem Hierſein.

Zu gleicher Zeit, als Marie in ihr Zimmer trat, ſtand Alfred auf der Schwelle des ſeinigen. Beide ſtanden überraſcht, zum erſten Male dankten ſie ſich in einem langen herzlichen Kuſſe für die Liebe, mit der ſie ſich gegenſeitig erfreut hatten.

Sieh, Marie, hier in dieſem Käſtchen neben den Handſchuhen liegt ein Papier, was mag das ent⸗ halten?

Weiß ich es?

Da nimm und lies!

Das Blatt entfiel ihren zitternden Händen. Alfred! Gott, iſt es denn möglich? ich Sängerin

Novellen⸗ Jelung.

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am Theater? lieber Freund!

Freudenthränen fielen auf ſeine Hand, die ſie mit Küſſen bedeckte. Alfred hatte Mühe die Aufre⸗ gung dieſes Augenblicks, der ihm eine ſüße Möglichkeit vor die Seele führte, zu bezähmen.

Weine nicht, ſagte er mit tiefem Ernſt,höre mich ruhig und verſtändig an. Uebermorgen trittſt Du in die Welt, morgen beziehſt Du eine elegante Wohnung, die ich bereits gemiethet habe. Barone, Grafen, Fürſten werden Dir huldigen. Verſprich mir, in den Stunden der Gefahr an mich, an Dein Zim⸗ 1 mer, an dieſen Abend zu gedenken. Deinen Namen 6, behalte ich für mich, klingen ſoll er in meiner Seele Ein in den Stunden des Schaffens, die irdiſche Marie beſchre ſoll mir zur himmliſchen werden. Die Welt verehre 3 Dich unter den Namen Edwina. Näüeäad

Laß mich ſterben, Alfred, an Deiner Bruſt.

Lebe der edlen Kunſt des Geſanges, halte ſie heilig, wie die Unſchuld Deines Herzens. Und nun ſchließe ſich das Drama in der Manſarde. Wir waren des genoſſenen hochſeligen Augenblicks werth, denn rein und ohne alle Schuld ſind wir eng neben einan⸗ der gewandelt. Habe ich mein Verſprechen gehalten, Marie? 4

Ein langer inniger Blick, ein Auge voll Whiändh antworteten.

Am anderen Tage bezog die Glückliche die er⸗ miethete Wohnung in dem Vorderhauſe. Als ſie am. wit A dritten darauf Abends aus dem Theater zurückkehrte wenn a und in din Zimmer eilen wollte, um ihrem Bruder natic den erſten ihrer Triumphe zu berichten, trat der alte t i freundliche Portier zu ihr und übergab einen Vrieſ

h

Alles, alles durch Dich, Du edler

Liter

De⸗ Holt

Se wane w der im mittag

Alfred's Hand, was iſt das? A

Zitternd erbrach ſie das Blatt, darauf ſand:

Ich bin fort, meine herzigliebe Marie, fort un, dei unſer Beiden willen. Unendlich habe ich Dich ge⸗ fing liebt ſeit dem erſten Augenblick, unendlich liebe ich der Dich noch heute. Schwere Herzenskämpfe habe ich vile in mancher Nacht gekämpft, um Dir Bruder zu blei ben. Ich weiß, Du würdeſt meine Hand nicht aus⸗ auls ſchlagen, aber ſie ſoll mich für das Wenige, was ich vird gethan habe, nicht belohnen. Ein kleines Plätzchen kuft in Deinem Herzen, wenn es auch einſt Einem undindu dann dem Glücklichſten der Erde gehört, das weiß kraft ich, giebt es, wo mein Name gern gehört wird und heiſt wo keine Zeit mein Bild verwiſchen wird. Lebe wohl, eſe

auf ewig wohl! Gehſt Du durch den alten Hof, ſo herzi blicke hinauf nach dem Erker. ns

Ich bleibe doch nur Dein, mein hochherziger Alfred, und unſere liebe Manſarde wird das Heilig⸗ thum, in dem ich einſt ſterben will.