552 Marie hatte ſogar das Glück, im Salon gräflicher und fürſtlicher Perſonen ſingen zu dürfen. Neben dem Geſangstalent entwickelte ſich unter der unermüd⸗ lichen Leitung ihres brüderlichen Freundes ein zweites, das der Darſtellung, ſie trug die einſtudirten Opern⸗ partien mit unendlicher Grazie vor und war ſtolz auf ihres Lehrers Beifall, der ihr mehr galt, als der eines ganzen Auditoriums.
Alfred hatte die Begegnung mit Marien vor dem Thor der Stadt zum Vorwurf eines Gemäldes ge⸗ wählt, welches auf der permanenten Kunſtausſtellung der Stadt die Aufmerkſamkeit aller Beſchauer auf ſich zog, heute aber— es iſt der Morgen des dritten Weihnachtsfeſtes, ſeitdem Marie neben Alfred wohnte— wieder auf der Staffelei ſeines Zimmers ſteht. Vor ihm, es betrachtend, finden wir den Maler, er hält in der Hand ein Billet. Es iſt von der Gräfin Werthheim, ſie hat ihn in dieſen Zeilen gebeten, das Bild heut Morgen in ihrem Zimmer aufzuſtellen.
Was mag ſie mit dem Bilde vorhaben? fragt er ſich, wird ſie es kaufen? Wenn es geſchähe, ach, dann könnte ich meinen Plan— ſtill, Alfred, keine ſanguiniſchen Hoffnungen, zu bitter iſt Enttäuſchung.
„Er nimmt das Bild unter den Arm, um den nur als Wunſch ausgeſprochenen Befehl der Gräfin aus⸗ zuführen. Nach einer kleinen Stunde kehrt er heim; Marie hat ihn ſchon längſt erwartet, denn ein Brief an ihn iſt angekommen, und der Bote will bald die Antwort holen.
„Wohin biſt Du in aller Frühe ſchon gegangen 2“ fragt ſie den Heimkehrenden.
„Ich komme von der Gräfin Werthheim.“
„Von ihr?“
„Allerdings, ſie hat mich geſtern gebeten, mein Gemälde„die erſte Begegnung“— in ihrem Hauſe aufzuſtellen.“
„Sie wird es kaufen, mir ſo ſtehlen, denn an dem Bilde hing mein Herz.“
„Auch das meine, aber, ſüße Schweſter, das iſt das Loos des Malers, ſeine liebſten Schöpfungen muß er in fremde Hände hingeben, die ihn bezahlen. Für die Lieblinge ſeiner Seele erhält er kaltes Gold, nichts bleibt ihm übrig, als das Heimweh ſeiner Erinnerungen; und— doch iſt der Maler glücklich, wenn er ſeine Kinder verkaufen darf. Sieh, was iſt das dort auf Deinem Nähtiſche für ein Brief?“
„Ein Theaterdiener brachte ihn.“
„Laß ſehen.“ er
*² Alfred erbrach den Brief und las:
„Die Sängerin Brinkmann iſt plötzlich ſchwer
erkrankt. Die Aufführung der auf übermorgen ange⸗
Rovellen⸗Zeitung.
lende Fürſt zu hören wünſcht, würde unmöglich wer⸗ ſteinen 1
den, da die erſte Sängerin ihren Urlaub auf Gaſtſpiel geeſſes 4 angetreten hat, wenn Ihre Schweſter nicht die Güte„hen hätte, die Rolle der Camilla zu übernehmen. Die In⸗ſa wie
tendanz weiß durch den Secretair, Ihren Freund, 1Jc daß Fräulein Marie unter Ihrer Leitung die Rolle Alfted feſt ſtudirt hat. Senden Sie Ihre Schweſter noch doon beſi dieſen Morgen, um weitere Rückſprache nehmen zu 730
können.“ ſagen, dai „Träum' ich?“ rief begeiſtert das Mädchen aus nine ſch ‚ich ſoll auf dem Theater ſingen? Verklärter Pathe, Lben blei wenn ich es Dir laut zujubeln dürfte: das arme Dorf⸗ Eie dürfe kind, das einſt im ſchlichten Kleidchen mit Deinemſſe Wahr Sparpfennig hinauswanderte in die Welt, darf end⸗ abe alſo lich auf der Bühne erſcheinen! Und wem verdanke ſcöpfer ich die Feutigkeit dieſes Glückes wieder? Dir, mein„Iun aufopfernder Freund!“ 5.„Wi „Still, Schweſterherz, Du weißt, ich habe dasg urchd verboten, errege Dich nicht jetzt in einem Augenblick, annte.“ welcher vielleicht Dein ganzes künftiges Leben ent⸗„Un ſcheidet. Der Regiſſeur erwartet Dich.“ db Marie hatte kaum ſeit einer Vütrtelſtunde das ennen, Zimmer verlaſſen, als in das Arbeits⸗Cabinet die Nädchen Gräfin Werthheim eintrat, eine hoch gebildete Dame, door ein welcher jeder nichtige Adelsſtolz fremd, wohl aber eine Singeld ſeltene Frauenwürde und eine Leutſeligkeit eigen war er Für die es keineswegs unter ihrer Würde hielt den Schö⸗ en in pfer eines Gemäldes in ſeiner Behauſung aufzuſuchen, Beinka der ein Meiſter ſeiner Kunſt zu werden verſprach. aber p „Sie,“ rief erſtaunt Alfred aus,„bemühen ſich Nitt iſt zu mir?“ 4 „Die Kunſt ſoll man ſuchen, ſie wohnt auf der Menſchheit Höhen, es ſcheue ſich Niemand zu ihr em⸗
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porzuſteigen,“ antwortete die Gräfin mit liebenswür⸗ digem Humor.„Zudem habe ich mir ſchon längſt die Gelegenheit gewünſcht, das Atelier eines tüchtigen Malers, eines echten Künſtlers in Augenſchein zu nehmen.“ „Meine Gnädigſte, will ich auch gern zug daß aus dem Atelier Dinge hervorgehen können das Auge erfreuen: das Atelier ſelbſt, es iſt nur mal ſo, pflegt das Auge gewöhnlich nicht zu e fre Die Gräfin warf lächelnd einen Blick durch d Zimmer, und fuhr dann fort:„Ich bin Ihnen fuͤf dern die Bemühungen bezüglich der Aufſtellung des Ge eine
mäldes ſehr verbunden. Ich behalte es, der Preis a war, irre ich nicht, funfzig Louisd'or.“ lldon
Das freudige Erſchrecken benahm für den Augen cch blick Alfred die Sprache. s
„Mein Zahlmeiſter iſt angewieſen, Ihnen dieſe eine Summe auszuzahlen, haben Sie die Güte, an ihr Hier
ſetzten Oper Zampa, welche der jetzt am Hofe wei⸗
deshalb ſich zu wenden. Aber was iſt Ihnen? Sit 4 thum
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