Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
549
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Vierte mn. Finen ſin wet hen Kinder der Flora hinüber. So erklären wir über 4 uns leicht den Blumengarten in den Fenſtern des er Auedii Cantors. ſelennget In der Stobe, deren ländliche Einfachheit wir a

mit Wohlbehagen begrüßen, ſteht in dem Raum hin⸗ eer dem Ofen, dem man in der dortigen Gegend den ſiemlich unfreundlichen Namendie Hölle gegeben hat, ein kleiner Korb, und in ihm ſchläft der neue Gaſt

und machen

agbeſchränt⸗ t der arme Sorgen be zeſellſcafter ſich trennen neer Infor⸗ unt gehofft, von einem

den ſoll. Für dieſen Ankömmling verſucht ſich der Pathe Cantor in dichteriſchen Ergüſſen.

Leider iſt uns der Raum nicht geſtattet, von dem Leben im Gärtner⸗ und im Cantorhauſe unſeren Le⸗ ſerinnen mehr zu erzählen, es iſt auch die Frage, ob

der Erde, ein Mädchen, welches morgen getauft wer⸗

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meiſt der Menſchen Loos entſcheidet. Ein wildes Fieber brach im Orte aus, ihm erlagen Mariens Eltern.

VBiſt Du mir doch geblieben! rief das ver⸗ laſſene Kind, als der ungeheure Schmerz um den Ver⸗ luſt von der Zeit gemildert worden war.

Die väterliche Beſitzung wurde verkauft, klein war der Ueberſchuß, der für Marien, die einzige Er⸗ bin, verblieb. Sie zog nun zu dem Pathen hinüber und verſorgte ſeine kleine Wirthſchaft. Wieder bil⸗ dete ſich ein Stillleben, bei dem wir jedoch auch nicht verweilen dürfen, ſo kurze Zeit es auch währte, kurze Zeit, nur ein Jahr.

Das Feſt Johannis des Täufers war erſchienen⸗

ie daran Geſchmack finden würden, wenn ſchon ein Der ſchönen Sitte des Ortes, die Gräber ſeiner Lie⸗ Frauenherz für die Innigkeit eines ſtillen kleinen ben mit Blumen und Kränzen zu ſchmücken, folgend, Gefühlslebens mehr Empfänglichkeit hat, als die hatte Marie dieſe fromme Pflicht auch an dem Hügel ſtarre, durch die Welt ſtürmende Natur des Mannes. ihrer Eltern erfüllt und kehrte jetzt in das Zimmer

i, Kenoſſen, nt hier als Als einzige

im nur das Nyithenſtock lbrig, aber in ſeinem Jett pfle zu über⸗

Wir berichten daher nur, daß das Tauffeſt fröh⸗ lich gefeiert wurde, und überſpringen ſodann die Zeit von ſechszehn Jahren.

Marie, dieſen Namen dem Kinde zu geben, hatte in treuer Erinnerung an ſein verlornes Lieb der Can⸗ tor ſeinen Freund, den Gärtner, gebeten, war in die⸗ ſer Zeit die Schülerin und der Liebling des Cantors geworden; der Liebling aus gar vielen Gründen, ein⸗

b

d., kehren

uc. mal, weil der Cantor Marien ähnlich ſeiner Braut henſtökchen finden wollte hauptſachlich aber deshalb, weil ſich in nchzeitstage dem Mädchen ein ungewöhnliches Geſangstalent mit fellſt ge der Zeit entwickelt, herausgebildet hatte.

lieb. Es allerdings ein Genuß, an milden Som⸗ nken, daß

mer en den Geſang Mariens, von der Violine Leihe der oder dem Spinett des Cantors begleitet, in der Eck⸗

ſo haben laube der Gärtnerwohnung zu hören.

Tauffeſte. Wenn dann am Tage nach einem ſolchen Haus⸗

Wohnung toncert der Gärtner Matthias ſein Entzücken dem Can⸗ oor nicht verſchwieg, ſagte dieſer ſtets:

zindirſtubeFreund, laß Deine Tochter Sängerin werden,

zn über, es iſt der Weg zu Ruhm und Reichthum.

hräg über, I. erhaus vor Auf den Einwurf, wie auf dieſer Laufbahn ganz beſonders ein Mädchen der Gefahr unterzugehen aus⸗

1

2 lauſchge geſetzt ſei, entgegnete der Cantor: olkommenLiebſter Matthias, Gefahren lauern an jedem erbäumen Wege auf die Tugend, bald in dieſer, bald in jener,

ſtets aber in verlockender Geſtalt. Mein Freund, was wäre Tugend ohne Gefahr? ein leerer Schall. Der Sturm, welcher über ein aufwachſendes Bäumchen kommt, befeſtigt ſeine Wurzel; Gefahr macht die Tu⸗ gend erſt zum feſten Anker unſeres Lebensſchiffes, alſo entſchließe Dich.

Der Gärtner konnte ſich aber nicht entſchließen; da kam das Schickſal, der mächtige Beherrſcher, der

nus deſſen e ſtrecken, chützenden ſchimmert

des Pathen zurück.

Sie hatte ihn freudig und heiter verlaſſen, wie fand ſie ihn wieder! Von einem Schlagfluſſe getrof ſen⸗ ſaß er bleich auf dem Kanapee, mit der Hand winkte er ſein liebes Kind heran.

Mariechen, begann er mit gebrochener Stimme, mein Ende iſt gekommen, ich fühle es; nur wenige Augenblicke will der Herr dort oben mir noch ſchenken, ehe er mich zu ſich beſcheidet. Weine nicht, ſondern höre mich an. Mein lieves Pathchen, Jedem verlieh der Lenker unſerer Tage in ſeiner unendlichen Güte und Gnade eine Gabe, die ihu durch die Welt leitet; Dir gab er das Geſchenk einer wohlthuenden, zum Herzen ſprechenden Stimme. Ich habe, ſoweit meine Kraft reichte, dieſes Talent gebildet und freue mich jetzt in meiner Todesſtunde über die herrliche Blüthe, in welcher ſie ſteht. Ich weiß, daß Dein Fleiß nicht ermüden, ahne, daß dieſe Stimme Dein Glück begrün⸗ den wird. Wandere, Gott im Herzen, in die Dir noch unbekannte Welt. Dort in dem letzten Fache meines Schreibtiſches habe ich eine erſparte Summe liegen, dieſe iſt Dein, nimm ſie; iſt ſie auch klein, im An⸗ fange wird ſie ausreichen. Segen des Himmels auf Dein liebes, liebes Haupt!

Das waren ſeine letzten Worte.

Am achten Tage nach der Beſtattung des Can⸗ tors finden wir an ſeinem Hügel eine weibliche Ge⸗ ſtalt knieen. Es iſt Marie, ſie hat einen vollblühen⸗ den Roſenkranz auf das Grab ihres letzten Freundes gelegt, und nimmt Abſchied von dem theuren Ort, denn morgen will ſie die Wanderſchaft in die Welt antreten.

Der Morgen kam, und auf der Landſtraße nach der Reſidenz ſehen wir das Mädchen, eine Euitarre