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den ein Kätzlein ſchleicht, empfängt uns; die eine mit Auchleiſten gegen die Kälte der Winterszeit geſchützte
Vorkehr— bringt uns in das Zimmer des Cantors. Sdier iſt es traut, lieb und anheimelnd.
alb, auch ganz zurückgeſchlagen und laſſen eine Bib⸗
die ihm anvertraute Jugend auch in der Muſik unter⸗ richtet, mindeſtens ihren Geſang beim Beginnen und Schluß der Stunden regelnd begleitet.
Der Blick in dies Auditorium beſcheidener Dorf⸗ gelehrſamkeit hat uns ſchon für den Bewohner des Hauſes eingenommen. Wir hoffen ihn in dem erſten und einzigen Stockwerk des Gebäudes zu finden, ſtei⸗ gen daher die hölzerne Treppe, mit dem nach länd⸗ lichem Geſchmack ſchön blau gefärbten Geländer ver— ſehen, hinan. Ein äußerſt ſauberer Hausboden, über
Thür— in der gegenwärtigen Jahreszeit eine unnütze
Gleich vorn an der Thür auf dem Tiſche ſteht ein großer Erdglobus, unter dem Tiſche in einem Korbe liegt ein alter Hund, deſſen, ganze Erſcheinung uns nicht verſchweigen will, daß dies treue Thier das Gnadenbrod außer dem beſchaulichen Ruheplätzchen hier empfängt. Die Wände ſind mit Bücherrepo⸗ ſitorien verſehen, die grünen Vorhänge hier und da
liothek erkennen, die wir hier nicht vermutheten. Ein Schreibtiſch mit einem Fächeraufſatz iſt mit Büchern und Schriften bedeckt, und auf dem Aufſatze zwiſchen
Geſtealt einer ausgeſtopften Eule, das Symbol Miner⸗
ſtanden:„Kleine Blumen, kleine Blätter“?
zwei Porzellanfigürchen zeigt ſich unſeren Blicken die
vens. Dem Schreibtiſche gegenüber ſteht eines jener beſcheidenen Claviere, die jetzt immer ſeltener zu wer⸗ den pflegen, die Decke iſt zurück⸗ und auf dem Noten⸗ halter liegt eine Bach'ſche Fuge aufgeſchlagen. So werden wir auch hier an die muſikaliſche Begabung und Neigung des Cantors erinnert. Auf den Fenſtern iſt ein ordentlicher Zimmerblumengarten hergeſtellt, darunter ſteht ein großer Myrthenbaum, um deſſen Stämmchen ein weißes Band geſchlungen iſt. Wie es ſcheint, hat darauf eine Schrift, etwa ein Reim ge⸗
Neben dem Arbeitstiſche hängt ein weibliches Portrait mit einer ſchwarzen Schleife.
Kann uns auch der nur von einer vergangenen
Novellen⸗Zeitung.
über das Papier Gebeugten doch erkennen. Fünfzig de Kin
Jahr iſt er wohl auf Erden gewandelt, ſein bereits m lei ergrautes Haar geht ſchon in das Weiße über, ſein gutots. Geſicht nicht ohne kleine Falten, aber der Ausdruck In des innigſten Gemüthes, das aus dem ſeelenvollen mi Wol Auge ſpricht, der milde Zug um den Mund machen der dem uns den Mann lieb. giemlich
Er hat recht viel in ſeinem kleinen, engbeſchränk⸗ein klei ten Leben erfahren. Weit iſt er gewandert, der arme der Er Candidat der Theologie, von Noth und Sorgen be⸗ Kau ſo gleitet, hat, als dieſe unwillkommenen Geſellſchafter Pathe an den Thoren adeliger Häuſer von ihm ſich trennen mußten, den Stolz dieſer Häuſer, in denen er Infor⸗ eben mator war, ertragen, hat auf ein Pfarramt gehofft, ſerinn hat es nicht erlangt— hat die Seligkeit, von einem je da hochherrlichen Mädchen geliebt zu werden, genoſſen, Fraue hat ſie am Hochzeitstag, an dem er ſein Amt hier als Gefül Cantor antrat, durch den Tod verloren. Als einzige ſtarre,
Erinnerung an all des Herzensglück iſt ihm nur das
Zeit der Modeausſchreitung ſchön geheißene Anzug nicht intereſſiren, einnehmend iſt dieſes wunderliebliche
Geſicht mit den ſanften Zügen, den ſchimmernd⸗blauen Augen, der edelgeformten Stirn und dem vollen dunkel⸗ blonden Haarſchmuck.
Haben die Myrthe und dieſes Bild etwa Bezie⸗ hung zu einander? Das könnte uns nur der Cantor ſelbſt ſagen. Er ſitzt vor dem Schreibtiſche, wie es ſcheint, gar mit Dichten eines Carmen beſchäftigt. Eine hohe, ſchmächtige Geſtalt läßt ſich in dem
Bild mit der ſchwarzen Schleife und der Myrthenſtoc l4g mit dem vergilbten, einſt weißen Bande übrig, aber lumn die Liebe zur Heimgegangenen blüht noch in ſeine Herzen, in unſeren Tagen eine Seltenheit. Jetzt pflegt tn te die Trauer den Flor auf dem Hute nicht zu über⸗un ſi leben. Ngr zu Doch wir wollen uns nicht verbittern, kehren gewond wir zu unſerem liebgewordenen Cantor zurück. unl, Auf dem weißen Bande um das Myrthenſtöckchen finden haben allerdings an jenem traurigen Hochzeitstage den? Verſe geſtanden, der Bräutigam hatte ſie ſelbſt ge⸗ der ge dichtet, denn das Bäumchen gehörte ſeinem Lieb. G Sagten wir vorhin, es wolle uns bedünken, daß en auch heute der am Tiſche Sitzende die Weihe der Muſen für ſein Blatt Papier ſich erbitte, ſo haben(aus wir uns nicht geirrt, er dichtet zu einem Tauffeſte. b Ein Tauffeſt? Die Frage führt uns in die Wohnung one des Gärtners ein.. tor Wenn wir durch das Fenſter der Studirſtube des Cantors ſehen wollen, haben wir ſchräg über, s i kaum hundert Schritt entfernt, das Gärtnerhaus voer den Augen. Weſo Ach, iſt das eine, wie ſoll man ſagen, lauſchige Iſeeſes Wohnung! rufen wir aus, und wir haben vollkommen b Recht. Sie iſt ganz umſponnen von Spalierbäumen Wege aller Art, zur Seite ſteht ein Gewächshaus, aus deſſen ſtits offenen Fenſtern Bäume ihre grünen Zweige ſtrecken, äre im Garten ſind von den Frühbeeten die ſchützenden 8 lam Decken abgehoben, und über die Glastafeln ſchimmert onn der ſommerliche Sonnenſchein.— gend Der Gärtner und der Cantor ſind treue Freunde alſo
einander geworden. Jener kennt die Liebe dieſes zu den Blumen, deshalb ſendet er alle Tage die blühen⸗


