Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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auf ihn, einen der Rebellen in ihm vermuthend. Die Schüſſe trafen Leslie nicht, brachten aber die Stadt, welche ohne eine Ahnung von dem auf der Burg Vorgefallenen bisher ruhig geweſen war, in Alarm; die Hauptwache trat ins Ge⸗ wehr. Leslie's ſchnelle Gegenwart war nöthig, um zu be ruhigen und das Gelingen des Schlages zu ſichern. Er eröffnete ihr den ganzen Zuſammenhang der für den Kaiſer geſchehenen Verſchwörung, das Schickſal der Anhänger des Herzogs und das, was dieſem nun ſelbſt bevorſtünde, und forderte ſie auf, ſich ihm anzuſchließen.

Als die Soldaten, auch Truppen von Terzka's Regiment, ſich bereitwillig erklärten, mit Leslie zu gehen, ließ er ſie noch einmal dem Kaiſer ſchwören, befahl dann, hundert Dragoner aus der Burg in die Stadt einreiten zu laſſen, um die all gemeine Wache zu übernehmen; beſetzte die ſämmtlichen Stadtthore und alle Straßen, welche zum Markte, alſo zu Wallenſtein's Wohnung führten, und eilte dann, nachdem das Alles in größter Eile und tiefſter Stille vollzogen worden, auf die Burg zurück; hier hatte ſich nichts verändert; nur die Kerzen waren tiefer herabgebrannt; die Todten ſchliefen den ſtil⸗ len Schlaf, in den ſie ſo plötzlich verſenkt worden waren, ruhig fort, und die Lebenden harrten der Botſchaft des Gefährten. Wohl lautete dieſe günſtig, ſie konnten aufbrechen, um dem finſtern Werk die blutige Krone aufzuſetzen.

Es war 11 Uhr, Leslie, Buttler und Deveroux verließen die Burg, zu deren Schutz Gordon zurückblieb. Eine kleine Anzahl entſchloſſener Dragoner begleitete ſie; ſie nahmen den Weg zu Wallenſtein's Wohnung; Buttler und Leslie um zingelten ſie, beſetzten ihre Ausgänge, und Deveroux, der ſich erboten hatte, das meuchelmörderiſche Werk auf ſich zu neh⸗ men, ſchickte ſich an, mit ſechs Dragonern in das Haus ein⸗ zudringen.

Mitternacht war nicht mehr fern. Der Herzog hatte eben ſeinen Aſtrologen Zenno(Seni) entlaſſen.

Er ſehnte ſich nach Ruhe;der letzten Tage Qual war groß. Sein Kammerdiener hatte ihn entkleidet und ſich in das Vorzimmer zurückgezogen, der Herzog die Thüre abge⸗

ſchloſſen und ſich zu Bette gelegt. Er konnte kaum die Augen

geſchloſſen haben, ſo weckte ihn ein erſchütternd Jammer⸗ geſchrei; er ſprang aus dem Bett und an's Fenſter; das Klagen kam aus dem Hinterhauſe; es waren die Gräfinnen Terzka und Kinsky, welche durch einen dem Blutbad ent⸗ ſprungenen Lakaien Nachricht von der Ermordung ihrer Gatten bekommen hatten. Da tönte auch vor dem Hauſe, dann auf der Treppe wildes Stimmengewirr; Deyeroux war mit ſeinen Dragonern eingedrungen, von der Wache, die ihn mit wichtiger Meldung beauftragt glaubte, ſorglos eingelaſ⸗ ſen; ſie ſtürmten die 32 Stufen jener kleinen Wendeltreppe herauf und von ihr in das Vorzimmer. Dort ſtießen ſie auf den Kammerdiener, der eben erſt vom Herzog herausgegangen war; er legte den Finger auf den Mund, um ihnen zu bedeu⸗ ten, daß der Herzog eben eingeſchlafen ſei und ſienkeinen Lärm machen ſollten.Freund, jetzt iſts Zeit zu lärmen, donnerte ihnen Deveroux mit fürchterlicher Stimme entgegen, und verlangte mit ſchrecklicher Drohung die Schlüſſel zu des Fürſten Zimmer. Jener zögerte, und Deverun ſtürzte zu der verſchloſſenen Thüre. 4

Der Herzog hatte das Fenſter aufgeriſſen, um, erſchreckt von dem immer lauter und drohender werdenden und nun ganz in ſeiner nächſten Nähe ertönenden Geräuſch, die Schildwache zu fragen, was es gebe. Da wird ihm von einem Andern die furchtbare Antwort geboten. Deveroux hatte die Thüre aufgeſprengt und drang, gefolgt von ſeinen

Novellen⸗

Zeitung.

Geſellen, in das Zimmer; mit der Partiſane eines gemeinen Landsknechtes und dem Rufe:Du mußt ſterben! ſtürmte

er auf den Herzog ein; im bloßen Nachtkleide ſtand der Her

zog nahe dem Fenſter, an den Tiſch gelehnt; Deveroux hiel inne, als ob er eine Antwort erwarte. Wallenſtein gab keine, ohne ein Wort zu ſprechen, breitete er die Arme aus und entblößte die Bruſt, um ruhig den Todesſtoß zu empfangen, die er für ſeinen Kaiſer und ſein Vaterland ſo oft dem Kugel⸗ regen, den Schwertern und Lanzen der Feinde entgegenge⸗ tragen hatte. Tief drang die mörderiſche Partiſane ein, kein Schrei, kein Schmerzensruf wurderlaut ein heller rother Strahl fuhr aus der Bruſt und ſprühte an die Wand; ſtill und ſtumm ſank der Herzog von Friedland in den Staub. Einer der Dragoner ſchickt ſich an, den Leichnam nach böhmiſcher Sitte zum Fenſter hinauszuwerfen zallein Deveroux ließ es nicht geſchehen, vielmehr ließ er ihn die oben erwähnte Treppe, auf welcher ſie heraufgedrungen waren, hinunter⸗ ſchleppen, im Hof 10 Schritte weit auf das Pflaſter legen, und mit einem grünen Teppich bedecken. Bald aber ward der todte Herzog in dieſen Fürſtenmantel, an dem das auf das Pflaſter niedertriefende Blut die Purpurverbrämung war, eingewickelt und in Leslie's Kutſche nach dem Schloß gefahren, wo er mit den andern Entleibten den ganzen

folgenden Tag im Hofe liegen blieb. Als man nun einen großen Breterkaſten gezimmert hatte und die fünf Todten hineinlegen wollte, waren ſie von der Kälte ſo ſtarr geworden, daß man ſie hineinzwängen und ihnen die Beine brechen mußte. So wurden ſie auf demſelben Weg, auf dem die Lebenden vor wenigen Tagen gekommen waren, nach Mies, dem Schloſſe Illo's, zurückgehrggßt, um vort, bis näherer Befehl von Wien gekommen, verw u bleiben. Selbſt die Leich⸗ name der todten Gegner ugs wollten die Verfolger. zum Opfer ihrer Wuth und Rachſucht machen.Ich werde ſie ſchrieb Piccolomini aus Mies den 27. Februar alr Ga⸗ rettoſogleich nach Prag ſenden, wo ſie an den ſchimpf⸗ lichſten Orten ausgeſetzt werden ſollen. Allein wunderbarer

Weiſe ſtimmte diesmal der ſonſt zu Allem bereite Kaiſer mit

dieſer Entehrung nicht überein, ſondern verfügte aus Wien am 6. März an Gallas:Die todten Körper belangend, haben wir des geweſenen von Friedland Freundſchaft, die⸗ ſelben, wo ſie wollen, in der Stille begraben zu laſſen, gnä⸗ digſt bewilligt; die andern aber, welche katholiſch gewefen, können zu Eger an geweihten Orten, die Unkatholiſchen aber in der Vorſtadt auf dem Kirchhof daſelbſt beſtattet, und der Neumann ſeiner ungehaltenen Zunge halber unter das daſelbſt vorhandene Halsgericht der Uebelthäter einbegraben werden.

Aber auch die Leiche Wallenſtein's fand noch nicht gleich:

die Ruhe in der heimiſchen Erde; ihre Erhebung aus dem

Mieſer Franziskanerkloſter, wo ihn Gallas hatte begraben laſſen, verzog ſich noch 2 Jahre und 4 Monate. Erſt im

Juni 1636 erfüllte ſich der Wittwe, der Herzogin Iſabella,

die Erlaubniß, die ſterblichen Ueberreſte ihres Gemahls in der von ihm erbauten Walditzer Karthauſe in der Nähe von Gitſchin beizuſetzen. Doch bald ward auch hier der heilige Schlaf geſtört; der ſchwediſche General Banner beging die Barbarei, 1639 Wallenſtein's Gruft öffnen zu laſſen und ſeinen Schädel und rechten Arm nach Schweden zu ſchicken. Die geheimnißvolle Verkettung ſeines Lebens mit Schweden ſollte noch über das Grab hinaus fortwähren und ſein Haupt vollends in Feindesland vermodern. Was von dem Leich⸗ nam des Herzogs in der Karthauſe von Walditz geblieben war, ſtand dort über hundert Jahre lang unbeachtet, dis Graf

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