Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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um den Schweden näher zu kommen, mit denen er ſich viel⸗ leicht vereinigen wollte. Gordon öffnete dem müden Feldherrn die Thore, und Euttler, der ihn begleitete, hatte bereits ſeine Helfershelfer zuſammengezogen und wartete hier auf den Moment, die That, die man von ihm wünſchte, zu thun. Man hatte nicht viel Zeit zu verlieren. Buttler beſchied Gordon, den Commandanten, und Les⸗ lie, den Oberſtlieutenant vom Terzkaſchen Regiment, zu ſich in ſein Quartier, das er wahrſcheinlich auf der Burg genom⸗ men hatte. Vorſichtig begann er ſie auszuforſchen, ließ ſich dann aber immer offener und freimüthiger aus, und endlich, nachdem ſie nach Soldatenbrauch etwas ſtark getrunken, re⸗ dete er ſie alſo an:Meine Brüder, ich komme unvermuthet hierher, ich ließ mir von dieſer unerwarteten Expedition nichts träumen, und möchte gern erfahren, was ihr davon denkt. Denn mir ſcheint es wunderbar, daß unſer Generaliſſimus, der ſonſten mit fünfzig oder etwas weniger Tauſenden ſich dem Feinde zu nähern gewohnt war, jetzt ſich ihm mit fünf⸗ bis ſechstauſend nähert. Als ſie nun antworteten, dieſe Neuigkeit ſehe ſehr ſtark einer Verrätherei gleich, ſagte Buttler:Dieſe Meinung hege ich ſchon lang, wir müſſen uns alſo berathen, wie wir unſere Ehre und die Treue, mit der wir Sr. Maje⸗ ſtät verpflichtet ſind, makellos bewahren. Wir ſind Aus⸗ länder, und haben kein anderes Erbgut, als Treue und Ehre, die allen Gütern vorzuziehen ſind. Nachdem er nun mehr⸗ mals vorgebracht, um ihre Gemüther zu dem Beſchluß zu ſtimmen, den er ſchon gefaßt, den er ihnen aber noch nicht eröffnete denn da ſie damals von anderer Religion(ſie wurden ſpäter katholiſch) und auch des Grafen Terzka Offi⸗ ciere, traute er ihnen nicht, rieth der Oberſtlieutenant Gordon zur Flucht, die leicht ſei, da er die Schlüſſel der Stadt habe. Buttler erwiderte, es ſei ſchmählich, zu ent fliehen, und die kaiſerlichen Soldaten und Fahnen zurückzu⸗ laſſen, damit ſie gegen den Kaiſer geführt würden; es ſei alſo auf ein anderes, ihnen mehr glorreiches und des Kaiſers Dienſt erſprießliches Mittel zu denken. Endlich brach der Oberſtlieutenannt Leslie mit viel Muth und Geiſtesfreiheit in folgende von Buttler eben ſo ſehnſüchtig erwartete, als her⸗ vorgerufene Worte aus:Tödten wir die Verräther! Hier⸗ auf ſagte der erheiterte Buttler:Steht mir bei, ihr Brüder, verpflichtet euch, uns das Geheimniß zu bewahren und unbe⸗ merkt einige meiner treuen Officiere und Soldaten in die Stadt zu laſſen. Die Ausführung nehme ich auf mich; in verzweifelter Lage hilft Gott auf unerwartete Weiſe. Oberſt Gordon wollte dieſem Beſchluſſe eine Weile nicht beitreten, endlich durch Buttler ermuthigt, ſtimmte er bei.

Trotz dieſes Berichtes des Vertrauten Buttler's iſt es uns nicht wahrſcheinlich, daß gleich in jener erſten nächtlichen Zu⸗ ſammenkunft der drei Mordgeſellen das ganze finſtere Werk, zu dem ſie ſich rüſteten, in allen ſeinen Einzelheiten beſtimmt und feſtgeſetzt worden iſt.

Um 11 Uhr Nachts war ein Courier von Prag einge⸗ troffen, und Wallenſtein gebot Leslie, das Thor zu öffnen und den Courier einzulaſſen. Er brachte eines jener Patente, die Gallas an alle Orte ausſchickte, um den Verfehmten über⸗ all hin zu verfolgen. So ward er denn auch hier wieder aus der Ruhe, die er ſchon gefunden zu haben glaubte, aufge⸗ ſchreckt. Der Groll ſeiner Seele konnte ſich nicht länger mehr zurückgehalten bergen; er mußte ſich ausſprechen, Luft machen; in bittern Klagen ergoß ſich gegen Leslie ſein ver⸗ wundetes Herz, und im ſteigenden Unmuth, in der ganzen

Novellen⸗Zeitung.

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des Gefühls der bedrängten Gegenwart, der Unſicherheit der allernächſten Zukunft, vergaß er Vorſicht und Klugheit, und was er ſelbſt vielleicht noch nicht ſeinen Vertrauteſten in dem Umfang dargelegt hatte, entrollte er nun Plan für Plan, Hoffnung für Hoffnung dem, der ſchon ſein Wort zu ſeinem Verderben gegeben hatte. Alles theilte er ihm mit, wie keine Zeit zu verlieren ſei, wie er dem Pfalzgrafen von Birken⸗ feld die Päſſe des Königreichs, Eger und Elbogen, einräu⸗, men wollte, Illo nach Kronach und Forchheim abfertigen werde um dieſe Plätze in ſeine Gewalt zu bringen, wie er einen Boten in dieſer Nacht ſchon von Herzog Bernhard von Wei⸗ mar bekommen habe, und dieſer baldigſt zu erwarten wäre, um ihn zu retten und zu befreien. Schweigend, Theilnahme heuchelnd, innerlich erſchreckt und beſtürzt, hörte ihn Leslie an;

in fliegender Haſt zu melden, was er ſoeben aus des Herzogs eigenem Munde gehört und was keinen Zweifel mehr zuließ.

Er oder ſie! Die Feinde konnten jeden Augenblick an den Thoren von Eger ſein, den Herzog ihnen entreißen, und dann waren ſie die Verlorenen. Buttler brauchte nicht mehr viel von des Kaiſers Gunſt und Gnade, Lohn und Ehre zu reden, auf ſeinen klar ausgeſprochenen Befehl und ſein Pa⸗ tent hinzuweiſen; ſeine Waffengefährten waren ihm zu Mord⸗ genoſſen geworden; und auf die gekreuzten Spitzen ihrer Degen ſchwuren alle Drei,den Herzog und ſeinen Anhang unver⸗ weilt anzugreifen, an die offen declarirten Verräther und Beleidiger der höchſten Majeſtät Hand anzulegen und ſie vom Leben zum Tode hinzurichten. Die Nacht des 24. Februar war bereits in die Morgenſtunden des 25. übergegangen, als die drei Verſchworenen zu dem furchtbaren Eid ſich verbun⸗ den hatten. Es blieb nun nur noch übrig, die Ausführung näher zu beſtimmen. Auch in dieſer ſcheint Buttler die Ehre der Erfindung beanſpruchen zu dürfen. Der Mordplan mußte alle Anhänger des Herzogs umfaſſen, durfte keinen ausſchließen; Illo, Terzka, Kinsky, Neumann mußten ſeine Begleiter im Tode werden, wie ſie es ſo treu und hin⸗ gebend im Leben waren. Daß die That nur mit Zuziehung Weniger, heimlich, hinterliſtig geſchehen müſſe, darüber waren ſie alle einig. Nicht als ob die Commandanten ihrer Truppen nicht ſicher gewefen wären, aber eine geheime, in ihrem ver⸗ finſterten Herzen noch übrige Scheu hielt ſie ab, offen Hand⸗ an den Feldherrn zu legen; die Stunde der Nacht, die Maske der Freundſchaft taugten beſſer zu ihrem blutigen Vorhaben. In der Freude des geſelligen Zuſammenſeins, in der Luſt des Gaſtmahls ſollten die dem Verderben Geweihten vom Leben Abſchied nehmen. Ein feſtlicher Faſchingſchmaus, ein Willkommsgelag gleichſam des Commandanten von Eger für die unter ſeinem Schutze Weilenden, ſollte den Herzog mit ſeinen Getreuen auf der Burg von Gordon vereinen und ſo in die Macht ihrer Feinde geben. Gordon ließ ſeine Ein⸗ ladung an die mit dem Todesmal von ihm Bezeichneten er⸗ gehen. Der Herzog ſchlug ſie aus. Ihm war es nicht feſtlich zu Muth, nicht um Gelag und laute Fröhlichkeit zu thun; ſeines Lebens wunderſam verſchlungener Lauf hatte eine viel zu plötzliche ernſte Wendung genommen, als daß ihm nicht ungeſtörte Stille, ſinnende Einſamkeit, ernſte Eintehr in ſich ſelbſten ſein höchſtes Wünſchen und Verlangen hätte ſein ſollen; jetzt, wo eine ganz neue Lebensepoche für ihn beginnen ſollte, eine inhaltsſchwere Zukunft an ihn herantrat, wollte er von der Gegenwart ſo viel als möglich unberührt mit ſich und ſeinen Gedanken abgeſchloſſen bleiben. Rückſichtlich

erſchütternden Gewalt der Erinnerung an die Vergangenheit,

ſeiner mußten alſo die Verſchwornen ihren Plan ändern;

er wußte genug; er eilt zurückzu Gordon und Buttler, um ihnen

Es war auch keine Zeit mehr für ſie zu verlieren; entweder

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