Vierte
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ette m Tante, die den Kampf in der Seele Cora's begriffen ugenblic 91 und raſch verziehen hatte, ihr Herz auszuſchütten. n eu Aber alle Verſuche von Seiten der Mutter und der pa Schweſter, den Doctor zur Milde und Verſöhnung untlannen zu bewegen, blieben fruchtlos. Andreas gab zu, daß dn, unverſät er Unrecht gethan habe und ſich ſelbſt einen Theil in dieſes de der Schuld zuſchreiben müſſe, aber dies entſchuldige nſelden Augen Lora nicht, die ihr Herz den Schmeicheleien Andrer neß, un ud nicht öffnen dürfe. Umſonſt bat auch der Rittmeiſter, düär defi an den Andreas ſich enger anſchloß, je näher er den uſt Con 1 gediegenen, wiſſenſchaftlich gebildeten Mann kennen ernte, vergebens rieth auch er, einen Schleier über Vergangenheit zu werfen und nicht ſo ſtreng in's Gericht zu gehn, der Doctor beharrte feſt bei ſeinem erſten Entſchluß, und das Verhältniß zwiſchen ihm und Cora geſtaltete ſich eher ſchroffer, denn milder.— So verſtrich der Winter, ſo verſtrichen Frühling und Sommer, die Beiden ſtanden einander ferner denn je, und dennoch glaubte Wilhelmine bemerkt zu haben, „Dann daß in der letzten Zeit das Auge des Bruders oft habe Dich un und mit inniger Theilnahme auf Cora ruhte. Daß Cora ihren früheren Verlobten noch immer liebte tanden?“ wer vielleicht heißer denn je, wußte Andreas eben ſo gut den Beiſtan wie ſeine Angehörigen; hatte Cora doch oft geſagt, daß ſie ſich danach ſehe, durch verdoppelte Liebe das begangene Unrecht wieder gut machen zu können. Aber auch dieſer Beweis einer unveränderten Geſinnung ſieß den jungen Mann, wenigſtens ſcheinbar, kalt, und die Medicinalräthin wie Wilhelmine hatten die Hoffnung, daß das frühere Verhältniß wiederkehren
werde, ganz aufgegeben.
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Ielmine ihr bewahren.“
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ger,“ verſetzte—— Len in i. Wieder wurde im Herbſt das Geburtsfeſt Cora's
n ſud guf gefeiert; wie ſo ganz anders war es im Vergleich zu dem vorjährigen! Andreas erſchien zum Frühſtück nicht; wie im vorigen Jahre, hatte er auch heute unter dem Vorwande, einen Patienten beſuchen zu müſſen, das Haus ſchon früh verlaſſen, und die Medicinal⸗ räͤthin konnte ihm deshalb nicht zürnen, ſie fühlte, wie bitter die Erinnerung war, die ſich dem Sohne an dieſem Morgen aufdrängen mußte. Sie erwartete nicht, daß er vor Tiſch ſich einfinden würde, und er⸗ ſtaunte daher um ſo mehr, als er gleich nach dem Frühſtück eintrat. In ſeinem Antlitz ſpiegelte ſich eine heitere Ruhe, die Ruhe einer Seele, die nach Sturm und Kampf endlich Frieden gefunden hat. Er bot der Mutter und Schweſter den Morgengruß und ergriff dann die Hand des vor innerer Erregung be⸗ benden Mädchens.„Hier iſt mein Geſchenk,“ ſagte a, indem er ihr das Käſtchen überreichte, welches den Perlenſchmuck enthielt, den Cora an jenem Ballabend berloren hatte.„Wie ich damals mit dieſem Schmuck nein Herz Dir anbot, ſo gebe ich Dir auch heute
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bedenklich das en Morgen die blte; in ſeinen de Annäherung der Treuloſel iner Liebe ge⸗
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beides zurück. Daß ich Dir aber das alte Geſchenk bringe und nicht ein neues, ſei Dir ein Zeichen, daß ich das vergangene Jahr aus meinem Gedächtniß ge⸗ tilgt habe und keine Erinnerung an daſſelbe in mei⸗ nem Herzen zurückgeblieben iſt.“
Wenn eine große Freude plötzlich und unerwartet kommt, ſo bleibt das Herz ſtumm und ſtill, bis der erſte Sturm verrauſcht iſt und die wild bewegten Wo⸗ gen ſich gelegt haben, dann erſt findet es Worte und Thränen, in die es ſeine Gefühle ausſtrömen laſſen kann. So hatte auch Cora im erſten Augenblick keine Worte für die unſägliche Freude, die ſo plötzlich auf ſie einſtürmte, ſie ſah dem Geliebten ſchweigend in's ſeelenvolle Auge und legte ihr Köpfchen an ſeine Bruſt, um die gewaltſam hervorſtürzenden Thränen ungehindert rinnen zu laſſen.
Zwei Monate ſpäter ward in dem Hauſe der Me⸗ dicinalräthin eine Doppelhochzeit gefeiert. Wilbelmine hatte den Tag ihrer Hochzeit ſtets hinausgeſchoben, weil ſie die Hoffnung, daß dieſer Tag auch der Ehrentag Co⸗ ra's ſein werde, nie ganz aufgeben konnte, und der Ritt⸗ meiſter fügte ſich dem Wunſche ſeiner Braut, ſo lange nur noch ein Schimmer jener Hoffnung blieb. Als die Ceremonie der Trauung beendet war und die Gäſte an der reich beſetzten Tafel Platz nahmen, zog Andreas den Rittmeiſter in eine Fenſterniſche.„Vor einer Stunde fiel mir die heutige Nummer unſrer Zeitung in die Hände,“ hob er an, indem er dem Schwager ein Zeitungsblatt überreichte,„ſie bringt eine Nach⸗ richt, die uns Beide mehr oder minder berührt; hier lies den Artikel ſelbſt.“
Der Rittmeiſter entfaltete das Blatt und las: D., den 16. December. Heute Morgen hat ſich ein erſchütternder Vorfall hier zugetragen. Der Baron Emil von Siewers, einziger Sohn des Freiherrn von Siewers, wurde auf dem Wege zur Kirche, wo die Braut ſeiner am Altar harrte, von ruchloſer Hand erſchoſſen. Die Kugel traf das Herz, ſo daß der Un⸗ glückliche augenblicklich todt niederfiel. Der Mörder, ein junger Menſch aus F., ließ ſich ohne Widerſtand verhaften; wie man hört, ſoll Rache das Motiv die⸗ ſer entſetzlichen That ſein.—„Der Himmel verzeihe ihm und dem Mörder!“ ſagte der Rittmeiſter, indem er das Blatt zurückgab.
„Und gebe dem Vater, der ſein einziges Kind auf eine ſo ſchreckliche Weiſe verlieren mußte, Troſt,“ ergänzte Andreas.„Ich hege keinen Groll mehr gegen den Todten.“


