Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
526
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that ich es mit dem Bewußtſein, daß ſich die deutſche Leſerwelt nicht nur lebhaft für dieſen ihr ziemlich neuen Gegenſtand intereſſirt, ſondern auch gegenwärtig durch manche geiſtige Vermittler feſſelnden Stoff ruſ⸗ ſiſcher Production genug empfängt.

Solche Beſtrebungen werden auch als eine mit inbegriffene Culturaufklärung von der trefflichen ruſ⸗ ſiſchen Revue Wilhelm Wolfſohn's verfolgt, und in dem reichen Inhalt des neuen dritten und vierten Heftes werden Sie durch poetiſche ruſſiſche Produc⸗ tionen und literariſche Objecte manche beweiſende Be⸗ lege zu dem von mir Geſagten finden. Dazu gehört der Sittendarſteller Stſchedrin, der Don Juan von A. Tolſtoy, Gogol'sReviſor und Turgenew'sMemu.

Mit dem Stoff wächſt auch die lebendige Theil nahme, welche unſer Publicum dieſer Zeitſchrift zur Kunde des geiſtigen Lebens in Rußland ſchenkt und mit vollem Recht einem Autor ſchenken kann, der wie Wilhelm Wolfſohn in allen ſeinen literariſchen Unter⸗ nehmungen die höchſten und edelſten Principien offen⸗ bart: nämlich vollkommene Austragung ſeiner indivi⸗ duellen Kraft, Hebung des allgemeinen Geſchmacks durch gewiſſenhafte Schulung des eigenen und Ver⸗ mittlung zwiſchen ſittlicher Nothwendigkeit und huma niſtiſcher Freiheit. Wer ſich einen ſo ernſten Rahmen, eine ſo würdige eingreifende Tendenz für ſein Ge⸗ mälde wählt, wird auch in den Mitteln der Ausfüh⸗

Novellen⸗Zeitung.

rung ſtylvoll und in ſeiner Geſammterſcheinung har⸗ euſes Es iſt Pflicht, dieſes Streben Wolf⸗*

moniſch ſein. ſohn nachzurühmen.

Erlauben Sie, daß ich, von dieſem Gegenſtand zu etwas Kleinerem hinabſteigend, meinen vorhergehenden allgemeinen Bemerkungen noch ein Exempel hinzufüge. Ich meine eine Novelle von Wonliarliarſki,die große Dame. Der Verfaſſer iſt etwa vor zehn Jahren ge⸗ ſtorben und erwarb ſich Ruf und Beliebtheit in ſeinem Vaterlande. Beide waren wohlbegründet, denn indem er uns hier die Schickſale eines redlichen Charakters erzählt, der durch den Uebermuth einer ruſſiſchen Sa⸗ lonkokette aus den höchſten Ständen an gebrochenem Herzen zu Grunde geht, thut er es mit einer großen realiſtiſchen Natürlichkeit, die Humor und das Ver⸗ dienſt hat, für lauter geiſtig unbedeutende Perſonen ein wirkliches Intereſſe einzuflößen. Auch hier aber finden wir einen großen Geſchmacksmangel, der den Verfaſſer, einen disharmoniſchen tragiſchen Schluß finden läßt, wo nur ein ruhiger in der Logik der Pſychologie und in der poetiſchen Gerechtigkeit liegt. Das Erzählertalent aber iſt ungemein anziehend und trägt als Tropfen am Eimer mit dazu bei, uns ge⸗ ſpannt zu machen auf den dereinſtigen Gang ruſſiſcher Dichtkunſt, die durch den reich organiſirten Genius

ihrer Sprache zu außerordentlichen Erfolgen berufen ſcheint.

Eine unbekannte Induſtrie.

Es iſt unglaublich, in welcher Ausdehnung manche In⸗ duſtrie betrieben wird, von der viele Menſchen keinen Begriff haben. Dafür liefert namentlich der Handel mit alten Klei⸗ dern, Treſſen ꝛc. einen ſprechenden Beweis, und Leon Gozlan ſagt darüber in einem Artikel, den wir unſern Leſern hier im Auszuge wiedergeben, ungefähr Folgendes:

Wer in Paris ſeine abgetragenen Kleider ſelbſt verkauft oder durch ſeine Diener verkaufen läßt, glaubt zu wiſſen, daß alle dieſe Gegenſtände nach dem Tempel wandern, um dvort gereinigt, ausgebeſſert, aufgeputzt, herausſtaffirt, gewaſchen, getrocknet, gefärbt zu werden, um dann die Freude und das Glück der neuen Erwerber zu bilden, welche ſo die unbekann⸗ ten Erben der früheren Beſitzer ſind. Doch dies iſt nur die Hälfte der Beſtimmung jener abgelegten alten Sachen, Klei⸗ der, Hüte beider Geſchlechter, kurz der alten alten Dinge. Die Beſtimmung der andern Hälfte iſt folgende:

Kühne, wenig bekannte, aber ſehr induſtriöſe Unterneh⸗ mer ſammeln durch ganz Paris dieſe allgemeinen Ueberbleib⸗ ſel und ſenden ſie nach fernen Gegenden, welche deren Geburt

Jeuilleton.

nicht erblickten. Wir können uns hier ohne Metapher aus⸗ drücken. Wir wollen nämlich ſagen und ſagen auch wirklich, daß ganze Schiffsladungen von Havre aus alle dieſe Dinge nach den drei Indien, den beiden Amerikas und tauſend andern Orten tragen.

Aber wohin gehen beſonders die eleganten, komiſchen, halb neuen, halb alten Sachen von Tuch, Seide, Sammt, Leinewand, Damaſt, Baumwolle, die weiß, grün, gelb, grau, ſchwarz ſind, und welche der nanmann, der Bürger, der Spieler, die große Dame, die Lorette, die Herzogin und die Köchin getragen haben? Wir wollen dies unſern Leſern er⸗ zählen. 4

Die gewöhnlichen Röcke, die ohne beſondere Abzeichen

und oft ſogar ohne Kragen zwiſchen ihrer erſten und zweiten Verkörperung, kurz die bürgerlichen Röcke werden nach Nord⸗ amerika expedirt und dort den Elſaſſern und deutſchen Ein⸗ wanderern verkauft, die ſich glücklich fühlen, einige Fetzen europäiſcher Kleiduligsſtücke wiederzufinden. Für ſie liegt darin ſowohl eine Erſparniß, als Befriedigung eines zarten Gefühles, wenn ſie die von jenſeit des Meeres kommenden

Paletots erwerben, unter denen ſie ihr Herz erweitern können, en

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