Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
527
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Vierte

ſcheinung bar nenn ſie nur die Vorſicht gebrauchen, die Arme nicht zu weit Streben Wol uszuſtrecken. Alſo, wie geſagt, die bürgerlichen Kleidungs⸗ ücke haben ihre Hauptdeſimmung nach Nordamerika. Gegenſtand; Nach Südamerika dagegen gehen die alten Militäruni⸗ orhergel wirmen und zwar beſonders nach dem Golfe von Mexico. 8 5 henda gne kriegeriſchen Stämme, welche binnen 48 Stunden und pe hinzufüg iſſt ſogar binnen noch kürzerer Zeit Reiche bilden und ſtürzen, ſad begierig nach geſtickten Aufſchlägen, Kragen, Paspels, nuch Sternen und Treſſen, und da ſie mehr Ruhm als Schnei⸗ Ioder beſitzen, kleiden ſie ſich von unſeren Abfällen. Selbſt d ſeiner braſilien verſchmäht uns in dieſer Beziehung nicht. Der jdenn inden krühmte General Amoagos gewann alle ſeine Grade aus ben Charatten dem Tempel. ruſſiſchen Sa Bezahlt werden dieſe Dinge entweder in Piaſtern oder n gebrochenen Huadrupeln, je nach dem Lande. tei Die alten Kleider der Geiſtlichen gehen ebenfalls in ner großan anzen Ladungen nach Südamerika, wo man ſelten eine Fa⸗

und das Ver nilie findet, die unter ihren Mitgliedern nicht wenigſtens cende Perſone inen Prieſter zählt. Die reichern Kleider dieſer Art werden luch hier aba den Provinzen Peru und Chili abgeſetzt. 1 angel, der den Alle alten Hüte, und die Zahl derſelben iſt wahrhaftig Vi, der der ſchr groß, ſeitdem ſie ſo kurze Zeit neu bleiben, werden nach giſchen Schlu 3t. Domingo expedirt. Die Schwarzen ſind außerordentlich der Logik de zegierig nach den europäiſchen Hüten. Sie tragen dieſelben echtigkeit lieg. nit einer Unabhängigkeit des Geſchmacks, welche ſie im höchſten 2 Grade nachſichtig gegen alle Extravaganzen der Form macht. Von den Sitten der Franzoſen, die ſie verjagten, haben ſie bei⸗ uns e ichts behalten, als den Hut, deſſen ſie ſich aber nicht immer zang ruſſiſche mit derſelben Höflichkeit bedienen, wie ihre ehemaligen Her⸗ firten Gening ien; doch das wird ſchon noch nachkommen. folgen berufe Was Schuhwerk betrifft, verſteht ſich altes, ſo ſchlägt jies den Weg nach Californien und Auſtralien ein. Zu bielen tauſend Paaren wird es nach dieſen goldreichen Ge⸗ genden geſendet, wo die Millionäre, wie es ſcheint, ſehr arm un Fußbekleidung ſind, während dagegen auf dieſer Halbkugel der Erde die, welche keine ſonderliche Fußbekleidung beſitzen, im Allgemeinen nicht für Millionäre gelten.

Alte Hemden haben keinen beſtimmten Abſatzweg.

Alte Halsbinden haben gar keinen; gleich dem Epheu, deſſen Embleme ſie ſind, ſterben ſie da, wo ſie ſich einmal ungeſchmiegt haben.

Aber Frauenkleider, beſonders die, welche die eleganten Pariſerinen getragen haben, ſind außerordentlich beliebt in dindoſtan; obwohl dergleichen Kleider gewöhnlich erſt drei is vier Jahre nach der Zeit getragen werden, zu welcher ſie in Paris das Licht der Welt erblickten, macht man ſich die⸗ ſelben dennoch nicht minder bei ihrer Ankunft in Madras

dder Calcutta ſtreitig, und die Frauen der zahlreichen geringe⸗

komiſchen, 6.. anten, ut, ven Beamten ſind begierig nach dieſen Modeartikeln. Welch Seide, nai in ſchöner Austauſch: Calcutta ſchickt uns ſeine alten Caſche⸗ rün, gel, Ne mire, und wir ſchicken dafür Calcutta alte Kleider! Beide dr Bülger, n Theile finden ſich dabei befriedigt. Seitdem die Welt Welt hetzogin un 4 iſt, nennt man dergleichen:etwas Neues. O Du neue eſern Leſern Pelt, wie alt biſt Du! O Du alte Welt, wie neu

b iche biſt Du! ndere dhhe 1 Jamaika und die Philippiniſchen Inſeln verbrauchen iſten und zu⸗

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aus. Columbia nimmt alle alten Fächer ab, die es in richti⸗ gem Maßſtabe zu der ungeheuren Hitze verbraucht, an der

Folge. 527 es leidet; dadurch wird es erklärlich, daß die eleganten Damen, welche 30 und 40 Fächer während des Sommers gekauft haben und dieſe, wie man ſo häufig ſieht, Abends, wenn ſie nach Hauſe zurückkehren, bald an dieſen, bald an jenen Ort, auf Tiſche, Stühle, Kanapees hinwerfen, das nächſte Jahr nicht einen davon wiederfinden können.Wo ſind meine Fächer? fragen ſie oft, und die Antwort könnte heißen:In Columbia. a.

Baron von Stockmar.

Dieſer am 9. Juli c. in Coburg in ſeinem 77ſten Le⸗ bensjahr verſtorbene Mann, der ſeinem angeſtammten Für⸗ ſtenhauſe während eines langen Lebens ſeine treuen Dienſte widmete und der im Stillen auf den Gang der Politik einen größern und wohlthätigern Einfluß ausübte als mancher viel⸗ genannte Diplomat, verdient als ein Ehrenmann, der ſich ſeiner deutſchen Abkunft würdig bewies und Deutſchland zur Ehre gereichte, in deutſchen Blättern um ſo mehr einen ehren⸗ den Nachruf, da ſelbſt dieTimes dem langjährigen und erprobten Rathgeber der Königin Victoria einen ſolchen wid⸗ mete.

Baron von Stockmar wurde im Auguſt 1786 in Co⸗ burg als der Sohn eines dortigen Juſtizbeamten geboren, widmete ſich anfangs dem Studium der Medicin und machte 1814 und 1815 als Militärarzt die Feldzüge mit, in denen ihm die Leitung großer Militärlazarethe anvertraut wurde. Er trat ſehr bald zu dem Prinzen Leopold von Coburg, idem jetzigen König von Belgien, in nahe Beziehung; Geiſt, Talent und Charakter machten ihn zum geſchätzten und befreundeten Rathgeber Leopold's, und nach des Prinzen Reiſe nach Eng⸗ land, auf welcher er den zu ſeinem Leibarzt ernanntzn Baron von Stockmar zu ſeinem Begleiter hatte, gewann der Ein⸗ fluß des Letztern durch die Beziehungen, welche er dort an⸗ knüpfte, ſehr an Bedeutung. Die Prinzeſſin Charlotte be⸗ ſtimmte ihn, ſich dem Studium der Diplomatie zu widmen; er trat in ſehr nahe Beziehungen zu der Herzogin von Kent, die bekanntlich eine Schweſter des Prinzen Leopold war, und hatte einen ſehr großen Einfluß auf die Erziehung der jetzi⸗ gen Königin Victoria von Großbritannien. In den Unter⸗ handlungen, welche dem Prinzen Leopold die belgiſche Krone Krone verſchafften, entwickelte er eine beſondere Thätigkeit. Sein beſtändiger Verkehr mit den hervorragendſten engliſchen Staatsmännern v. Stockmar lebte ſehr lange Zeit und mit nur zuweiligen ſehr kurzen Unterbrechungen in England, die große Wichtigkeit, welche die Königin Victoria und die Mitglieder des herzoglich Coburgiſchen Hauſes ſeinen ver⸗ traulichen Rathſchlägen beilegten, erhoben den ausgezeichneten Mann zu einer Bedeutung, welche augenblicklich noch kaum in ihrem ganzen Umfange zu ermeſſen iſt. Der Sohn des Verewigten, Baron Ernſt von Stockmar, iſt Königlicher Kam⸗ merherr und Secretär des Kronprinzen von Preußen.

Der erwähnte ehrenvolle Nachruf, den dieTimes dem Verewigten widmet, lautet:

Geſtern meldete eine telegraphiſche Depeſche den in Coburg erfolgten Tod des in ſeinem 77. Lebensjahr ſtehenden Baron von Stockmar, des früheſten und ergebenſten Freun⸗ des Ihrer Majeſtät der Königin.

Baron Stockmar war ein ſehr treuer Begleiter und Gefährte des Prinzen Leopold von Sachſen⸗Coburg bereits vor deſſen Vermählung mit Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzeſſin Charlotte geweſen, und als der Prinz in England

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