Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
525
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Alle Leiſtungen der ruſſiſchen Literatur mit faſt gar keinen Ausnahmen ſind derartige Skizzen. Man darf wetten, daß ihre Ausführung ihren kecken Vor⸗ ſätzen nicht nachgekommen wäre, aber ſchon daß ſie dieſe guten Vorſätze haben und diejenigen frappanten Pinſelſtriche zu machen im Stande ſind, welche eine geiſtreiche Intention andeuten, iſt ehrenvoll und ver⸗ dienſtlich genug. Ehe eine ſpätere ruſſiſche Literatur⸗ entfaltung das mögliche Wie der Ausführung erwieſen hat, muß ſich der Leſer mit der Anregung begnügen, ſich das Skelet der Grundlinien vermöge ſeiner eige⸗ nen Phantaſie mit Form und Farbe, mit Fleiſch und Leben, kurz mit organiſchem Zuſammenwuchs des Gan⸗ zen zu bekleiden.

Die Ruſſen nehmen in ihrer Literatur natürlich einen ganz anderen Verlauf, als diejenigen wirklichen Culturvölker genommen haben, welche ſo ziemlich gleich⸗ mäßig neben einander in Europa, ſich auf die antike Bildung ſtützend, ihre Dichtung emporbildeten; die Ruſſen, die ſlaviſchen Stämme überhaupt ſind in noch viel höherem Grade, als z. B. die Dänen und Nie⸗ derländer, welche wenigſtens immer allgemeine Cultur heſaßen, literariſche Nachzügler und Autodidakten. Sie gehen nicht ſtufenweis aufwärts, entfalten ſich nicht organiſch, ſondern ſie ſchreiten in Sprüngen vor⸗ wärts oder bewegen ſich doch wenigſtens in denſelben, abgeſehen von dem Ziel, welches ſie dabei erreichen. Ohne Unterbau kann es ihnen nicht möglich ſein die

virklichen elaſſiſchen Kunſtformen der Lyrik, des Epos, des Dramas ſich als eine feſte Norm national zu ge⸗ ſtalten. Im Gegentheil, ſie greifen, ſich an Fremd⸗ urtiges anlehnend, in allen möglichen Genren heraus, was ihnen gerade einfällt, und fangen in Summa da un, wo andere aufgehört oder ſtehen geblieben ſind: beim Roman, bei der Novelle und bei der culturhiſto⸗ tiſchen, ethnographiſchen, memoirenhaften Social⸗Li⸗ ſeratur. Dabei iſt die ganze Welt ihr beliebiger Leh⸗ ter, Keiner aber ihr Meiſter, denn wer nicht Schritt halten will, kann ſich keinem wirklichen Unterricht anſchließen, nicht einmal dem der Tanzkunſt.

Mit ungeheurem, in der ſlaviſchen Naturanlage begründeten Nachahmungstrieb bemächtigen ſie ſich nach Laune, und an ihr ſind ſie reich wie immer der erziehungsloſe Dilettantismus, aller möglicher For⸗ men und bringen ſie zu einer markirten Wirkung. Da ſie dabei nach der Fremde blicken und mit dem Firniß arbeiten, den man aus Paris, London oder wich zur Noth aus Deutſchland verſchreibt; ja, da endlich die Mode ihr Princip und der Wanderzug s Zufalls ihr Führer, ihr ſiegreicher Timurlenk iſt: ſo ſind ſie leider aufs Natürlichſte am heimiſchen Heerd nicht gekommen.

Folge. 525

Dies wäre das Gebiet der Lyrik, in welchen ich ihre Productionen ſehr ſchwach und kaum ney ms werth finde, weil ſie krank, manierirt, verkünſtelt, mit einem Wort nicht ruſſiſch, ſondern ausländiſch ſind: bald Lord Byron, bald Heine, bald Beranger, ſelten aber ihr eigenes Ich.

Und doch, welche prachtvolle und unerſchöpfliche Grundla ge, welche nationalen Schätze, welche Studien ſtehen ihnen zu Gebote! haben ein Volk um ſich, welches nicht blos ſang, ſondern noch ſingt, und die Lieder dieſes Volkes erwarten erſt den Poeten, der in ihrem Geiſte mit Hinzuthun der echten Kunſt⸗ form, der gebildeten Betrachtung auf ſo ſchoͤnem Ur⸗ boden des lyriſchen Gemüthes, weiter ſchafft. Dazu gehört freilich, was nur die wahre geiſtige Reife, die echte Begeiſterung für einfache Schönheit zu bieten vermag.

Viel anziehender muß einer Halbeultur das bunte Feld, das romantiſche Terrain der modernen Novelle ſein, wo der Producent ſich in den lockerſten Formen bewegen, wo er ohne Sattel auf hunniſche Weiſe über Stock und Stein ſprengen und die eingekaufte Nahrung der Intelligenz ſchon als geiſtige Speiſe feilbieten kann, wenn er ſie kaum reitergar gerit⸗ ten hat.

Man würde aber irren, aus dieſem Vergleich einen Schluß auf die ruſſiſche Novelle zu ziehen. Im Gegentheil bringen die Ruſſen große ſehr bildungs⸗ fähige Eigenſchaften mit. Vor Allem das Talent für eine glänzende Schilderung der Handlung der gegen⸗ ſtändlichen Welt und beſonders der Natur. Hierfür haben ſie ihre lyriſch-elegiſche Kraft in Proſa aufge⸗ löſt. Eine andere aber zeigt ſich daneben: eine ſcharfe Beobachtung des geſellſchaftlichen Lebens bis in feine Details hinein und ein Vermögen zur Charakterzeich⸗ nung, das durch Wahrheit überraſchend iſt und groß wirken müßte, wenn es ſich nicht geſtaltlos und un⸗ plaſtiſch in einer Analyſe der Motivirung zerſetzend verlöre.

Sie verſtehen die anmuthig divinatoriſche Kunſt noch nicht, unſer Auge durch Gewand und Buſen hin⸗ durch in das Innere des Herzens blicken zu laſſen; ſie nehmen das Herz heraus und zerſchneiden es vor unſern Blicken in ihrem anatomiſchen Studenteneifer, unbekümmert um das friſche Weiterleben der unäſthe⸗ tiſch gemißhandelten Perſon. Die Abgewöͤhnung die⸗ ſes raffinirten Verfahrens, das ſich beſonders in der ſpeciellen Peinlichkeit eines muſiviſchen Dialogs zeigt, kann künftighin nur ein Act des gereinigten Ge⸗ ſchmacks ſein.

Wenn ich Ihnen hier fragmentariſche Hindeutun⸗ gen über ruſſiſche Literatur zu geben verſuchte, ſo

Sie