Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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dabei die Aeußerung fallen, daß dieſer Vorfall das richtigkeit der Liebe Cora's ſo felſenfeſt überzeugt, Glück der künftigen Ehe ſehr in Frage ſtelle und es V daß nichts dieſes Vertrauen erſchüttern konnte. ihr faſt ſcheinen wolle, als ob ihr Charakter mit dem ſes Vertrauen machte ihn völlig blind, er

ihres Bräutigams nicht übereinſtimme.

Andreas ſuchte das aufgeregte Mädchen zu be⸗ dem Freunde allmählich ſich entſpann, eben ſo ruhigen, was ihm aber nur zur Hälfte gelang, ſelbſt bemerkte er die verſtohlenen Blicke, welche Beide oft die Medicinalräthin, deren Wort Cora ſtets folgte, in ſeiner Gegenwart miteinander wechſelten. Wilhel⸗

vermochte nicht den Sturm ganz zu beſchwichtigen.

Eben wollte die kleine Familie ſich trennen, um weder die Medicinalräthin noch Andreas achteten ihrer,

ſich zur Ruhe zu begeben, als Cora plötzlich die Ent⸗ deckung machte, daß ſie den Perlenſchmuck, das Ge⸗ ſchenk ihres Bräutigams, auf dem Balle verloren

hatte.

Ich hab's ja geſagt, Perlen bedeuten Thränen, denn Cora hatte bereits im Herzen den Treueſchwur waren die erſten Worte der Medicinalräthin, als der gebrochen. Der Baron hatte es vortrefflich verſtanden,

Verluſt bemerkt wurde,den erſten Beweis für die Wahrheit meiner Behauptnng habt Ihr jetzt er⸗ halten.

Ich bitte Dich, verſchone mich jetzt mit Deinen dahin, Cora durch einen ſteten Taumel von Vergnü⸗ Behauptungen und Prophezeiungen, fiel Andreas ihr gungen von ernſtlichem Nachdenken abzuhalten, und in's Wort.Schlimm genug, daß der Zufall hier in's dies fiel ihm nicht ſchwer. Eine Erklärung zwiſchen Mittel tritt, um Dir eine Genugthuung zu verſchaf⸗ den Beiden hatte noch nicht ſtattgefunden, doch ſtand

fen, die uns Aerger und Verluſt bringt.

Cora konnte ſich nicht entſinnen, ob ſie den Per⸗ lenſchmuck im Saale ſelbſt, oder auf dem Weg zum Wagen verloren hatte. Zur Wiedererlangung deſſel⸗ ben war wenig Hoffnung vorhanden. Mit dem Ver⸗ ſprechen, am nächſten Morgen Erkundigungen ein⸗ ziehen und den Verluſt durch die Zeitungen bekann machen zu wollen, verließ der Doctor das Zimmer und ſchritt in ſein Schlafgemach, wo er noch lange über die Ereigniſſe des Abends nachdenken mußte, bevor er die erſehnte Ruhe fand.

4.

Ein Vierteljahr war ſeit jenem Balle verſtrichen, und nichts hatte in den äußeren Verhältniſſen der kleinen Familie während dieſer Zeit ſich geändert. Der Baron von Siewers wohnte noch immer in dem Hauſe der Medicinalräthin, in deren Familie er ge⸗ wiſſermaßen die Hauptperſon war. Kein Feſt wurde gefeiert, keine Schlittenfahrt oder Landpartie arran⸗ girt, zu der er nicht in Begleitung der beiden Mäd⸗ chen erſchien, während der Doctor ſich von all dieſen Vergnügungen fern hielt. Andreas vertraute dem Freunde trotz der wiederholten Warnungen Wilhel⸗ mine's, ja, er war ſogar ſtolz darauf, wenn ſe ine ſchöne ſtrahlende Braut am Arme des ſchmucken Officiers über die Straße ſchritt und die Leute hier und da ſtehen blieben, um dem Paare nachzuſchauen. Daß dies zu mancherlei Gerüchten Veranlaſſung geben mußte, hatte er nicht bedacht; was kümmerte ihn über⸗ haupt das Gerede der Leute? er war von der Auf⸗

Novellen⸗Zeitung. ¼ 1 1Waner S u 4 5 mdient 1. an, 8 an find die Vertraulichkeit, welche zwiſchen ſeiner un dladb ret 5 n demi mine ſah tiefer, ihre Warnungen verhallten ungehört a . 9 7L an m . dee. dri J und Cora lächelte ſpöttiſch, wenn die Freundin ſie za, auf die Gefahr aufmerkſam machte, welche ihr in dem dah ſteten Beiſammenſein mit dem Baron drohte. Eine v ſolche Gefahr war in der That nicht mehr vorhanden, mic inem .; ſellen das Herz des Mädchens zu gewinnen und das Bild de des einſt ſo heiß geliebten Bräutigams aus demſelben* zu verdrängen, ſein einziges Beſtreben ging jetzt nur hn bllz ntw onne ſie täglich zu erwarten, und dieſer mußte ein Bruch uc mit der ganzen Vergangenheit folgen. Dies Alles Blh blieb auffallender Weiſe den Blicken des DoctorsDißſ

und der Medicinalräthin verborgen, ſelbſt Wilhelmine

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ahnte micht, daß ihre Beſorgniß ſo bald ſchon ſich niſtie erfüllen könne. lun Der Perlenſchmuck hatte ſich, trotz mehrmaliger offn Anzeige in den Zeitungen und der Mühe, welche Srün Andreas ſich gab, nicht wiedergefunden, er war ſpurlos und verſchwunden, und man konnte nur vermuthen, daß dih der Finder, den Werth deſſelben kennend, ihn im Aus⸗ ſäha lande bereits verkauft habe oder ihn ſo lange zu ver⸗ a8 bergen gedenke, bis nach Jahr und Tag ſich einmal Ad eine günſtige Gelegenheit zum Verkauf böte. Auf Se dieſe Vermuthung bauend, hatte man ſich in den Ver⸗ nuü luſt gefunden und gedachte nur ſelten noch einmal it des Schmucks, für welchen Cora keinen Erſatz ver⸗ ban langte. Um ſo größer war die Freude und das das Erſtaunen, als eines Morgens ein Huſarenofficier mit ſim Wilhelmine zu reden wünſchte und dieſer den verlo⸗ kene renen, faſt vergeſſenen Schmuck zurückbrachte. Er JIhne habe denſelben an jenem Ballabende auf dem Heim⸗ velch wege vor dem Portale gefunden, Tags darauf aber do eine längere Reiſe angetreten, von der er erſt geſtern zurückgekehrt ſei, ſagte er. Wilhelmine konnte dieſe da Entſchuldigung nicht gelten laſſen. Weshalb hatte lbe der Rittmeiſter nicht, den Schmuck dem Oekonomen im ung er

Caſino oder einer obrigkeitlichen Perſon zur einſtwei⸗ s

ligen Aufbewahrung und Auslieferung an den Eigen⸗ Sch

thümer übergeben, bevor er ſeine Reiſe antrat? Sit 11