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Vierte Folge.
Novellen-Zeitung.
Der Perlenſchmuck.
Novelle von Ewald Auguſt König. (Portſetzung.) 3.
Der Ball, welchen die Stadt ihren Gäſten gab, erfreute ſich, wie dies zu erwarten ſtand, von Seiten der Bürger einer lebhaften Theilnahme, ſo daß die Officiere erſtaunten, als ſie den Damenflor bemerkten,
derr die feſtlich geſchmückten Räume füllte. Auch die
Frübling gebiert,
Spur;
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Medicinalräthin hatte ſich, von ihren Kindern beglei⸗ tet, eingefunden, und ein Gemurmel der Bewunderung durchlief den Saal, als Cora, die in der ſcmac ollen Balltoilette in blendendem Glanz ihrer Schön⸗ heit ſtrahlte, am Arme des ſchmucken Officiers eintrat. Der Doctor hatte verſprochen, ſpäter nachzukommen, ſeine Pflicht feſſelte ihn an das Lager eines ſchwer erkrankten Patienten.
Die boshaften Zungen, die damals bei Gelegen⸗ heit der Verlobung laut geworden waren, fanden jetzt neue Gelegenheit, Gift und Galle über die nichts ahnende Braut auszugießen.„Nicht genug,“ ſagten ſie,„daß das Mädchen durch Koketterie und Gott weiß welche andere Künſte dem Doctor den Kopf ver⸗ dreht hat, hängt es ſich jetzt auch an den ſchönen Officier des Huſarenregiments, und warum? Weil
ſie ihn keiner Anderen gönnt. Iſt es nicht unerlaubt,
daß er nur allein mit ihr tanzt? Gebietet ihm nicht die unumgänglichſte Regel der Höflichkeit auch unſern Töchtern Berückſichtigung zu ſchenken?“— Es konnte nicht ausbleiben, daß dem einen oder andern der Officiere einige dieſer gehäſſigen Worte zu Ohren kamen. Sie fühlten den Grund, der zu dieſem Ge⸗ rede Veranlaſſung gab; ein Blick auf das ſchöne, glühende Mädchen, welches am Arme des Barons durch den Saal ſchwebte, mußte ſie belehren, daß Neid und Bosheit ſich hier die Hände reichten. Das Herz liebt es ja, in menſchlicher Bosheit den Grund
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ſeines Zornes zu ſuchen, nicht will es ſich geduldig und ſchweigend dem eiſernen Willen des unerbittlichen Schickſals fügen. Bald ſah Cora ſich in einem Kreiſe von Officieren, die ſich in gewählten Artigkeiten, da⸗ neben auch in den fadeſten Schmeicheleien ergingen, zum nicht geringen Aerger der übrigen Damen, welche der Huldigung der Ballkönigin ſchweigend zuſchauen mußten. Cora fühlte ſich in dieſem Kreiſe nichts weniger als behaglich, ſie fand an den Fadaiſen und Schmeicheleien keinen Gefallen, und gern hätte ſie ſchon längſt auf ein Vergnügen verzichtet, welches ihr heute trotz des Triumphs, den ſie feierte, ſchaler denn je erſchien. Nur Wilhelmine zu Liebe blieb ſie, dann auch hoffte ſie von Minute zu Minute auf das Er⸗ ſcheinen ihres Bräutigams, der ungewöhnlich lange auf ſich warten ließ. Endlich, als der Cotillon bereits beginnen ſollte, erſchien dieſer, er war ungewöhnlich bleich und ſchweigſam. Den etwas kalten Gruß der Braut durch ein freundliches Kopfnicken erwidernd, trat er zur Mutter, die beſorgt ihm in's Antlitz ſchaute. „Thut mir den Gefallen und brecht auf,“ ſagte er; „Mitternacht iſt bereits vorüber, und wenn ich offen ſein ſoll, muß ich geſtehen, daß dies bunte Wogen und Treiben mich anwidert.“
„Mein Gott, welchen düſtern Ernſt haſt Du mit⸗ gebracht!“ verſetzte Cora, welche, durch das lange Aus⸗ bleiben ihres Bräutigams ohnedies verſtimmt, bei der Bitte deſſelben die hübſchen Lippen trotzig aufwarf. „Wenn Deine Stimmung mit dem Balle nicht in Einklang ſtand, konnteſt Du ja ganz zurückbleiben; die wenigen Augenblicke, welche Du jetzt noch hier weilſt, ſind ohnehin nicht der Rede werth.— Ich hätte ohne Dich den Rückweg nach Hauſe gefunden,“ fuhr ſie gereizt fort,„wie ich ihn auch hierher ohne Dich finden mußte.“
„Bedenke, Cora, daß ich von dem Sterbebett eines jungen Mädchens komme, welches vor vier Wo⸗ chen noch blühend und lebensluſtig wie Du jetzt in dieſem Saale tanzte und hier den Keim zu ihrem frühen Tode legte,“ erwiderte der Doctor ernſt;„ich habe wohl nicht nöthig hinzuzufügen, daß ſolche Er⸗
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