Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
509
Einzelbild herunterladen

chtfelde ſo Dunkelheit

agen noch e Jugend, o ſie noc was ſich uͤge dieſer ſchwarzen à, winnern

ſſc.

Das Wel, as ihm vor rückgelaſſe⸗ tGelegen⸗ Spiels ge⸗ mahme der nzuſetenden keine Karte del auf den Forderung, von 12,000

voͤly miſche

Karte nach Frau war

und Weib das über⸗ ſit des Ge⸗ ſſonders im glimm genug daß es der Schut gegen

zu finden, r glauben, egen fünfßig ene hmer er⸗ führt. Ue⸗ mochte ſie ſehr liberale Nlexei be⸗ bel werthen ſt nie wieder

dem Schuhe poltawa gel⸗ pobadder ſch t haben.

au catakteri⸗ ahrer Bojate nder groben Schauplatz⸗

ein lan⸗ nd niedrigen mwer geriin

befindet ſch unbehoglihen manche bor⸗ Gedanken an

7aeg

Vierte

Comfort aufkommen zu laſſen. Lange, mit Kuhhaaren ſpär⸗ lich gepolſterte Bänke ſtanden an den Wänden.

Mit mehr Sorgfalt als die übrigen war das Schlafge⸗ raach eingerichtet. Hier fanden ſich einzelne Gegenſtände vor, die der verfeinerte Luxus des Weſtens zum Bedürfniß gemacht, und ein dicker Teppich bedeckte den Fußboden. Zwei Gefähr⸗ tinnen mußten ſtets Alexei Geſellſchaft leiſten, er ſpielte jeden Abend Schach mit ihnen und prügelte ſie, wenn er gewann, um das Verſtändniß des ſinnreichen Spiels ſo ſchnell als möglich zu entwickeln.

Einen eigenthümlichen Anblick gewährte der Hof an der Rückſeite des Hauſes. An zwei Seiten eines großen Raſen⸗ platzes ſtanden in geringer Entfernung von einander eine

Menge kleiner Häuschen, jedes durch einen ſchmalen Gang

1

in zwei Hälften getheilt, jede Hälfte von zwei weiblichen We⸗ ſen bewohnt. Die geſelligen Gewohnheiten des Hausherrn erklären hinlänglich, warum er ſeine weibliche Umgebung ſo zahlreich als möglich machte. Die Begabung für das Schach ſpiel iſt nicht jedem Geiſte in gleichem Maße eigen. Das Rekrutiren für den Kreis blühender Geſtalten war nicht ſchwer. Alexei Petrowitſch hatte freie Wahl unter den Weibern und Töchtern der Leibeignen auf ſeinen Gütern, und Väter und Mütter mußten ſchweigend dulden, was ſie nicht hindern konnten!

Die dritte Seite des Hofes, an dem wir die kleinen Häuschen geſehen, nahm ein Gebäude an, das die Frauen⸗ welt in Brokna täglich mit den Verwünſchungen der Verzweif⸗ lung überhäufte. Heute ſteht eine Kirche an der Stelle, noch vor dreißig Jahren war es ein Theater. Nur ein weiblicher Fuß durfte die Bühne betreten. Liebhaber und edle Väter durften nur von Frauenzimmern dargeſtellt werden; bis auf den Lampenputzer hinab war keine männliche Seele bei dem Kunſtinſtitut. Das Ballet ſpielte freilich die Hauptrolle im Repertoire, aber auch Dramen und Trauerſpiele wurden auf⸗ geführt. Wenn man bedenkt, daß es Töchter der umliegen⸗ den Dörfer waren, die zu Tänzerinnen und Schauſpielerin⸗ nen herangebildet werden mußten, daß keine zu leſen verſtand, daß alſo die Rollen nur durch unaufhörliches Vorleſen und mit der Peitſche in der Hand dem rebelliſchen Gedächtniß einzuverleiben waren, ſo ergiebt eine jede Vorſtellung eine ſolche Maſſe von Mißhandlungen, daß man nicht begreifen kann, wie die armen Weſen noch im Stande waren, Liebe und Zärtlichkeit, ſei es in Worten oder battements, auf den Bretern nachzuäffen. Wie groß die Furcht vor dem Gebie⸗ ter geweſen ſein muß, beweiſt unter andern das Factum, daß das letzte vor ein paar Jahren zufällig entdeckte Mitglied der Schauſpielertruppe, Jungfer Sachartſchenka, die ihrem eigenen Ausdrucke nach als Kind die Amours geſpielt, vor dem Portrait ihres ſeit mehr als fünfundzwanzig Jahren tod⸗ ten Herrn mit dem AusrufAlexei Petrowitſch! in tiefe Ohnmacht ſank.

Nicht nur auf der Bühne durfte kein Mann erſcheinen, auch in den herrſchaftlichen Gemächern wurde nur weibliche Bedienung geduldet. Während die weniger begabten und mit der großherrlichen Gunſt bedachten Frauen in ihrer ur⸗ ſprünglichen Bauerntracht, in Sarafan und Kakoſchnik, ein- hergingen, bildeten die vom Himmel mit einem beſonders glücklichen Aeußeren begabten das eigentliche Hofgeſinde und wurden zu dieſem Ende in die glänzende Tracht der Diener Ludwig's XIV. geſteckt. Man denke ſich die ruſſiſchen Bau⸗ ernweiber mit gepudertem Haar als Kammerdiener, Läufer

und Pagen! Es iſt kaum zu glauben, daß in einer uns ſo nah liegenden Zeit ſo etwas möglich geweſen, und doch er⸗ 8 3

Folge. 509

zähle ich die buchſtäbliche Wahrheit. Die Zahl der Dienen⸗ den ſoll oft auf hundert geſtiegen ſein.

Schon während ſeiner Dienſtzeit in der Reſidenz hatte Alexei Petrowitſch jährlich einige Monate auf dieſem Land⸗ ſitz zugebracht. Daß Agrippina das Treiben daſelbſt mit ihrer Würde unvereinbar fand, iſt nicht zu verwundern; merk⸗ würdiger erſcheint uns, daß ſie ihren rückſichtsloſen Gatten erſt vor dem Beginn des Marſches verließ und ſich in Pol⸗ tawa einmiethete.

Wie der unglücklichen Adele Grenier⸗Barkowsky zu Muthe ſein mußte, als ſie nach Brokna kam, können wir uns leicht vorſtellen. Alexei mochte ſie unwiderſtehlich angezogen haben durch ſein offnes, liebenswürdiges Weſen und die ei⸗ ſerne Energie, die in jeder ſeiner Bewegungen lag; hier wurde es ihr ſehr ſchwer gemacht, den Mann zu achten, den ſie lieb⸗ te: nicht das allein, was ſie vor Augen ſah, war enttäuſchend, es kamen allmählich noch andere Dinge hinzu, die ihr den Aufenthalt im Hauſe verleiden mußten.

Wenn Alexei während des Kriegs ſich am Tage tapfer herumgeſchlagen, ſo benutzte er die Nacht zu weiten Streif⸗

zügen in Begleitung einiger Getreuen, und betrachtetete als gute Priſe, was er auf entlegenen Schlöſſern und Landſitzen erbeuten konnte. Die koſtbare Sammlung von Goldmünzen und die guten Bilder, die er hinterlaſſen, ſind die Frucht die⸗ ſer vortheilhaften Speculationen. Wie viel er an Geld auf ſolche Weiſe heimgebracht, iſt natürlich unbekannt; er ſprach nie von ſeinen Geſchäften, und verbrannte ſogar in ſpäteren Jahren bisweilen kleinere und größere Päckchen von Caſſen⸗ billets, um ſeinen muthmaßlichen Erben die Vorausberech⸗ nung des Nachlaſſes zu erſchweren, wie er behauptete.

Seine Leibeigenen betrachtete er natürlich als ein Eigen⸗ thum, mit dem er rückſichtslos ſchalten und walten konnte. So lange die Sonne am Himmel ſtand, mußten ſie für ihn ar⸗ beiten mit Weib und Kind.Der Tag iſt mein, die Nacht iſt euer, ſagte der Herr, und die Weiſung war verſtanden wor⸗ den. Brokna iſt ein Hügelland; bergauf, bergab zieht ſich die Landſtraße durch dichte Wälder, und wie heute ſchleppten ſich auch damals lange Züge waarenbeladener Karren zwiſchen Poltawa und Kiew. Aber wenn ſie heute gefahrlos ihren Weg verfolgen, ſo war es damals anders. Die Nacht gehörte nach des Herrn Ausſpruch den Bauern von Brokna, und wehe dem Handelsmann oder Reiſenden, der ſich bei einbrechender Dunkelheit auf ihrem Revier erjagen ließ! Uebertrieben iſt vielleicht, daß Alexei ſich von jedem ſeiner Unterthanen für eine mondhelle Nacht einen, für eine rabenſchwarze zwei Rubel zahlen ließ; that er es aber nicht, ſo iſt ſchon das Ge⸗ rücht davon bezeichnend genug und beweiſet jedenfalls, daß

einer oder der andere ſeiner Zeitgenoſſen dieſe Einnahmequelle uicht verſchmähte. Von offenkundigen Räubern alſo war die junge Fran⸗ zöſin umgeben, und ſelten verging eine Woche, ohne ihr die grauenerregenden Einzelheiten eines Mordes zuzutragen. Doch brauchte ihre Phantaſie ſich nicht in den Wald hinaus zu wagen, um zurückzuſchrecken. Auch in ihrer Nähe ging mauches Empörende vor. Wie Alexei ſeine Damenwelt abwechſelnd liebte und prü⸗ gelte, habe ich ſchon angedeutet. Mit den Männern wurden die Strafen ernſter genommen: wenn die Folterwerkzeuge der Peitſche und Knute nicht mehr helfen wollten, ſo wurde der Delinquent auf ein eiſernes Pferd mit ſcharfem Rücken geſetzt, da blieb er, mit Gewichten an beiden Beinen, ſitzen bis zur völligen Ohnmacht, und erwachte in Ketten. Das Heulen und Winſeln ertönte

dann bis weit in das Dorf hinaus, und

9