Als Oeſtreich, das früher dem Feinde Deutſch⸗ lands ſeine Prinzeſſin zum Weibe gegeben, dieſem end⸗ lich den Krieg erklärte und die alliirten Mächte ſich zur Vertreibung Napoleon's einigten, beſtand die ganze Macht ihrer Armeen aus Summa 700,000 Mann, beit denen ſich 130,000 Mann Cavallerie und über 2000. Kanonen befanden. Napoleon dagegen beſaß nur 360,000 Mann, unter welchen nur 30,000 Reiter und 1300 Kanonen waren. Außerdem befand er ſich in Feindeslanden, was immer ein Nachtheil iſt. Wurde dieſer auch zu Anfang des Kriegs durch ſeine beſſere Or⸗ ganiſation der Truppen und größere Waffenübung der⸗ ſelben ausgeglichen, ſo hatten doch ſpäter die Alliirten durch manche verlorene und gewonnene Schlacht viel gelernt, und man darf nicht vergeſſen, daß talentvolle Generale und reformirende Köpfe, wie Scharnhorſt und Andere, derſelben nicht fehlten. Auch muß als moraliſcher Vortheil für unſere Partei hinzugefügt werden, daß Napoleon’'s zum Theil kampfesmüde, zum Theil ſehr jugendliche, mit Gewalt in ihrer Heimath zuſammengeraffte Truppen wohl endlich Ur⸗ ſache hatten, den langen ungleichen Kampf mit der halben Welt ziemlich hoffnungslos zu finden, während man auf deutſcher und alliirter Seite die von ſelbſt verſtändliche Pflicht empfand, ſich von Vaterlandsge⸗ fühl und Sehnſucht nach Unabhängigkeit begeiſtern, zu laſſen. Es iſt ein Unterſchied, ob der Soldat auf dem Boden ſeines Volkes fällt oder ſchwer ver⸗ wundet wird, oder auf fremder Erde, fern von den Seinen. Ich will gar nicht unterſuchen, ob es auch in der Wirkung ein Unterſchied iſt, ob eine Armee für Heerd, Weib und Kind, oder für die„Gloixe“ eines Fürſten kämpft, denn die Menſchheit hat ſich oft für leere Phantome, von denen ſie gar nichts hatte, ſehr hartnäckig inflammirt.
So ſtanden die Verhältniſſe im Allgemeinen in
Novellen⸗Zeitung.
der letzten Zeit. Betrachtet man nun die Heere in den Tagen der Octoberſchlachten bei Leipzig, ſo zeigt ſich, daß die Verbündeten 300,000 Mann in's Feld ſtellten, während Napoleon nur über 180,000 com⸗ mandirte.
Ich glaube, dies ſagt als trockenes Factum genug, denn in unſerer modernen Kriegführung von ganz gleicher Bewaffnung entſcheiden im Allgemeinen die Maſſen; die einzelnen europäiſchen Staaten wiſſen dies ſehr gut, denn ſie halten faſt alle, weil ſie einander nicht trauen, ſo viele Soldaten, wie man bezahlen kann, oder vielmehr wie man eigentlich durch⸗ aus nicht bezahlen kann.
Es läßt ſich alſo die Bemerkung nicht unterdrü⸗ cken, daß die Schlacht bei Leipzig noch ehrenvoller für uns geweſen ſein würde, wenn Napoleon 120,000 Mann mehr, nämlich eben ſo viel wie wir, gehabt hätte und das Reſultat für uns das gleiche geweſen wäre, als es war. Würden dann aber die Alliirten geſiegt haben?
Dieſe Frage iſt nur durch Vermuthungen zu be⸗ antworten, in welcher Art ſich dieſelben aber auf⸗ drängen mäſſen, kann wohl nicht zweifelhaft ſein, wenn wir erwägen, daß Napoleon auch bei ſeinen weit geringeren phyſiſchen und moraliſchen Kräften und Chancen einmal nahe daran war, über ſeine Gegner zu triumphiren.
Was wir über Bonaparte als Menſchen⸗ und Völkerbeherrſcher denken, iſt eine andere Sache; als Feldherr aber wird jeder gute Soldat den Hut vor ihm lüften müſſen. Es iſt erfreulich zu bemerken, daß ſich in Bezug auf dieſen Punkt der Verfaſſer des Leipziger Schlachtgemäldes nicht als ein befangener Schönmaler des deutſchen Kriegsruhms zeigt. Er
errang.
Aus dem Leben eines ruſſiſchen Bojaren.
Um zu zeigen, was für unglaubliche, abenteuerlich merk⸗ würdige Privattyrannen noch vor ein paar Decennien in Rußland gehauſt, alſo gewiſſermaßen noch in unſere Gegen⸗ ward hineingeragt haben, theilt ein Hr. W. v. K. in der ruſ⸗ ſiſchen Revue den Lebenslauf eines vornehmen Ruſſen nach authentiſchen Privatquellen mit. Man hat es alſo in dieſer Romantik nicht mit Erfindung, ſondern mit einem wahrheits⸗ getreuen Zeitſpiegel zu thun. Wir faſſen aus jenem ausführ⸗ lichen Bilde hier ein kleines durch Wiedergabe der intereſſan⸗
(lelon.
teſten Hauptzüge zuſammen.
Alexei Petrowitſch, wie jener barbariſche Culturruſſe genannt wird, war der Sohn eines bemittelten Gutsbeſitzers im Gouvernement Poltawa. Ueber die Erziehung, die er in ſeiner Kindheit genoſſen, weiß Niemand etwas Genaues. Die Reſultate dieſer Erziehung zeigen uns ſpäter deutlich ge⸗ nug, welcher Art ſie geweſen ſein muß.
Wir erblicken ihn zum erſten Mal im Jahre 1775, et⸗
wa 30 Jahre alt, in St. Petersburg als Hauptmann in ei⸗ nem Garderegiment der Kaiſerin Katharina.
Alexei Petrowitſch war groß von Wuchs und vom Him⸗ mel mit einer eiſernen Conſtitution beſchenkt. Ein aus einer
erzählt mit Treue und läßt die Ehre dem, der ſie
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