Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
501
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heute biſt Du ernſt, ſchweigſam, ja düſter. Keine Entſchuldigung, fuhr er fort, als er bemerkte, daß der Baron ihm in die Rede fallen wollte,Du haſt etwas auf dem Herzen, was Du mir verbirgſt, und ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich vermuthe, daß dieſes Etwas mit Deiner Behauptung, die Jugend⸗ liebe halte niemals Stand, im Einklang ſteht.

Der Officier warf einen raſchen, verſtohlenen Blick auf die beiden Mädchen, und faſt ſchien es, als ſei es ihm durchaus nicht unangenehm, daß Andreas die Unterhaltung auf dieſes Thema gelenkt hatte. Du magſt in gewiſſer Beziehung Recht haben, ent⸗ gegnete er nach einer kurzen Pauſe,der Himmel behüte Dich vor den Erfahrungen, die ich ſo früh ſchon machen mußte. Aber laſſen wir das, fuhr er ſich ermannend fort,den Augenblick genießen, die Vergangenheit vergeſſen und die Zukunft nicht beach⸗ ten, das iſt die Quinteſſenz des Lebens. Weshalb alſo trüben Erinnerungen nachhangen, die ja doch an dem Geſchehenen nichts ändern können? Fort mit Allem, was ſich bleiern an die Ferſe des Menſchen hängt und ihn von der Quelle zurückhält, die vor ihm lebendig aus dem Felſen ſprudelt! Wenn der Becher ſchäumt, zaudert nur der Thor, ihn zu leeren; ich will ein ſolcher Thor nicht ſein, will nicht grübeln und fragen, was in der Nacht der Zukunft meiner wartet, will nicht haſchen nach einem Phantome, wel⸗ ches in Nebel zerfließt, wenn ich nach ihm greife; nein, genießen will ich den Augenblick, das feſthalten, was ich mein nenne, und nicht trügeriſchen Träumen nachjagen!

Anndreas ſah erſtaunt auf, er wußte ſich den Sinn dieſer Worte nicht zu erklären, die Aufregung, in

welcher der Freund ſich befand und die ſich deutlich

in der Haſt kund gab, mit der dieſer jetzt das Glas auf einen Zug leerte, beunruhigte ihn.Du ſprichſt (in Räthſeln, verſetzte er,aber jedes Deiner Worte bekundet deutlich, daß die Vergangenheit für Dich trübe, ſehr trübe Erinnerungen hat und Du auf die Zukunft keine Hoffnung mehr ſetzeſt.

So iſt es, fuhr der Officier fort.Wenn die Damen Intereſſe daran finden, meine Jugenderlebniſſe kennen zu lernen, ſo bin ich gern bereit, ſie mitzu⸗ theilen. Cora ſchwieg, ſie fühlte, daß ſie bereits grö⸗ ßeres Intereſſe an dem Gaſte nahm, als ſie vielleicht durfte, Wilhelmine aber richtete ohne Zögern an den Baron die Bitte, ſeinem Verſprechen nachzukommen.

Nun wohl, Du weißt, daß mein Vater mich für das Forſtfach beſtimmt hatte, hob der Officier, ſich zu dem Freunde wendend, an,und ich muß ge⸗

ſtehn, ich hegte große Liebe zu dieſer Wiſſenſchaft und

warf mich mit allem Eifer auf das Studium derſelben.

Folge. 501

Verſchiedene Gründe waren es, die dieſe Vorliebe in mir weckten. Ich hatte an dem ungebundenen Umher⸗ ſchweifen in Feld und Wald ſtets großes Vergnügen empfunden, war ein eifriger Verehrer der Naturwiſſen⸗ ſchaft und wußte, daß ich durch meinen Vater, der bei Hofe in großem Anſehn ſtand, raſche Beförderung erwarten durfte. Dies allein würde hingereicht haben, mich anzufeuern, auf der betretenen Bahn rüſtig vor⸗ wärts zu ſchreiten, aber zu dieſen Gründen geſellte ſich noch ein andrer, der ſchwerer wog, als jene zu⸗ ſammengenommen. Der Forſtrath von Gebaur, ein Jugendfreund meines Vaters, beſaß eine Tochter, die mir's, wie man zu ſagen pflegt, angethan hatte. Wir lernten einander ſchon in früheſter Kindheit kennen, wurden, als Helene zur Penſion mußte, getrennt und verkehrten jetzt brieflich miteinander, freilich ohne Vor⸗ wiſſen unſrer Eltern, die eine ſolche kindiſche Liebe nicht geduldet hätten. Im Briefe ſpricht das Herz ſich freier und ungezwungener aus, als in mündlichen Unterredungen; es währte denn auch nur wenige Monate, ſo hatten wir einander bereits das feierliche Gelübde einer ewigen treuen Liebe gegeben. Ich will durchaus nicht beſtreiten, daß in den Augen der Welt dieſe Verlobung eine wenig bindende Kraft beſaß, wir waren ja noch Kinder und unſere Liebe eine Tändelei, über welche erfahrene Leute ſpottend die Achſeln zucken. Mir aber war's bittrer Ernſt, wir ſchwuren einander zu, kein Geſchick ſolle uns trennen, nichts ſolle uns zwingen, den Eid zu brechen, und lieber wollten wir Alles, Eltern und Vaterland, opfern, als unſrer Liebe entſagen. Und weiß Gott, ich habe das Mädchen lieb gehabt, ſo recht von Her⸗ zen lieb. Helene hätte nur ſagen dürfen:laß Alles, was Du Dein nennſt, fahren und komm' mit, wir wollen uns von Haus zu Haus betteln, bis wir drü⸗ ben jenſeits des Oceans ſind, wo allein wir miteinan⸗ der glücklich werden können! ich würde freudig und ohne Zögern ihrer Aufforderung gefolgt ſein. Der Baron ſchwieg. Ueberwältigte ihn die Erin⸗ nerung, oder wollte er nur den Eindruck beobachten, den ſeine Mittheilungen auf die beiden Mädchen mach⸗ ten? Lange ruhte ſein Blick verſtohlen auf Cora, die inniges Mitleid mit dem jungen Manne empfand, konnte ſie doch das Ende dieſer Jugendliebe errathen!

Als Helene aus der Penſion zurückkehrte, war ſie eine ſchwellende Knospe; nur wenige Monate noch, und die Knospe entfaltete ſich zur herrlichen Blüthe. Ich war überraſcht, ja faſt beſtürzt, als ich ſie wieder⸗ ſah; eine ſo vollendete Schönheit meine Braut nennen zu dürfen, erfüllte mich mit Stolz und Schrecken.

Schrecken? fiel der Doctor erſtaunt dem Freunde ins Wort.