Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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nehmen ſollte, zu empfangen. So hatte es die alte Dame angeordnet, welche im Stillen den Gedanken hegte, ein ſchmucker, reicher und adeliger Huſaren⸗ officier ſei noch lange keine ſo üble Partie für Wil⸗ helmine, und der junge Mann fügte ſich ſchweigend dem Willen der Mutter, obſchon er ſich mit demſelben nicht ſo ganz einverſtanden erklären konnte. Weit entfernt, den Gaſt freudig willkommen zu heißen, ſah er in demſelben nur einen Eindringling, der mit ſei⸗ nen Anſprüchen ihm oft läſtig fallen und ein fremdes, ſtörendes Element in die bisher ſo gemüthliche Häus⸗ lichkeit bringen werde.

Bald aber änderte er dieſe Anſicht, als das Re⸗ giment auf⸗ den Platz rückte und ſein Blick auf den Officier fiel, der im Vorbeireiten ihn vertraulich grüßte. Irrte er nicht, ſo war jener ſein Univerſitätsfreund, Baron Emil von Siewers, der kurz vor ihm die Uni⸗ erſität verlaſſen und ſeitdem ſeine Freunde über ſeine ferneren Schickſale in Ungewißheit gelaſſen hatte. Und er irrte nicht, der ſchmucke Officier war wirklich Egmil, der heitre, lebensluſtige Löwenbart, wie ihn damals die Commilitonen nannten.

Wahrhaftig, von der Ueberraſchung habe ich mir nichts träumen laſſen, hob der Officier an, als er abgeſtiegen war und jetzt vor dem Freunde ſtand; zwar ahnte mir, daß Du Dich hier niedergelaſſen haben könneſt, aber ich glaubte nicht recht an dieſe 6 Ahnung

Und warum nicht? fragte Andreas lächelnd, indem er dem Freunde die Hand reichte.

.Na, ich dachte, Du würdeſt das Sprüchwort:

Der Prophet gilt nichts in ſeinem Vaterlande! Dir zu Herzen gezogen und deshalb einen anderen Wirkungskreis gewählt haben. Wie geht's Dir denn, alter Junge?'s iſt ſchon lange her, ſeitdem wir die letzte Flaſche miteinander geleert haben.

Freilich, freilich, entgegnete der Doctor,da⸗ mals waren wir jeden Tag beiſammen, und das niedliche Schenkmädchen in der goldnen Traube Schweige von ihr, fiel der Officier faſt weh⸗ nuüthig ihm in die Rede,ſolche Erinnerungen taugen zu nichts. Du haſt unterdeſſen geheirathet? Nein, verſetzte Andreas lächelnd,aber ich ſtehe auf dem Punkte, den ſtolzen Nacken unter das Jooch zu beugen. Du ſteigſt natürlich in meinem Hauſe ab, fuhr er fort,ich habe ohnedies einen Officier zu beherbergen, und wer könnte mir da lieber ſein als Du, mein einziger, mein beſter Jugendfreund! Er trat nach dieſen Worten zum Wachtmeiſter,

ſwoelcher eben mit Ausgabe der Quartierbillets beginnen

Novellen⸗

Zeitung.

mit den Pferden zu folgen.Du haſt doch Stal⸗ lung? fragte er ſeinen Freund, als dieſer zurück⸗ kehrte.

Sogar Equipage, erwiderte der Doctor im Tone heiteren Scherzes,bedenke nur, mein Vater war Me⸗ dicinalrath!

Ich entſinne mich, fuhr der Baron fort, wäh⸗ rend er neben dem Arzte einherſchritt;irre ich nicht, ſo beſteht Deine Familie aus einer Mutter und einer Schweſter.

Die Braut nicht zu vergeſſen, fiel Andreas ihm in die Rede.Du wirſt Dich entſinnen, daß ich Dir damals viel von einer Baſe erzählte, die gleichzeitig mit mir im Hauſe der Eltern erzogen worden ſei, Cora Sand. Ich ſchwärmte derzeit ſchon für das Mädchen

Eine Jugendliebe alſo! unterbrach ihn der Officier, in deſſen Zügen ſich plötzlich ein düſterer Ernſt ſpiegelte.Ich mag von ſolcher Jugendliebe nichts hören, ſie hält niemals Stand, alter Freund.

Vorurtheile! entgegnete der Doctor achſel⸗ zuckend,ich habe dieſes Bedenken ſchon oft gehört, aber nie etwas darauf gegeben; Du wirſt Deine An⸗ ſicht ändern oder doch Ausnahmen gelten laſſen, wenn Du Cora näher kennen lernſt.

Die beiden Freunde hatten inzwiſchen das Haus erreicht. Andreas wies dem Bedienten den Stall und die Kutſcherwohnung an und führte den Freund ins

Wohnzimmer, in welchem die Damen der Ankunft des

Gaſtes bereits harrten.

Als der Baron der Braut des Freundes gegen⸗ über ſtand und in ihre dunklen, blitzenden Augen

ſchaute, rötheten ſich ſeine Wangen und ein verzehren⸗

des Feuer loderte in ſeinen Blicken auf; Cora ſenkte unwillkürlich die Wimpern, ſie wußte ſelbſt nicht, was ſo plötzlich ihr Herz bewegte.

Die Medicinalräthin aber konnte ſich nicht ſatt ſehen an dem ſchmucken jungen Herrn, ſie nahm die Schmeicheleien, mit welchen der Baron verſchwenderiſch um ſich warf, für baare Münze, während Wilhelmine mit feinem Takt den eiteln Weltmann augenblicklich durchſchaute. Das Eſſen war bereits aufgetragen und wurde nach altherkömmlicher Sitte, deren Befolgung der Medicinalrath, ſeinen Familiengliedern ſtets zur Pflicht gemacht hatte, ſchweigend eingenommen, nach demſelben verließ die alte Dame das Zimmer, um das gewohnte Mittagsſchläfchen zu halten.

Mich will faſt bedünken, Du ſeiſt ein Menſchen⸗ feind geworden, Emil, nahm Andreas das Wort, nachdem er die Gläſer noch einmal gefüllt und dem Freunde eine Cigarre angeboten hatte,früher warſt Du ſtets munter und luſtig bis zur Ausgelaſſenheit,

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