Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
499
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Vierte Holge. 499

Novellen-Zeitung.

Der Perlenſchmuck. ſſeln, als Wilhelmine ihr mittheilte, was die müßigen Leute zu ſagen beliebten, ſie fühlte ſich über den Stachel des Neides und der Bosheit erhaben; die

1 Novelle Medicinalräthin dagegen ging nicht ſo leicht darüber ven hinweg, ſie hatte es ja vorausgeſagt:Perlen be⸗

Ewald Auguſt König. deuten Thränen, und bereits jetzt ſah ſie ihre Pro⸗

(Fortſetzung.) phezeiung zum Theil erfüllt. Die alte Frau hielt

2. unerſchütterlich feſt an dem Vorurtheil vergangener

Die Nachricht von der Verlobung des Doctors Jahrhunderte; ſo oft Andreas auch den Verſuch machte, Kaltenberg mit der ſchönen und reichen Cora Sand ihr das Lächerliche und Grundloſe derſelben zu zeigen, verbreitete ſich wie ein Lauffeuer in der Stadt, und ſie wies dieſes Anſinnen ſtets mit Entrüſtung zurück die ſtets geſchäftigen Zungen der Klatſchbaſen fanden und beharrte feſt bei ihrer einmal gefaßten Meinung. jetzt willkommene Gelegenheit, ihre gehäſſigen Zweifel Einige Tage nach der Verlobung rückte ein Hu⸗ und Bedenken über die Gründe zu dieſer ſo unerwar⸗ ſarenregiment mit klingendem Spiel in das Städtchen teten Verlobung auszuſprechen. Man hob den Um- ein, und Magiſtrat wie Bürger boten Alles auf, die ſtand hervor, daß Cora bereits ſeit funfzehn Jahren willkommenen Gäſte auf das Feierlichſte zu empfangen

in dem Hauſe der Medicinalräthin weile, daß ſie reich und zu bewirthen. Man hatte in der Hoffnung, den

und der Medicinalrath ihr Vormund geweſen ſei, und Wohlſtand der Stadt dadurch zu heben, um eine kleine wenn man daneben auch die Ueberzeugung ausſprach, Garniſon gebeten, und die Regierung war ohne Zögern daß hierin der Grund zu dieſer Verbindung nicht zu ſauf dieſe Bitte eingegangen. Es kitzelte den Stolz ſuchen ſei, ſo ſtand das begleitende Achſelzucken doch der Bürger, ein Cavallerie⸗Regiment in ihrer Stadt in ſchroffem Widerſpruch zu dieſer Erklärung, die zu beherbergen, und vorzugsweiſe die kleinen Kaufleute, gleichſam als Ehrenrettung gelten ſollte. Frau Fama Krämer und Handyerker, welche ſich großen Vortheil findet Vergnügen daran, die Ehre und den guten von dieſem Zuwachs an Seelen verſprachen, drangen Ruf eines Menſchen langſam zu untergraben, und ein darauf, daß man den Soldaten das Leben in ihrer williges, aufmerkſames Ohr ſteht ihr überall und alle⸗ Mitte ſo angenehm als möglich machen und für Feſt⸗ zeit offen; ſie ruht nicht eher, bis ſie ihr Werk ge⸗ lichkeiten, welche den meiſt reichen Officieren des Re⸗ kront ſieht. giments zu außerordentlichen Ausgaben Veranlaſſung Die Mutter heirathsfähiger Töchter und die, boten, Sorge tragen müſſe. Der Magiſtrat, die Bil⸗ welche ſich Hoffnung auf Herz und Hand des Doctors ligkeit dieſer Forderung einſehend, hatte am Tage gemacht hatten, waren die Erſten, welche jenen ge⸗ des Einzugs die Straßen mit Flaggen und Guir⸗ häſſigen Gerüchten vollen Glauben ſchenkten und zur landen ſchmücken laſſen und für den Abend des nächſt⸗ Ausſchmückung und Verbreitung derſelben nach Kräf⸗ folgenden Tages einen Ball arrangirt, der den Hono⸗ ten beitrugen. Andreas, dem geſchwätzige Zungen ratioren und Officieren zu gegenſeitiger Annäherung das Gerede bald hinterbrachten, lächelte dazu, er ver⸗ Gelegenheit geben ſollte. Der Tag des Einmarſches traute darauf, daß jeder unbefangene, vorurtheilsfreie war ein wahrer Feſttag, es hatte juſt den Anſchein, Mann das Gehäſſige und Grundloſe dieſer Verleum- als ob das Regiment aus einem Feldzuge ſiegreich dungen herausfinden und für ihn in die Schranken heimkehre und die Stadt ihr den ſchuldigen Tribut treten werde. Er war zu glücklich im Beſitz ſeiner des Dankes und der Anerkennung zollen wolle. An⸗ Braut, als daß böswillige Zungen ihm jenes Glück dreas wartete auf dem Markte, um dort den Offieier⸗ hätten verbittern können. Auch Cora zuckte die Ach⸗ der in dem Hauſe der Medicinalräthin ſein Suartier * 3 1