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Kleopatra an den Octavian verrathen, in die Stadt zurück⸗ ſtürzte.
Kleopatra, aus Furcht vor dem Grimme des Antonius, flüchtete in ihr mit feſten Fallthüren verſehenes Gewölbe und ſchickte dann Boten zu dem Antonius, die ihm die Nachricht von ihrem Tode bringen mußten.
Antonius, ohne an der Wahrheit dieſer Nachricht zu zweifeln, ſprach zu ſich ſelber:„Was zögerſt du, Antonius? Der einzige Grund, dein Leben zu behalten, iſt hin.“ Bei dieſen Worten löſte er ſeinen Panzer und befahl dem treuen Sklaven Eros, ihn zu erſtechen; dieſer erhob das Schwert, durchbohrte ſich dann aber ſelber.
„Gut,“ ſagte Antonius,„daß du mir zeigſt, wie ich zu handeln habe!“ Mit dieſen Worten ſtieß er ſich das Schwert in den Leib.
Die Wunde war nicht augenblicklich tödtlich; ſtöhnend ſank er auf ſein Lager und bat die Hinzugekommenen, ihn zu tödten.
Da ward ihm die Nachricht, daß Kleopatra lebe und dringend wünſche, daß Antonius zu ihr in ihr Gemach ge⸗ bracht würde.
Da die Eingänge zu dem Gewölbe nicht geöffnet wur— den, aus Furcht daß ſich heimliche Cäſarianer mit hinein⸗ ſchleichen könnten, wurde Antonius, mit Blut überſtrömt, mit übermenſchlicher Anſtrengung von der Kleopatra und ihren beiden getreuen Begleiterinnen hinaufgewunden in das hochgelegene Fenſter.
Dann legte ſie ihn unter Jammer und Klagerufen auf das Lager und rief die Götter um Beiſtand an in ihrem un⸗ endlichen Schmerze.
Antonius ſuchte ſie zu beruhigen und bat ihn nicht zu be⸗ jammern wegen der letzten Unfälle, die ihn Schlag auf Schlag getroffen, ſondern ihn glücklich zu preiſen wegen der großen Macht, die er beſeſſen hätte, wegen ſeines Feldherrnruhmes und daß er jetzt, ein Römer, nur von einem Römer beſiegt worden ſei. Zuletzt rieth er ihr, unter den Freunden Oe⸗ tavian's beſonders dem Proculejus zu trauen. Nach dieſen Worten verſchied er in den Armen der Kleopatra.
Kaum hatte Antonius ausgehaucht, al ſchon Pro⸗ culejus bei Kleopatra erſchien; er ſollte auf eine geſchickte Weiſe zu bemächtigen ſuch enn Octavian wollte dieſelbe als eine beſondere Zierde ſeines Triumphes in Rom aufführen.
Sie ließ den Boten nicht zu ſich und ſprach mit ihm durch das Fenſter. Mit Hülfe des Gallus, der auch noch geſandt wurde, gelang es, Leitern von rückwärts an das Gebäude zu legen und ſich der Königin zu bemächtigen.
Nun ſandte Octavian den Epaphrodit mit dem Auftrage, für das Leben der Kleopatra zu ſorgen, ſonſt aber in Allem ihr zu Willen zu ſein.
Jetzt im Beſitz der Schätze und der Königin hielt Octa⸗ vian ſeinen Einzug in Alexandrien und begnadigte das Volk, aus Huld für die Schönheit und den Gründer der Stadt.
Die Kinder der Kleopatra ließ er am Leben, nur den Cäſarion und den Sohn der Fulvia befahl er hinzurichten. Aegypten wurde für eine römiſche Provinz erklärt. Als Kleo⸗ patra, mehr und mehr in Furcht geſetzt, Octavian möſchte ſie im Triumph mit aufführen laſſen, ihr Leben durch Hunger zu enden beſchloß, verhinderte dies Octavian durch die Drohung, ihre Kinder vom Antonius tödten zu laſſen.
Endlich beſuchte Octavian ſie ſelber auf ihr dringendes
Bitten. Verſchwunden waren die Zeiten von Tarſus: keine
n üppiger Jugendfülle von ſchwellenden Hoffnungen getra⸗
Novellen⸗Zeitung.
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gene und mächtige Königin, kein Antonius, beſtimmbar durch den Glanz äußerer Erſcheinung. Octavi har der be⸗ ſonnenſte, nur von ſeinem eigenen Willen ende Herr⸗
ſcher. 8
Es handelte ſich jetzt um die Erregung des Mitleids, der Theilnahme. Kleopatra empfing den Octavian in einfachen Trauerkleidern. Verſchiedene Bilder des Julius Cäſar ſchmückten das geſchmackvoll eingerichtete Gemach. Briefe, die Cäſar ihr geſchrieben, hatte ſie verborgen im Buſen.
Als Octavian eintrat, ſprang die Königin auf und eilte ihm mit den Worten entgegen:„Sei mir gegrüßt, mein Ge⸗ bieter, die Götter verliehen Dir das, was ſie mir genommen; Hier erblickſt Du Deinen vergötterten Vater. Wie er mich geehrt und mich zur unumſchränkten Königin Aegyptens machte, haſt Du gehört; wie er mich geliebt, das erſieh aus dieſem Briefe.“
Sie reichte ihm einen der Briefe Cäſar's, küßte die an⸗ dern, brach dann in Thränen aus, ſammelte ſich, knieete nie⸗ der vor dem Bilde Cäſar's, betete es an und ſprach:„O Cäſar, in dem Octavian lebſt Du mir wieder auf, und wenn ich ihn habe, ſo habe ich auch Dich.“
Bei dieſen Worten blickte ſie den Octavian zärtlich an, dieſer aber heftete unverwandt ſeine Augen zur Erde und ſprach:„Sei getroſt, o Weib, nichts Hartes wird dir widerfahren.“
Kleopatra, erſchreckt über dieſe kalte Antwort und die fehlgeſchlagenen Hoffnungen, warf ſich jetzt zu den Füßen des Octavian und bat flehentlich um die Erlaubniß, dem Anto⸗ nius noch ein Todtenopfer bringen zu dürfen.
Die Bitte wurde gewährt. Die Gefangene begab ſich jetzt zu dem Sarkophage des Antonius und betete alſo:„An⸗ tonius! im Leben hat uns nichts zu trennen vermocht, möge uns auch jetzt das grauſame Schickſal nicht auseinanderreißen. Ich beſchwöre Dich, ſei mir ein Helfer in der Noth und errette mich von der Schmach zu Rom im Triumphe aufge⸗ führt zu werden.“
Dann kehrte Kleopatra zurück in ihr Gemach. Hier brachte ihr einer der Cäſarianer, Cornelius Dolabella, auf den des unglückliche Schickſal der Königin einen tiefen Ein⸗ druck gemacht hatte, die Meldung, daß Octavian in wenigen Tagen den Rückweg nach Rom antrete und heſchloſſen habe, die Königin dahin folgen zu laſſen.
Sie verſtand den Wink, und ihr B bei dem Gedanken, dem römiſchen Vo dienen zu ſollen.
Raſch traf ſie ihren Entſchluß. Es gelang die Wach⸗ ſamkeit der Wächter zu täuſchen. In einem Körbchen mit Feigen angefüllt, ward ihr eine unter Blättern verborgene Natter gebracht. Unerſchrocken legte ſie ſich das Thier an die Bruſt und gab ſich auf dieſe Weiſe den Tod.
So endete der letzte Sproß aus dem Hauſe der Ptole⸗ mäer.
Achtzehn Jahre lang hatte die Königin den Gang des Schickſals durch die Kraft ihres Geiſtes gehemmt und Aegyp⸗ ten vor dem Looſe bewahrt, eine römiſche Provinz zu werden. Aber zu gewaltig war die Macht der Ereigniſſe. Kleopatra mußte es erleben, daß der Siegeswagen des Octavian auch über Aegypten donnernd dahin rollte.—
Dieſe Schilderung wird gewiß Denjenigen eine andere Anſicht einflößen, welche in dieſer Königin nichts weiter als eine üppige Verführerin und Praſſerin in Wohlleben und Verſchwendung erblickt haben. 1 9.
örte ſich wild zur Augenweide
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