Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
495
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Der Flachs. ſelten Regen und Sonnenglanz ab, und die Leinwand wurde . immer lichter, bis ſie endlich ſo weiß war wie Kreide. Da Böhmiſche Blumenſage. lächelte die heilige Maria mit himmliſcher Milde und ſagte Bjetuſchka war ein armes Mädchen, die für ihre alten, zu der Bjetuſchka:Ich habe dir nun den letzten Fingerzeig franken Eltern Tag und Nacht arbeitete, allein trotz ihrer gegeben, wie du dein Glück begründen kannſt; ſo gehe nun Emſigkeit litten alle Drei dennoch bittere Noth. Unter Thrä⸗ hin, ſei arbeitſam und bleibe fromm und rein. Nach dieſen nen klagte ſie einſt in ihrem ärmlichen Kämmerlein ihr Herze⸗ Worten entſchwebte die Himmelskönigin. Als Bjetuſchka in au Maria und unter Seufzern ſchlum- der Frühe aufſtand, eilte ſie ſogleich in's Freie und breitete die Leinwand auf dem grünen Raſen aus und begoß ſie fleißig mit klarem Waſſer. Und die Leinwand wurde immer heller und ſchöner, und bald glaubten die vorübergehenden Leute, es ſei mitten im ſchönen Sommer friſcher Schnee auf die Wieſe herabgefallen, ſo prächtig weiß war die Leinwand! Und nun kauften ſie gar gern das ſchöne Gewebe für theures Geld, und der Wohlſtand zog in das Haus der armen Leute ein, um es nie wieder zu verlaſſen. Bjetuſchka aber ſtand bald darauf in ſchneeweißem Kleide als Braut vor dem Altare, aus vollem Herzen dankend der heiligen Maria, der Himmels⸗ königin. Alfred Waldau.

leid der heiligen Jungfr merte ſie ein. Da träumte ſie alsbald, daß ſie ſich in ihrem Gärtlein befinde und dort erſchien ihr die himmliſche Königin, um deren Haupt zehn goldene Sterne funkelten. In der Rechten hielt die Allerheiligſte ein hellblaues Blümchen auf langem, dünnem Halme; auf dieſem Blümchen kamen nun allerliebſte Köpfchen zum Vorſchein, rein wie Gold, und auf jedem Köpfchen erſchienen wieder zehn goldene Körnlein. Die göttliche Jungfrau ſäete dieſe Körnlein in die Erde und ſprach dann in ſüßer Milde zu dem Mädchen:Weine nicht mehr, denn dieſe Blume wird dir Glück bringen; ſei arbeitſam und hoffe auf den Himmel. Darauf verſchwand ſie in himmli⸗ ſchem Lichtglanze. Als Bjetuſchka am Morgen erwachte, eilte ſie ſogleich in ihr Gärtlein und dort fand ſie in der That das Blümlein, das ſie im Traum geſchaut hatte: aber nicht ein einzelnes, nein Hunderte, Tauſende blühten daſelbſt. Und das waren die Flachspflanzen. Voll Freude begab ſie ſich zu ihren Eltern und erzählte ihnen die wunderbare Begebenheit. Allein es verging ein Tag und es verging eine Woche, und noch immer hatte es nicht den Anſchein, daß die ſeltſamen Pflanzen den armen Leuten Glück bringen würden, wie die Himmelskönigin verſprochen hatte. Da waren die Drei ſehr betrübt und gaben alle Hoffnung auf. Doch als einmal in ſtiller Mitternacht das gute Mädchen Bjetuſchka wieder ſchlief, kam abermals die heilige Maria zu ihr, diesmal aber nicht allein, ſondern von vielen ſchönen Engeln begleitet. Und die Himmelsfürſtin gab ihnen einen Wink, und alle Engel eilten zu dem blühenden Flachsfeld hin. Der eine Engel riß die einzelnen Pflanzen aus der Erde, der zweite Engel trennte ſorgſam die Köpfchen ab, der dritte Engel trocknete die naſſen Faſern im Sonnenſchein, der vierte Engel ſonderte emſig die Flachsflocken ab, und der fünfte Engel reinigte den Flachs mit der Hechel, ſo daß dieſer alsbald glänzte wie goldenes Jungfrauenhaar. Dann aber brachte ein Engel ein Spinn⸗ rad von Elfenbein und eine Spindel von Gold, und die hei⸗ lige Jungfrau ſetzte ſich hinzu und ſpann mit ihren lilienweißen Fingern gar ſchön den goldenen Flachs. Die andern Engel begannen hernach das Geſpinnſt zu weben, und in kurzer Zeit war die ſchönſte Leinwand fertig. Und als die ganze Ar⸗ beit gethan war, verſchwanden Maria und die Engel. Das Mädchen erwachte am frühen Morgen und erzählte freudig den Eltern die nächtliche Erſcheinung. Und der alte Vater begann ſogleich die nöthigen Geräthſchaften zu machen, Bje⸗ tuſchka und die alte Mutter begannen zu ſpinnen, und der Va⸗ ter fing hernach an, die Leinwand zu weben. Dieſe nahm von Tag zu Tag an Menge zu, allein weil ſie ungebleicht war, ſo fanden die Menſchen kein Gefallen an ihr, wollten

Der Sultan incognito.

Der in Conſtantinopel erſcheinende Levant Herald vomn 28. Mai veröffentlicht folgende anziehende Anekdote in Be⸗ treff des Sultans, die an Harun Alraſchid's nächtliche Spa⸗ ziergänge erinnert. Wir laſſen dieſelbe hier wörtlich folgen:

Der Sultan war vor zwei Abenden der Held eines kleinen Abenteuers, dem die Einbildungskraft nur ein paar Striche hinzuzufügen brauchte, um ſie als eine Epiſode aus Tauſend und Eine Nacht gelten zu laſſen. Seine Majeſtät, in die gewöhnliche Form eines Bimbaſchi gekleidet, fuhr in einem Kaik, der nur für zwei Menſchen eingerichtet iſt, von dem Kaſſim Paſcha nach dem Fanar. Er trat dort in ein Kaffeehaus, das den Namen Kilbournou führt, beſtellte ſich eine Schale Kaffee und war bald mit den Griechen und Ar⸗ meniern an ſeiner Tafel und an den daran ſtoßenden Tafeln in eine lebhafte Unterhaltung verwickelt. Man bemerkte, daß er ſehr frei und nicht allzu ehrfurchtsvoll von dem Sultan und den Miniſtern ſprach, indem er gleichzeitig die Anweſen den einlud, ihre Meinungen über dieſelben aufrichtig auszu⸗ drücken. Die Perſonen, mit denen er ſich unterhielt, ſprachen ſich hierauf eben ſo freimüthig wie der Bimbaſchi ſelbſt aus und erlaubten ſich in Betreff mehr als eines Inhabers eines Portefeuille einige zweifelhafte Complimente, im Allgemeinen aber drückten ſie ihre Ueberzeugung aus, daß Fuad und Aali Paſchadie rechten Männer am richtigen Platze ſeien, wäh⸗ rend der Sultan ſelbſt von Allen als ein Capitalmann aner⸗ kannt wurde. Mitten unter dieſer freien Beſprechung trat ein gewiſſer wohlbekannter Saraff(Makler) in das Zimmer, der bei dem erſten Blick den Fremden erkannte. Das Geheimniß wurde bald allgemeines Eigenthum, und die Veränderung des Benehmens gegen den Bimbaſchi war überraſchend. Der Sultan ſah, daß man ihn erkannt habe, ſtellte ſich aber un⸗ ſie nicht kaufen, und die drei armen Leute litten Hunger wie wiſſend und ſetzte ſeine Fragen fort; es war indeſſen nutzlos, zuvor. Da erſchien in einer Nacht die heiligſte Jungfrau denn die Antworten, die er von jetzt an erhielt, waren nichts abermals der guten Bjetuſchka. Sie trug eine weiße Lilie in weiter als übertriebene Lobſprüche Jedermanns und aller der Hand und führte das Mädchen auf eine grüne, blumige Dinge von Bujukdere bis zu den ſieben Thürmen. Er fragte Wieſe, die mit großen Stücken Leinwand bedeckt war. Und nun geradezu, ob die Geſellſchaft ihn kenne. Ganz natürlich wie ſie mit der Lilie ein Zeichen gab, da rieſelte ein köſtlicher, lautete die Antwort verneinend; nicht Einer der Anweſenden kühler Regen aus den blauen Wolken hernieder; und wie ſie hatte auch nur den Schatten einer Kenntniß, wer der Effendi mit der Lilie ein zweites Zeichen gab, begann alsbald in ſei, obwohl er im Allgemeinen den Eindruck gemacht habe, ſchönſter Art die goldene Sonne zu ſtrahlen. Und ſo wech⸗ daß er verdiene nicht ein bloßer Bimbaſchi, ſondern Serdar