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das? Ich hatte keine Gewißheit über den Inhalt. Er konnte vielleicht ganz unverfänglich ſein, von an⸗ dern Dingen als von meiner kleinen Perſon handeln.
Eine auserleſene Geſellſchaft, d. b. eine nach unſerm Geſchmack, hatte ſich für den letzten Abend einen kleinen Privatſaal in unſerm Hötel gemiethet, um ungeſtört ſich zu genießen. So wie es thunlich, eilte ich auf mein Zimmer, um den Brief zu leſen, und erſchrak nicht wenig über ſeinen Inhalt:
„Sehr verehrtes Fräulein,
Ich liebe Sie! Dies der Impuls des Briefes. Ich geſtehe, daß ich zu zaghaft war, mich Ihnen durch das Wort zu erklären— fürchtete ich doch, das rechte nicht zu finden— fürchtete es, weil ich Ihre Antwort nicht kannte.
In Ihrem Weſen, in Ihrer Art zu ſein, liegt die Erklärung dieſer Weiſe des Werbens— in meiner Natur, warum ich ſie wählte; bin ich doch zu ſtolz, um möglicher Weiſe gedemüthigt Ihnen gegenüber zu ſtehen.
Ich will ſie nicht alle nennen, die lieblichen Eigenſchaften, die Sie ſchmücken; Eigenſchaften, die ſeit 4 Wochen, ſeit ich Sie kenne, mein ganzes Denken erfüllen. Doch— Sie verbergen Ihr Ge⸗ fühl, verbergen es unter der Maske des Scherzes, des Witzes, ja, der Satire— verbergen es, wie man einen Schatz behütet. Doch nicht Alle ver⸗ ſtehen Sie, Viele halten Sie für geiſtreich auf Koſten Ihres Gefühls. Ich aber habe Sie erkannt, ja ſchon gleich am Tage unſeres Bekanntwerdens, als Sie am Strande niederknieten, um mit Ihrem Tuch dem armen Fiſcherjungen den blutigen, durch eine Scherbe verwundeten Fuß zu verbinden. Die andern Damen hatten nur Mitleid, und ach! das iſt ſo wohlfeil! Doch Ihr gutes Herz ſchritt zur That. Und mit welcher Einfachheit! Als man ſpäter mit Ihnen über die Sache ſprach, ſcherzten Sie das Mitleid ſcheinbar weg— wohl, um nicht gelobt zu werden. Die Arabesken nehmen Manche für das Bild. Wozu das? werden Sie fragen. Die Schil⸗ derung Ihres Weſens, meine Auffaſſung deſſelben, ſoll dieſem Brief ſeine Berechtigung geben: das Wagniß, Sie um Liebe zu bitten! Ihr Weſen verrieth nie Liebe, Ihr Scherzen entfernte mich oft — ſollte Ihr Witz das Gefühl maskirt haben?
O theure Hedwig, ich liebe Sie ſo unſagbar, Ihr Bild verfolgt mich bei Tag und bei Nacht; für mich giebt's kein Denken, kein Glück, keine Ruhe mehr ohne Sie!
Oft fürchtete ich aus halbzuverſtehenden Necke⸗ reien Ihrer Frau Couſine, Ihr Herz ſei ſchon ver⸗ geben! Iſt es ſo— ſo mögen Sie glücklich werden!
Novellen⸗ZJeitung.
Darf ich Sie morgen ſehen? Darf ich hoffen, mir Ihre Liebe zu erringen, ſo ſei es mir ein Zei⸗ chen: ſetzen Sie heute Nacht um 12 Uhr das Licht an das Fenſter links, wo die Roſen ſtehen. Sonſt ein„Lebe wohl“.
Ganz der Ihrige ꝛc.“ Lange ſaß ich unbeweglich da, den Brief in der
Hand. Wie drängte es mich dem Hauptmann zu ſchreiben! Doch was? Ihm für ſeine Achtung, ſein Lieben danken? Ein magerer Troſt! Ihm ſagen,
Herz und Hand ſeien Eigenthum eines Andern ge⸗ weſen, bevor ich ihn geſehen— dieſe Wahrheit ſchloß ein nicht zu brechendes Geheimniß. O hätte er die Thränen ſehen können, die ſeiner Güte, ſeiner Vor⸗ trefflichkeit mitleidsvoll geopfert wurden! Ich ſann und ſann und erſann doch nichts; wußte mir nicht zu rathen— da— pochte es an meine Thüre, die ich verriegelt, und meine Couſine rief: ob ich noch am Leben ſei, und daß ich raſch kommen müſſe, man warte mit dem Abendeſſen auf mich.„Gleich, gleich!“ antwortete ich erſchreckt und löſchte in der Verwirrung das Licht aus. Ich zog nun raſch mein Medaillon hervor, bedeckte es mit Küſſen und flüſterte:„ich war Dir keinen Augenblick untreu.“
Jetzt war es mir, als ſei mein Herz wieder leich⸗ ter, doch ich fühlte meine Schläfe brennen und wollte die Stirne kühlen, bevor ich zur Geſellſchaft ging. Im Dunkeln tappe ich nach dem Waſchtiſch und faſſe eine Flaſche Seewaſſer, die ich den Morgen gefüllt, um ſie einem Hamburger Freunde mitzubringen, der den ſeltſamen Wunſch geäußert Seewaſſer koſten zu wollen. Ich denke, Seewaſſer mag ein treffliches Mit⸗ tel gegen Kopfſchmerzen ſein, will etwas auf einen Schwamm träufeln und laſſe ihn erſchreckt fallen, denn es zucken kleine Flammen, es funkelt und ſprüht. Meerleuchten en miniature! in der Stube! Ich will meinen Augen nicht trauen, wiederhole das Experiment, dieſelbe Wirkung! Dieſes kleine Ereigniß gab mir meine Faſſung wieder. Ich nehme die Flaſche, eile auf den dunklen Gang, rufe alle Freunde„herbei, mit der ſeltſam erſcheinenden Bitte: ohne Licht! Das Er⸗ ſtaunen, das Bewundern des„Meerleuchtens“ war allgemein.
Das Waſſer behielt die Fähigkeit zu leuchten noch drei Tage, was mich in Hamburg manchen„leuch⸗ tenden“ Scherz treiben ließ.
Um 12 Uhr ſetzte ich kein Licht an das Fenſter links, wo die Roſen ſtehen.
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