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Saal, denn Aller Blicke begannen ſich auf mich zu richten. Der Hauptmann folgte mir.
„Wenn nur das Sprüchwort an mir zur Lüge wird,“ ſagte er:„Glück im Spiel, Unglück in der Liebe.“
Schon wollte ich ihm bedeuten, er möge im ver— wandten Schickſal Troſt ſuchen, habe doch auch ich Glück im Spiel gehabt und müſſe nun folgerichtig auf Glück in der Liebe verzichten, hätte ich nicht eine gar zu große Unwahrheit geſagt. Und ferner— war nach ſeinem Weſen am Morgen das Scherzen über dieſen Punkt unzart und gefährlich. Ich wollte keine Erklärung, aber ich fürchtete ſie.
Der Hauptmann war einer von den Männern, die eine Natur wie die meine zu ſchätzen weiß, aber nicht lieben kann— hätte ich überhaupt über Herz und Hand verfügen können. Ich glaube, er hatte den großen Fehler, keinen Fehler zu haben— wie hätte ich da auf Gnade für meine Unvollkommenheiten hof⸗ fen dürfen? Nein, ich meine, in den Fehlern des Ge⸗ liebten müſſen die eignen ihre Berechtigung finden— und hat man ja den Geliebten mit ſeinen Schwächen ſo lieb; das ſind ſeine Eigenthümlichkeiten, ſein Wahr⸗ zeichen. Der Hauptmann war juſt 20 Jahre älter als meine 20 Jahre, ach! und ſein Schnurrbart ſo ſteif und ſein Rücken ſo gerade und ſein Weſen ſo ganz Form, ſo arg gut, ſo gar kein Bischen pikant boshaft, immer beſonnen, immer ruhig; o, daß ich es nur, wenn auch zu meiner Schande geſtehe, mir deshalb ſo langweilig! Trotz all ſeiner Vortrefflich⸗ keiten ſeufzte heute der Hauptmann den ganzen Tag, und obſchon ich ihn von Herzen bemitleidete, ſo ſuchte ich doch Alles auf, dem Mitleid— und ſo ihm aus dem Wege zu gehen— was er wohl für Befangen⸗ heit der Liebe hielt, denn ſonſt begreife ich nicht, was ſich am Abend zutrug.
Unſerm Mittagstiſch ward heute etwas ganz Be⸗ ſonderes. Die ſchönſte Ueherraſchung in der Form von Sonnenſchein!„Sonnenſchein!“ rief Alles, und der Strahl erhellte ein jedes Antlitz, der Schein von außen, die Freude von innen— denn die ſchon auf⸗ gegehene Hoffnung verwandelte ſich im Nu in frohe Ge t, daß das Feſt ſtattfinden könne. Ohne Deſſert— und das wir Damen!— eilten wir zum Meer. Da war heller, lichter Sonnenſchein und der Himmel blau und die Fluthen ſo goldig und klar, daß es eine Luſt zu ſehen war..
Im Pavillon, wo jeden Nachmittag Mokka mit friſcher Meeresluft kredenzt ward, erklärte ſich das Comité in ſeiner Fünfheit gar bald beſchlußfähig,
und wieder zog die öffentliche Stimme Helgolands
bei Trommelklang durch die Inſel, verkündend, daß
Novellen⸗
Zeitung.
heute Abend großes Feuerwerk und Grottenbeleuch⸗ tung in nie geſehener Pracht ſtattfinden würde.
Nun drängten ſich Alle, die nicht, um das Unter⸗ nehmen zu unterſtützen, ſich im Voraus mit Karten verſehen hatten, zu dem Converſationshaus, um ſolche zu erhalten und ſich dadurch einen Platz in den Boo⸗ ten zu ſichern. Kein Boot blieb zurück, und dennoch mußte mancher Vorſichtige in der Phantaſie die Fahrt mitmachen, denn die Boote faßten nicht Alle. Am andern Morgen konnte das Comité durch den Ueber⸗ ſchuß den Armen ein nicht unbeträchtliches Geſchenk zuwenden. Wie lang ein Nachmittag werden kann! Selbſt wenn's kein Sonntag iſt mit obligatem Re⸗ gen! Und er nahm dennoch ein Ende, doch nicht ohne„Läſterallee“. Die aufgeſteckte Fahne hatte uns längſt verkündet, daß das Dampfſchiff in Sicht ſei, ein Ereigniß, das drei Mal wöochentlich ſtattfindet, d. h. bei ruhiger See. Ein Mal während unſeres Aufenthalts konnte das Schiff nicht landen und mußte unterwegs bei Cuxhaven Anker werfen, wo die Paſ⸗ ſagiere ſchlecht genug gebettet wurden, nachdem ſie, in kleinen Booten an's Land gebracht, gänzlich durchnäßt ankamen.
Bei der Ankunft der Dampfboote, die des ſeich⸗ ten, felſigen Bodens halber etwas vor Helgoland Anker werfen müſſen, werden die Gäſte mit Muſik in Boo⸗ ten abgeholt und eine jede Ladung von der am Strande zum„Läſtern“ verſammelten Badewelt in Empfang genommen. Vom Ufer aus verden lange, dicke Seile auf Blöcke befeſtigt, in der Mitte eine
Straße laſſend für die ankommenden Gäſte, während
ſich auf beiden Seiten die Badewelt gruppirt, muſternd, ob die ſo Spießruthen Laufenden der„Geſellſchaft“ angehören oder nicht, und Jeden auslachend, der noch Spuren der Seekrankheit trägt. Es iſt nun Sitte, oder beſſer Unſitte, ziemlich laute und wo möglich witzige Bemerkungen zu machen. Um 5 Uhr landet gewöhnlich das Dampfboot, das Morgens um 9 Uhr Hamburg verläßt, und wird man von den Badegäſten geradezu gefragt:„Sie gehen doch mit zur Läſterallee?“ und— faute de mieux geht man mit.
Als es nun dunkelte, begann ein reges Leben auf der Inſel; die Lootſen rüſteten die Boote, die Badewelt rüſtete ſich zur Fahrt mit Kapuzen und Regenmänteln. Regenmäntel? Ja! Denn die Sonne war untergegangen— ohne Untergang— und naſſer Thau, noch ohne Recht, Regen getauft zu werden, rieſelte hernieder. Aber wir wollten uns nicht ab⸗ halten laſſen; faſt am Ziel hofften wir ganz feſt, der Abend müſſe noch ein ſchöner werden, und— er warnd ein ſchöner!
Das Gedränge am Strande war groß. Ich
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