der Sohn Gottes geweſen ſei.“ „Brechen wir ab,“ bat Wilhelmine.
erzogen ſind.“
der das All geſchaffen hat, feſt und unerſchütterlich an ihm halten und ſich nicht beirren laſſen. Der fromme Glaube giebt der Weiblichkeit die ſchönſte Würde, und nichts iſt mir verhaßter, als die ſoge— nannte emancipirte Frau. Im Leugnen alles Gött⸗ lichen thut ſie es dem Manne zuvor, und weshalb? Nicht aus innerer Ueberzeugung, ihr Atheismus iſt nicht das Reſultat langer Studien, ſie hat einige Schriften über die Widerſprüche in der Bibel geleſen, die pikanteſten Stellen auswendig gelernt und plap⸗ pert ſie nun bei jeder Gelegenheit nach, um mit ihrer Schein⸗Gelehrtheit zu glänzen. Wie kann eine ſolche Frau ihrer Pflicht als Gattin und Mutter nachkom— men? Kann ſie dem Gatten eine Zuflucht bieten, wenn der Gram deſſen Stirne umwölkt? Kann ſie mit milden Worten ſeine ugte Seele aufrichten, ihn hinauf zum Schöpfer aller Dinge weiſen und in ſein Herz den wunderbar ſüßen Troſt gießen, der in den Worten liegt:„Kommt her zu mir Alle, die ihr mühſelig und beladen ſeid, ich will Euch erquicken“? Wie iſt es möglich, daß in dem Herzen ihrer Kinder die erſten Keime der Religion Wurzel faſſen können? Und doch giebt es der Frauen ſo viele, die einen Ruhm darin ſuchen, die Gottheit in den Staub zu ziehen.“
Sie brach ab, denn eben trat ihre Nichte ein. Cora im Gegenſatz zu Wilhelmine brunett, ihr chla uchs und die ſtolze Haltung des Körpers verliehen ihrem Auftreten eine imponirende Majeſtät. Dieſe und die ebenmäßigen, feinen Züge mit den dun⸗ keln blitzenden Augen gaben ihr vollen Anſpruch auf den Namen einer vollendeten Schönheit. Als ihr Blick auf den jungen Mann fiel, der das Schmuck⸗ käſtchen vom Tiſche nahm und ihr entgegentrat, zuckte ſie kaum merklich zuſammen, nur das forſchende, er⸗ ahrene Auge der Medieinalräthin bemerkte dieſe Be⸗ ung. Cora dankte mit wenigen, aber herzlichen
Novellen⸗Zeitung.
Furcht zur Folge? Mißmuth, vor Allem aber Ver⸗ luſt des Selbſtvertrauens, des Muthes und der That⸗ kraft. Iſt es nicht natürlich, daß unter ſolchen Um⸗ ſtänden der Zweck der Reiſe verfehlt werden muß?“
„So legen dieſe Herren Alles aus,“ nahm die alte Dame unwillig das Wort,„ſie leugnen in einem Athem die Allmacht und Allwiſſenheit Gottes und be— weiſen, natürlich in ihrer Weiſe, daß Chriſtus nicht
„Grübeln und Zweifeln iſt Sache des Mannes, wir, die Frauen, müſſen feſt halten an dem Glauben, in welchem wir
„Du biſt ein braves Kind,“ fuhr die Medicinal⸗ räthin fort.„Ja, das Weib ſoll glauben an den,
Worten für das Geſchenk, welches ſie in Wahrheit überraſchte, und der junge Mann fand jetzt, an das Vorurtheil der Mutter anknüpfend, die beſte Gelegen⸗ heit, ſeinen Entſchluß zur Ausführung zu bringen.
„Hätte ich unſrer guten Mutter nachgeben wollen, würdeſt Du dieſen Schmuck, den Du ſchon ſo lange gewünſcht haſt, nicht erhalten haben,“ verſetzte er, „aber ich weiß, Du glaubſt nicht an die finſtern Orakelſprüche vergangener Jahrhunderte, deshalb auch nahm ich keinen Anſtand, die Warnung der Mutter in den Wind zu ſchlagen.“
„Die Warnung der Mutter?“ fragte Cora, der alten Dame erſtaunt in's Antlitz ſchauend.„Welche Warnung könnte ſich an dieſes Geſchenk knüpfen?“
„Ja, welche?“ fuhr der Doctor achſelzuckend fort. „Mutter ſagt, Perlen bedeuten Thränen, was mit anderen Worten heißen will, man ſoll Niemandem, den man lieb hat, Perlen ſchenken, weil ſie dem Be— ſitzer Kummer und Thränen bringen. Nicht wahr, Du glaubſt nicht an die Wahrheit dieſer thörichten Behauptung?“
„Wer weiß?“ antwortete das Mädchen, deſſen Lippen ein ſchelmiſches Lächeln umſpielte,„in die Zukunft können wir nicht blicken, und weil uns dies verſagt iſt, drum glauben wir gern an ſolche Orakel⸗ ſprüche, ſelbſt wenn ſie uns Unglück weiſſagen. Aber können unter jenen Thränen nicht auch Thränen der Freude verſtanden ſein?“
„O, daß dem ſo wäre!“ fiel der Doctor ſtürmiſch in die Rede, indem er den Arm um die ſchlanke Taille des Mädchens ſchlang.„Ja, Du haſt Recht, Cora, laß in dieſer Weiſe uns jenen Spruch zur Wahrheit machen. Du weißt, daß ich Dich unſäglich liebe, daß dieſe Liebe mit mir aufgewachſen iſt; auch ich weiß, daß meine Liebe in Deinem Herzen Erwiderung findet, warum ſollten wir's uns länger verhehlen? Sage „ja“ zu dem Bunde, den unſre Herzen ſchon längſt geſchloſſen haben, und die Mutter hat Recht, Perlen bedeuten Thränen, aber Thränen der Freude!“
Cora war auf eine ſo raſche, ſtürmiſche Erklärung
begriff ſie, daß der, den ſie ſo heiß und innig liebte,
jetzt ganz ihr, ihr allein angehörte! Sie barg das glühende Antlitz an der Bruſt des Geliebten, und tief bewegt ſchloß die Medicinalräthin die Kinder in ihre Arme——
„Sie ſind glücklich, der Himmel gebe, daß ſie es bleiben und die Wolken, welche ihr Glück vielleicht bedrohen, raſch vorüberziehen,“ nahm die alte Dame
das Wort, als die Beiden hinausgegangen waren.
Der ernſte, faſt prophetiſche Ton, den die Mut⸗
ter anſchlug, ſetzte Wilhelmine in Erſtaunen.„Du
nicht vorbereitet, ihr Denken verwirrte ſich, Eins aber—
ſehſt lalb ſo daß ei
filberw deuten
daß m
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