Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
826
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er wartet es ab, was draus werden möge, und ſchweigt. Redet er aber, ſo iſt, was er ſagt, gediegen, klar, zweckmä⸗ ßig und möglichſt kurz; ohne alle Abſicht und Ziererei iſt es ſo, aus freier Natur heraus. Iſt das nicht ſchön? Und ſo iſt der ganze Menſch. Seine Redlichkeit, Hochherzig⸗ keit und Treue preiſt Jeder, der ihn kennt, als unerſchüt⸗ terlich und probehaltig. Er wird nächſtens die Univerſität verlaſſen und eine Reiſe nach Paris unternehmen. Er iſt im Ganzen nicht rauh und herb, aber wo er es iſt, werden ihn die Franzoſen nicht glätten, und geſprächig machen noch weniger.

Die Lorck'ſche Biographie fährt fort: Uhlaud iſt die Perle patriotiſcher deutſcher Dichtung neben Rückert, Arndt, Schenkendorf, Körner. temberg mit dem Plane einer Neugeſtaltung der Ver⸗ faſſungsgeſetze umging, da konnte ſich Uhland nicht enthal⸗ teu, mit der Gabe des Geſanges auch für dasalte, gute Recht ſeines ſpeciellen Vaterlandes einzuſtehen. So ent⸗ ſtanden jene patriotiſchen Geſänge, die noch begeiſternd wirken, ob ſie gleich nur württembergiſche Intereſſen ver⸗ fochten. Im Jahre 1815 war es auch, wo die erſte Sammlung der Uhland'ſchen Gedichte erſchien, und ſchon in dem bald darauf nöthig werdenden zweiten Abdrucke derſelben wurde die Ausgabe eben mit jenen vaterländi⸗ ſchen Liedern vermehrt. Seit der Zeit ſind die Gedichte, ſoviel wir wiſſen, ſiebzehnmal, zuletzt 1846, neu aufgelegt worden.(Die uns vorliegende Ausgabe von 1860 iſt die 41ſte.) In den vier Jahren 18151819 war Uhland am meiſten productiv; von da aber wurde ſeine poetiſche Thätigkeit oft unterbrochen, einmal durch die politiſche Stellung, zu der er nach und nach in ſeinem engern Vater⸗ lande gelangte, und daun durch die ſtreng⸗wiſſenſchaftlichen Studien, denen wir vornehmlich zwei treffliche, gelehrte und durch ſorgfältige Quellenforſchung ausgezeichnete Monographien:Ueber Walther von der Vogelweide und Ueber den Mythus von Thor(1822 und 1836), ſowie

Uovellen-Zeitung.

Als 1815 der König von Würt⸗

eine meiſterhafte Sammlungalter hoch- und niederdeut⸗ ſcher Volkslieder verdanken(2 Bände. 184445).

Was die dichteriſche Würdigung Uhland's betrifft, ſo wollen wir einen Zeugen aufrufen, wahrlich einen unver⸗ dächtigen, keinen geringeren als den argen Spötter Heine, dem Niemand nachſagen wird, daß er nicht jedem ſeiner Nebenmenſchen, am liebſten einem Collegen in der lyriſchen Poeſie, die geringſte Schwachheit gern mit dicker Kreide angeſchrieben hätte

In ſeinemSchwabenſpiegel, nachdem er Guſtav Schwab, K. Mayer, W. Menzel, G. Pfizer u. A. elen⸗ diglich abgethan, fährt Heine fort:Und nun laßt uns ernſthaft reden; was ich Dir jetzt noch zu ſagen habe, lie⸗ ber Leſer, verträgt ſich nicht mit dem ſcherzenden Ton, mit der leichtſinnig guten Laune, die mich bisher beſeelte. Es liegt mir drückend etwas im Sinn, was ich nicht mit ganz freier Zunge zu erörtern vermag, und worüber dennoch das unzweideutigſte Geſtändniß nöthig wäre. Ich hege näutlich eine wahre Scheu, bei Gelegenheit der ſchwäbiſchen Schule auch von L. Uhland zu ſprechen, von dem großen Dichter, den ich ſchier zu beleidigen fürchte, wenn ich ſeiner in ſo kläglicher Geſellſchaft gedenke. Und dennoch, da die erwähnten Dichterlinge den L. Uhland zu den Ihrigen zählen oder gar für ein Haupt ihrer Genoſſen ausgeben, ſo könnte man jedes Verſchweigen ſeines Namens als eine Unredlichkeit betrachten. Weit entfernt, an ſeinem Werth zu mäkeln, möchte ich vielmehr die Verehrung, die ich ſei⸗ nen Dichtungen zolle, mit den volltönendſten Worten an den Tag geben. Und ſeine frühere ungünſtigere Beur⸗ theilung destrefflichen Sängers(in derRomantiſchen Schule) theils erklärend, theils entſchuldigend, verweiſt Heine auf eine demuächſt erſcheinende völlige Anerkennung deſſelben, die uns indeſſen unbekannt geblieben iſt.

Was Uhland's politiſche Thätigkeit näher anlangt, ſo wurde er ſchon 1819 von dem Oberamte Tübingen und im folgenden Jahre von ſeiner Vaterſtadt, ſpäter auch von

man in der alten Welt vor der Entdeckung der weſtlichen Erd⸗ hälfte nicht gekannt hat. Die Spanier waren ſehr erſtaunt, als ſie ſaben, daß die Indianer den Rauch dieſes Krautes einſchlürf⸗ ten und dann wieder von ſich blieſen.

Eine der älteſten Nachrichten über das, was wir jetzt Cigar⸗ ren nennen, theilt der Geſchichtsſchreiber Gonzalo Fernandez de Oviedo y Valdez mit, in ſeiner Geſchichte von Nicaragua, welche 1555 vollendet wurde. Er war viele Jahre lang in den central⸗ amerikaniſchen Gegenden und ſpricht als Augenzeuge. Wir ent⸗ nehmen ihm das Nachfolgende:

Am Sonnabend, 19. Auguſt 1526, kam Don Alonſo, Kazike von Nieoya, deſſen einheimiſcher Name Nambi, das heißt Hund, iſt, auf den Marktplatz ſeines Dorfes. Es war zwei Stunden vor Einbruch der Dunkelheit. Gegen hundert Indianer beglei⸗ teten ihn. Sie ſetzten ſich in eine Ecke und begannen ihren Areito zu feiern. Areitos ſind Geſänge, in welchen ſie das Andenken von Begebenheiten aus früherer Zeit oder aus der Gegenwart ſchil⸗ dern, und vermittelſt welcher ſie das Andenken bewahren. Sie tanzten und ſangen. Wahrſcheinlich waren ſie nur gemeine Leute, denn der Kazike ging ſehr feierlich nach einer andern Ecke des Marktplatzes, wo er auf einer Art Bank Platz nahm. Dann ſetz⸗ ten ſich die höchſten Beamten und etwa achtzig andere Indianer um ihn herum, und ein junges Mädchen brachte zu trinken in klei⸗ nen Kalebaſſen. Das Getränk war wie ſtarker Wein und ein wenig ſäuerlich; ſie bereiten daſſelbe aus Mais und nennen es Chicha. Es ſieht aus wie Hühnerbrühe, in welche man ein paar Eier geſchlagen hat.

Als ſie nun zu trinken angefangen hatten, nahm der Kazike ein Päckchen mit Tabaksſtückchen, etwa 6 Zoll lang und ſo dick

wie ein Finger; die Blätter waren zuſammengerollt und mit einem Faden bewitkelt. Sie verwenden auf den Anbau des Tabaks große Sorgfalt und verfertigen aus ihm Rollen, welche ſie an einem Ende anzünden; dieſe brennen langſam einen ganzen Tag. Das andere Ende ſtecken ſie in den Mund, ziehen von Zeit zu Zeit den Rauch ein, behalten ihn eine Zeitlang bei ſich und ſtoßen ihn dann aus dem Munde oder aus den Naſenlöchern vor ſich, Jeder Indianer hatte dergleichen Blätterrollen, welche ſie in ihrer Sprache Yepoquetl nennen; auf Hispaniola(Haiti) heißen ſie Tabaco.

Diener beiderlei Geſchlechts brachten abwechſelnd Gefäße, die mit jenem Getränk oder mit einem andern angefüllt waren, das man aus Cacao bereitet(Chocolade). Von dem letztern tranken ſie drei oder vier Schluck und gaben dann die Kalebaſſe weiter, welche von Hand zu Hand ging. Dabei ſchlürften ſie fortwäh⸗ rend jenen Rauch ein, rührten die Trommel und ſchlugen den Takt mit der Hand, während andere ſangen. So blieben ſie bis⸗ Mitternacht beiſammen, und die meiſten von ihnen lagen dann be⸗ trunken da. Der Rauſch äußerte ſich auf ſehr verſchiedene Weiſe. Einige waren wie todt und regten ſich gar nicht, Andere heulten und ſchrieen, noch Andere hüpften und ſprangen. Als ſie in ſol⸗ chem Zuſtande waren, kamen die Frauen und brachten die Män⸗ ner nach Hauſe. Einige ſchliefen bis Mittag, Andere ſogar bis zum Abend. Wer ſich nicht ſo betrinkt, wird von den Uebrigen verachtet und gilt für einen ſchlechten Krieger. 9.

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