Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
814
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export. Ich kann mich entſinnen, daß er in vier verſchie⸗ denen Schilderungen einer Hinrichtung, welcher er in ſeiner Heimath beigewohnt haben wollte, den armen Delinquen⸗ ten ebenſoviel verſchiedene Todesarten ſterben ließ und jedesmal die Einzelnheiten des traurigen Actes, Kunſt⸗ und Handgriffe des Nachrichters, Todesangſt des Opfers, Zucken der Leiche, ſo in's Kleine hinein ausmalte, daß einem ganz ſchauerlich zu Muthe wurde. Damit das Ganze den richtigen Nachgeſchmack bekam, ließ er den Hen⸗ ker, als dieſer ſelbigen Tages auf der Heimreiſe die Eiſen⸗ bahn benutzen will, beim Einſteigen ausgleiten und ihm vom abfahrenden Zuge den Kopf abquetſchen.

Schließlich ſtellte ſich heraus, daß der zum Tode ver⸗ urtheilte Verbrecher vor der Execution der Haft entſprun⸗ gen war und ſich wahrſcheinlich in Amerika ſeines Daſeins in beſter Geſundheit erfreuen wird. Vielleicht hat B. jetzt Gelegenheit, dort die Bekanntſchaft des von ihm ſo häufig und verſchiedentlich Gemordeten zu machen; nachdem er ſich nämlich um Vertrauen, Anſehen und Credit gelogen, durch Annexation ihm anvertrauter Gelder und Einverlei⸗ bung derſelben in ſeine Privatcaſſe mit der Criminaljuſtiz auf geſpannten Fuß geſetzt hatte, zog er vor, ohne Abſtat⸗ tung üblicher Abſchiedsviſiten eine Geſundheitsreiſe nach Amerika anzutreten, von welcher er bis jetzt nicht zurückge⸗ kehrt iſt. Wie das Gerücht geht, bekleidet er dort den erhöhten Poſten eines Omnibuskutſchers.

Und nun, leb wohl, lieber Leſer; ſollten ſich dieſe flüchtigen Pinſelſtriche Deines Beifalls erfreuen, ſo male ich Dir gern ein ausgeführteres Genrebild aus dem Leben

Uovellen-Zeitung.

der modernen Helden des Muſterkoffers.

Gedicht von Karl Stelter.

Einem Künſtler.

Laß den Strom der großen Welt Unaufhaltſam wandern,

Was der ganzen Welt gefällt, Laß, o laß es Andern.

Laß dem Strom die weite Bahn, Eilt er doch zum Meere,

Nach des Schickſals weiſem Plan Treibt er in die Leere.

Stehe feſt und wanke nicht, Laß ſie, laß ſie eilen Wer an Geiſteskränzen flicht,

Darf am Ufer weilen.

Wenn ſie Alle längſt dahin, Stehſt Du eine Eiche, Stehſt mit ſtolzem, hohem Sinn In dem eignen Reiche.

Rauſcht, ihr Wellen, immerfort, 1

Rauſcht zum kalten Norden, Blühend ſteht der ew'ge Hort An des Stromes Borden.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

*

Die Armen und Elenden. Von Victor Hugo, deutſch von A. Diezmann. Leipzig, E. F. Steinacker. 1862.

Die Bildhauer des Alterthums hatten es weit darin gebracht, Statuen von übernatürlicher Größe ſo zu arbei⸗ ten, daß ſie nicht nur, in angemeſſener Entfernung betrach⸗ tet, ungemein proportionirt ausſahen, ſondern in Wahrheit durch die ſchönſte Harmonie der Verhältuiſſe entzückten. Ebenſo haben es verſchiedene Maler erreicht, in gewalti⸗ gen figurenreichen Gemälden den ſtrengſten Anforderungen der Kunſt gerecht zu werden. Dieſe Fertigkeiten erhielten ſich in beiden Künſten bis auf die neueſte Zeit, wenn auch in der erſteren die antike viel häufiger Merkwürdiges gelei⸗ ſtet hat und an Umfang ihrer Erzdenkmale nie wieder er⸗ reicht worden iſt. Die viel angeſtaunte gigantiſche Bavaria mit ihrem'Löwen würde gegen den Koloß zu Rhodos nur ein Kind mit einem Bologneſer Hündchen geweſen ſein. Und doch war, allen Nachrichten zufolge, jene rhodiſer Erz⸗

Malerei auf die Simplicität der Plaſtik erbaut war undſ zu ſagen ein Hautrelief in Farben gab, welches nicht ſo viel Perſpective zu haben pflegte, als eine ſolche in der Sculptur zur Geltung kam. 4 In der Architektur hatte bekanntlich die antike Zeit

Schönheit zu bilden und die Proportionen richtig zu über⸗ ſehen.

In keiner Kunſt haben ſich aber Schöpfungen von mächtiger räumlicher Ausdehnung ſo geſteigert, als in der Poeſie, beſonders in der Gattung des Romans. Der alte Roman in gebundener Form war in antiker Zeit das Exos, zwar ſehr figurenreich, aber faſt nie über die Länge eines Bandes hinausgehend.

Später hat man dieſe Länge bis zu drei, fünf, ja zehn Bänden ausgedehnt, wie wir ein ſolches Beiſpiel hier vor

uns haben. Ob dieſe Abnormität der wahren Kunſt zum Vortheil

ſtatue ein Muſter des Ebenmaßes. In der Malerei über⸗ traf in dieſer Beziehung die mittelalterliche Periode die der Griechen und Römer bei weitem, da das Weſen der alten

oder Nachtheil gereicht hat, iſt eine Frage, die ſich für den gebildeten Leſer beinahe ganz von ſelbſt beantwortet. Eine faſt endloſe Summe von Verwickelungen und

die größte Fähigkeit, das Grandioſe nach den Regeln der

das kleil und führ eige

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