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Entwickelungen muß naturgemäß den Eindruck der Ver⸗ wirrung machen, und es iſt unmöglich, bei ſo vielen Per⸗ ſonen jene ausführliche Richtigkeit in der Zeichnung auf⸗ recht zu erhalten, welche in der Charakterſchilderung einen nothwendigen Hauptbeſtandtheil eines guten Romaus aus⸗ macht. Eben ſo unthunlich würde es für den Leſer ſein, jene Maſſe von Perſonen wirklich aufzufaſſen und im Ge⸗ dächtniß zu erhalten, wenn es auch dem Dichter gelungen ſein könnte, ſie in Linien und Farben trefflich darzuſtellen. Der Ueberblick und die Conception des Menſchengeiſtes ſind beſchränkt, und es iſt ein gutes erläuterndes Beiſpiel hierfür, daß ein nicht beſonderes geübtes Auge, ohne ſpe⸗ ciell zu zählen, momentan nicht mehr als fünf Gegenſtände ihrer Zahl nach begreifen kaun. Eine ähnliche Begrenzung findet im Geiſtigen ſtatt.
Die Natur der Dichter fühlt die Schwierigkeit, mit welcher ſie zu kämpfen hat; ſie ſtrebt unbewußt nach Ver⸗ einfachung, und da ihr eine ſolche bei einer vorſätzlich über⸗ reichen und übergroßen Compoſition nicht erlaubt iſt, ſo ſucht ſie durch Gliederung ſich den gewaltigen Stoff ein⸗ zutheilen.
So zerfallen denn ganz von ſelbſt die meiſten der brei⸗ ten Monſterromane in einzelne Epiſoden, man könnte eben ſo gut ſagen, die Gruppen ihrer Compoſition löſen ſich in Novellen auf, die nach einer beſtimmten Richtung hin ge⸗ genſeitig in einander greifen und, ohne ein plaſtiſches Ganze zu bilden, doch eine Geſammtidee verfolgen.
Das Gewöhnlichſte, aber wahrlich nicht das Geringſte, das dabei den Schriftſtellern begegnet, iſt in der Regel die kleine Fatalität, daß ihnen über die vielen Nebenepiſoden und Nebenfiguren, in die ſie ſich bei der techniſchen Aus⸗ führung hineinarbeiten, die anfängliche Bedeutung ihres eigentlichen Haupthelden abhanden kommt,— ganz entge⸗ genſtehend ihrer eigentlichen Expoſition. Entweder werden ſie dann genöthigt, ihn ſich im Sande der Alltäglichkeit verbluten zu laſſen, gleich dem ſtolzen Rheinſtrom, der ſchließlich auf eine ſehr demüthige Weiſe ins Meer ſickert, odex ſie müſſen durch unerwartete Dolchſtöße, plötzlich ſich öfftende Fallthüren oder ſchauderhafte Giftkräuter gewalt⸗ ſam ein halbes Dutzend ſolcher unliebſam herangewachſe⸗ ner Nebenperſonen umbringen, die dem Haupthelden am Leben des allgemeinen Intereſſes zehren. Dieſes Schau⸗ ſpiel genießt man nicht ſelten, und der Leſer fühlt ſich da⸗ durch mit dem Poeten von einem Theile ſeiner Laſt ange⸗ nehm befreit, denn eine Laſt iſt es in der That, ſeine Her⸗ zenstheilnahme auf ſo verſchiedene Punkte vertheilen zu müſſen.
Ich habe noch nie gehört, daß das Labyrinth zugleich auch ein ſchönes Gebäude geweſen wäre. So kann deun auch bei einem literariſchen Labyrinthe, bei einem Rieſen⸗ romane ſelbſtverſtändlich von ſchöner Steigerung, von Pe⸗ ripetie, von Harmonie im Colorit nicht viel die Rede ſein, und mau muß ſich befriedigt fühlen, wenn der Verfaſſer durch Einzelwirkungen für die fehlende Macht einheitlicher Totalität entſchädigt. Der Leſer wird vorzüglich auf die geiſtige Tendenz eines ſolchen Werkes Gewicht legen müſ⸗ ſen, ohne ſich darüber zu alteriren, daß ihm die verſchiede⸗ nen Haupttheile deſſelben nicht lieber als verſchiedene Ganz⸗ heiten vorgelegt ſind, für deren individuelle Vollendung doch eine Möglichkeit vorlag.
Dritte Folge.
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Mit ſolchen gemäßigten Anforderungen hat man jeden Monſterroman zu betrachten, wenn man dem Autor nicht Unrecht thun oder ſich ſelbſt um jeden Genuß bringen will. „Die Geheimniſſe von Paris“,„die Ritter vom Geiſt“ — was man zuſammen nennt, braucht deßhalb nicht mit einander verglichen zu werden,—„der Zauberer von Rom“ gewinnen nur durch jene Auffaſſung ihre Berech⸗ tigung.
Auch„die Armen und Elenden“ Victor Hugo's ge⸗ hören zu dieſem Genre und theilen die Schwächen, welche ihm eigen ſind. Von den Vorzügen dieſer umfangreichen Romangattung kann ich nicht ſprechen, da mir jene Vor⸗ züge unbekannt ſind, deun das Gute, was man in einem Werke von vierhundert Motiven leiſten kann, vermag man beſſer in mehreren einzelnen Compoſitionen durchzuführen. Eins aber vermag man in ihnen nicht ſo gut: durch über⸗ reiches ſtoffliches Intereſſe die Phantaſie des Leſers gefan⸗ gen zu nehmen und ſein Endurtheil ſo lange zu verzögern, bis er ſelbſt keine Luſt mehr hat, es zu fällen. Die Auf⸗ merkſamkeit des Publicums wird bis zur Ermattung in Beſchlag genommen.
Das klingt Alles ſehr einſchränkend, faſt abweiſend. Und dennoch wird Victor Hugo's Roman ein Reſultat erringen, welches eine große Ausnahme von der für dieſe vielbändigen Werke geltenden Regel macht, es werden ihn nämlich viele Leſer von gründlicher Bildung in ihrem Leben zweimal leſen, wenigſtens einzelne Abtheilungen davon, und das iſt gewiß eine ungewöhnliche Errungenſchaft.
Und hat dieſes Werk nicht die uns Deutſchen ſo unan⸗ genehmen üblichen Fehler des modernen franzöſiſchen Ro⸗ mans? Gewiß, es wird zum Theil ganz beſchattet davon. Es iſt nicht mehr nöthig, noch eine Lanze gegen jene be⸗ kannten Fehler und Mängel zu brechen; ohne Verwunde⸗ rung wird man daher auch bei dieſem Opus Victor Hu⸗ go's ein oft übertriebenes grelles Colorit, forcirte Span⸗ nungen, abenteuerliche Wendungen, nicht ſittenſtrenge Ge⸗ wiſſenhaftigkeit in der Motivirung und ein bekanntes Ha⸗ ſchen nach Effecten finden. Das Herz des Zuſchauers wird gelegentlich da gefoltert, wo ſich bei ihm eine ſchwache Seite vermuthen läßt. Der Verfaſſer ſchweift nach Belie⸗ ben ab und übertreibt, was er in den beiden erſten Bänden nicht thut, durch das Aufſuchen ſchauerlicher Situationen.
Eine vorzügliche, conſequent verfolgte Tendenz aber iſt es, welche bei dieſem Roman jene Schwächen bewunde⸗ rungswürdig überträgt.
Es iſt die Abſicht des Verfaſſers, durch eine feſſelnde, gemütherſchütternde Erzählung, die in alle Verhältniſſe des Lebens tief eingreift, zu beweiſen, wie nöthig es ſei, dem Volke zu einer ſittlichen und intelligenten Bildung mit allen Kräften des Staates Gelegenheit zu verſchaffen und da als öffentlicher Pädagog und Vormund einzutreten, wo der Jugend ein natürlicher Schutz fehlt. Das Werk entrollt die traurigen Reſultate der modernen Cultur⸗ und Social⸗ geſchichte, welche vorzugsweiſe für die höheren Stände Lichtpunkte zu verzeichnen hat und die große Maſſe in einer unerfreulichen Dämmerung findet.
Die Erzählung brandmarkt die Unterdrückung des vier⸗ ten, in ſeiner ſtofflichen Kraft die Welt zuſammenhaltenden Standes, eine Unterdrückung, die nicht immer im Buchſta⸗ ben des Geſetzes, ſondern oft nur in der herkömmlichen


