Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
806
Einzelbild herunterladen

Er legte an, zielte, drückte los, und der Vogel ſtürzte mitten unter ſie.

Bravo, bravo, ein Meiſterſchuß! riefen Alle;das Uebrige wird ſich wohl finden; dem fehlt's nicht an Muth und Geſchick.

Aber Heinrich, mit einer Miſchung von Freude und Zorn, ſprach:Junge, welche Serge machſt Du mir und Deinen Eltern! Was ſagte denn die Mutter und die gute Schweſter?

Nun, erwiderte Fritz,denen bin ich weislich aus dem Wege gegangen; die hätten mir beide Aermel ausge⸗ riſſen. Sie hatten ſchon Sorge genug um Dich.

Heinrich machte ihm Vorwürfe, aber die Cameraden ſuchten ihn zu beruhigen.Laß geſchehen, ſprachen ſie, was einmal nicht zu ändern iſt. Wir werden ihn unter unſere Flügel nehmen. Aber er muß Rock und Mütze wie wir Jäger haben. Laß ihn mit in's Hauptquartier ziehen, da wird ſich eine Montur für ihn finden.

Fritz jubelte, während Heinrich bedenklich ſich die Stirne rieb. Aber der Reiter ſprach:Komm, folge mir ins Hauptquartier; morgen wird ſich das heiße Blut wohl abkühlen.

Fritz reichte treuherzig Allen die Hand zum Abſchied und drückte dann Heinrich mit heißen Küſſen an ſeine Bruſt. Schweigend folgte er dem Reiter.

Die Verſammelten blickten dem ſchlanken, blühenden Jüngling mit Wohlgefallen nach und ſprachen noch Vieles zu ſeinem Lobe; Heinrich aber erzählte den Cameraden von den trefflichen Geſinnungen der ihm ſo theuren Förſter⸗ familie, von ihren deutſchen Herzen und ihrem hohen Patrio⸗ tismus, aber auch von der ſchweren Sorge, die er um die Guten habe, deren friedliche Wohnung jetzt mitten in das Kriegsgetümmel gerückt ſei. Schon müſſe die äußerſte Gefahr ſie bedrohen, da ſie den jugendlichen Sohn hätten können fortgehen laſſen, was geſtern noch unmöglich ge⸗ weſen ſei.

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

Jene beruhigten ihn und verſprachen, beim Vorrücken Alles zum Schutz des Hauſes und der Familie aufzu⸗ bieten. Hoffentlich werde man ſehr bald die anrückenden Feinde zurückſchlagen, wo nicht ganz vernichten.

Die freundliche Theilnahme der Cameraden belebte unſern Freund wieder mit friſchen Hoffnungen; und ſie ſaßen noch lange beiſammen im trauten Geſpräch und theilten ihren Muth, ihre patriotiſchen Geſinnungen und ihre Hoffnungen ſich wechſelſeitig mit; da kam die Ordre zum ſofortigen Aufbruch.

Das ganze Corps Tettenborn's hatte ſich ſchnell in Bewegung geſetzt; dieſe leichten Truppen ſollten den Wald der Göhrde beſetzen und den Feind genau beobachten, auch⸗ ſeine Vorpoſten zurückwerfen. Am frühen Morgen wollte General Walmoden mit dem Hauptcorps folgen. Die buſchreiche Gegend ſollte die Märſche und Truppenzahl möglichſt decken, und dann am folgenden Morgen der weitere Angriffsplan mitgetheilt werden.

Heinrich näherte ſich alſo wieder ſeiner trauten Hei⸗ math, aber unter dem Getöſe der Waffen und mit bangem, erwartungsvollem Herzen.

V. Die Avantgarde Tettenborn's, bei welcher unſer jun⸗

ger Freund ſich befand, hatte Ordre, auf der Straße von M Blick

' Schw

Uelzen vorzurücken. Er mußte alſo die Göhrde und das theure Förſterhaus im Rücken laſſen. Krampfhaft hielt er die Büchſe im Arme; unabläſſig blickte er nach jenen Eichen und Buchen hinüber und fuhr zuſammen, wenn er Büchſenſchüſſe im Walde hörte, durch welchen ſich die leich⸗ ten Truppen der Franzoſen verbreitet und ihn beſetzt hatten; aber er mußte bei ſeiner Abtheilung bleiben und den Schutz ſeinex Lieben Gott und den tapfern Cameraden anheimgeben.

Im Forſthauſe herrſchte Noth und Verwirrung am Nachmittage jenes bewegten Tages vor der Schlacht. Die

worteten die Punanen mit einem Flug von Sumpits(vergifteten Pfeilen), deren einer mich an die Hand traf. Ich zog ihn mit meinen Zähnen heraus, von welchen mir damals noch einige ge⸗ blieben waren, und verband die Wunde. Das Zaubermittel, das ich beſaß, verhinderte, daß ſie eine ſchlimme Wirkung hatte. Als meine Verwandten ſahen, daß ich verwundet war, ſagten ſie:O Vater, Du würdeſt beſſer thun, wenn Du Dich zurückzögeſt.

Ich aber antwortete:Nein, ich ſuchte den Kampf heute nicht; ich werde mich nicht zurückziehen. Ich verſuchte ein neues Gewehr abzuſchießen, das ich gekauft hatte, allein das Werkzeug (verwünſcht ſei es und derjenige, der es an mich verkauft) wollte nicht losgehen.

Die Punanen, fürchtend, wir möchten Feuer anlegen, kamen nun allgemach aus ihrem Haus herab, um auf freiem Feld zu kämpfen. Es waren ihrer 35, wir unſer 75; allein die Sonne war ſo tief hinabgegangen, wie ſie jetzt dort ſteht(er deutete, als er dieſe Worte ſprach, an den Himmel; es war 4 Uhr Abends), ehe das Gefecht vorüber war. Wir tödteten ſie Alle; ſie kämpften wie tapfere Männer; nicht Einer verſuchte davonzulaufen. Dann gingen wir zu den Häuſern hinauf und bemächtigten uns der Weiber und Kinder. Wir nahmen 55 gefangen. Wenn wir ein Weib fingen, war es, als ob wir eine Henne gefangen hätten: alle ihre Kinder ſchaarten ſich wie Küchlein um ſie. Wenn wir ein Kind ergriffen, lief die Mutter unmittelbar auf daſſelbe zu. Wir machten uns in dem Haus eine luſtige Nacht, und brachen am nächſten Tage nach Bintulu auf. Einige der Gefangenen ſchrieen, andere blieben ganz ſtill. Auf meinen Antheil kamen zwei, welche ich an einen Bruneimann um dreißig ſpaniſche Thaler verkaufte. Bei dieſer Gelegenheit wurden zehn von unſerer Ab⸗

theilung getödtet, und nahezu jeder verwundet, was alles verur⸗ ſacht wurde durch die Vernachläſſigung der Warnung, welche die Vorbedeutungsvögel gaben; allein unſere jungen Männer waren allzu kampfluſtig. Wir bekamen 35 Köpfe. Hätten ſie meinem Rathe gefolgt, ſo würden wir ſie unvorbereitet überfallen haben; allein man hörte nicht auf mich. 8.

Zur Culturgeſchichte.

Der gebrauch falſcher Haare.

Dieſe immer nothwendiger werdende Sitte ſtammt aus den älteſten Zeiten und iſt wohl in jeder erdenklichen Weiſe zu den verſchiedenſten Zwecken ausgebeutet worden. Um die Zeit von Chriſti Geburt herrſchte bei den Römern die Meinung, gewiſſe Menſchen wären ſchon durch ihr Geſtirn vorher beſtimmt, Perrü⸗ cken zu tragen, und der Dichter Manilius gibt an, daß diejenigen, welche im Zeichen des Stiers und unter dem Einfluß des Sieben⸗ geſtirnes geboren werden, verdammt ſind, locker zu leben und falſche Haare zu tragen; er behauptet ferner, daß dieſe Perſonen in Liebesaffairen ſehr indiscret ſeien, und warnt daher alle Da⸗ men vor ihnen.. 9

Johann Pacchielli würdigte 1690 die Geſchichte der Perrl⸗ cken eines beſondern Studiums und fertigte eine Fuuſtihe Ab⸗ handlung über die Rechtsverhältniſſe in Bezug auf dieſe Kopfbe⸗

kleidung, in welcher er ganz ernſthaft ſagte, die Perrücken git. nen Hut

die Privilegien der Hüte. Wenn ein Schuldner nur ei habe, könne man ihm dieſen nicht nehmen; ebenſo dürfe der Gläl

Ne.

franz lärme Wohr ab un llagte ötreie und h

die H

b hat; d

8 ſind ge Muth 78 die äng wie Fr geſt.

fehlen Geda

T

im H treten

Förſte des V

L lleines

einem Macher