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und habe für ganz gewiß erfahren, daß unſere Landsleute bei Dömitz über die Elbe gehen.“
„Nun,“ ſprach der Förſter,„da haben wir ja plötzlich Nachricht von Freund und Feind, das wird ein ſchönes Rendezpous geben!“
Die Verwirrung und Unruhe war nun noch größer; Vermuthungen, Hoffnungen und Befürchtungen wechſelten im Kreiſe; aber man konnte ſich dieſe plötzlichen Ereigniſſe nicht erklären und vermuthete nur, daß etwas Außeror⸗ dentliches im Werke ſei.
„Eins iſt gewiß,“ ſprach Heinrich,„mich ruft die Pflicht ſofort zu meinem Corps.“
Louiſe bebte zuſammen bei dieſen Worten und ſchloß mit einem tiefen Seufzer den Geliebten an die Bruſt. Der Kampf in ihrem Innern ließ ſie nicht zu Worten kommen.
Es war ein trüber Abſchiedsabend, den die Familie zuſammen zubrachte.(Fortſetzung folgt.)
Aus dem Leben der Muſterherolde.
Von Fr. Adolph.
S. Warrens ſpricht in der Einleitung zu ſeinen„Me⸗ moiren eines Arztes“ ſein Erſtaunen aus, daß die Erleb⸗ niſſe und Erfahrungen, welche ein Arzt in ſo reichem Maße an dem Krankenbette aller Stände zu ſammeln berufen ſei, ſo ſelten von dieſem ſelbſt in literariſcher Form dem Publicum mitgetheilt würden, und führt dann
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
in ſeinem bekannt gewordenen Buche den Leſer in das Krankenzimmer der verſchämten Armuth, ſowie an das luxuriöſe Lager verlebter Wüſtlinge, wo er ihn tiefe Blicke in den durch Schmerz, Leiden oder Todesangſt enthüllten Charakter des Menſchen thun läßt.
Mrögeu nun auch Schilderungen aus dem Gebiete des V geſchäftlichen Reiſens gerade des Belehrenden nicht allzu⸗ viel bieten, ſo glaube ich doch, daß der unaufhörliche Sce⸗ neuwechſel dieſes Lebens mit den dadurch bedingten Eigen⸗ thümlichkeiten des Reiſenden Stoff genug liefert, um eine kurze Darſtellung, wenn ſonſt nur wahrheitsgetreu, nicht unintereſſant erſcheinen zu laſſen. Das Wenige, welches bis jetzt in dieſem Genre erſchienen, leidet an ſo bedeuten⸗ der Uebertreibung, iſt ſo ſehr aus dem oberflächlichen Schaum des Reiſelebens geſchöpft, daß ich verſuchen werde, den freundlichen Leſer in folgender Skizze einen Blick in das Treiben der Helden des Muſterkoffers werfen zu laſſen; iſt der Blick auch nur ein flüchtiger, ſo trifft er doch ein getreues Bild.
Was mir Muth dazu gibkt, iſt, daß ich ſelbſt ein ſolcher Held ſeit längeren Jahren geweſen zu ſein mir ſchmeicheln darf. Darum friſch von der Leber weg; ſagt doch Goethe ſchon: ic Greif nur hinein in's volle Menſchenleben,
Wo Du es faßt, da iſt es int reſſant; und da man am beſten mit dem Aufange beginnt, ſo will auch ich vom Anfang meiner Reiſecarrière munter darauf los erzählen.
Das iſt nun freilich ſchon lange her; das Zeitalter des Dampfes begann erſt zu tagen, Eiſenbahnen, welche dem geſchäftlichen Reiſen den letzten poetiſchen Reiz geraubt, gab es im heiligen römiſchen Reiche nur wenige, man fuhr meiſtens mit eigenem Geſchirr; unter den Reiſenden ſelbſt herrſchte noch ein beſonderer Corpsgeiſt, und wollte ein „Friſchbackener“ ſich aller Vortheile der Gemeinſchaft theilhaftig, ihrer Geſellſchaft würdig und ebenbürtig
das durch zufällig ſchlechtes Kochen entſtanden iſt, ſondern abſicht⸗ lich dazu gethanes Fett. Ein Beeſſteak iſt kein wirkliches Beefſteak, wenn nicht ein Pfund Butter daran gethan iſt. Die gräßlichen kleinen Teller! Wenn man ſie ſieht, degreift man nicht, wie ſie haben gefertigt werden können, um Eſſen für Chriſtenmenſchen zu enthalten. Jeder Artikel auf dem langen Speiſezettel kann von jeder beliebigen Anzahl von Gäſten in einer Zeit von vier Stun⸗ den verlangt werden. Wie kann das Eſſen unter ſolchen Umſtänden wohlſchmeckend, ja nur genießbar ſein? Der Schöpſenbraten wird noch roh aufgetragen, und wenn man dagegen proteſtirt, erhält man Fleiſch, das ſchon viermal vor dem Publicum erſchienen iſt. 9.
Zur Culturgeſchichte. Der Chevalier de Lautrec.
Unter den Stammgäſten des ſeinerzeit weltbekannt geweſenen Café de Valois im Palais Royal hatte ſich der Chevalier de Lau⸗ trec durch ſeine vornehmen Manieren, ſein imponirendes Ausſehn und ein hölzernes Bein von jeher bemerkbar gemacht. Er gehörte der jüngeren Linie ſeiner Familie an, war Malteſer und mit dem Orden des heiligen Ludwig geſchmückt; früher hatte er als Briga⸗ dier Kriegsdienſte geleiſtet.
Beinahe 60 Jahr alt, führte er eine beſcheidene, aber anſtän⸗ dige Lebensweiſe, zu deren Beſtreitung ſeine Penſion ausreichte. Der jüngern Linie ſeiner Familie angehörend, kannte er die Mit⸗ glieder des ältern Zweiges nur ſehr wenig, beſuchte keine großen Cirkel und begnügte ſich mit einer Promenade in den Galerien
des Palais Royal und mit dem Café Valois; er beſaß eine reiche Geiſtesbildung und war ein ungemein eifriger Zeitungsleſer. Plötzlich wurde er ſeiner Penſion verluſtig, und Niemand hat in Erfahrung gebracht, wovon der Chevalier in einer Zeit ſeine Bedürfniſſe deſtritt, in der der Tod leicht, das Leben aber müh⸗ ſam war. Folgender Zug dürfte jedoch geeignet ſein, wenigſtens Licht in dieſes Dunkel zu bringen. t Eines Morgens, nachdem er im Café Valois wie gewöhnlich ein ſehr mäßiges Gabelfrühſtück zu ſich genommen hatte, ſtand er von ſeinem Platze auf, plauderke ganz unbefangen mit der am Zahltiſche ſitzenden Caſſirerin, nickte dem Beſitzer des Etabliſſe⸗ ments freundlich zu und entfernte ſich majeſtätiſchen Schrittes, ohne auch nur mit einem Worte nach der Rechnung zu fragen. Derſelbe Vorgang wiederholte ſich nun Tag um Tag, Monat und Monat, Jahr um Jahr, ohne daß er eine Erklärung gegeben hätte, oder daß ihm eine abverlangt worden wäre. 4 Wenige Tage jedoch, nachdem das Frühſtück zum erſten Male unbezahlt geblieben war, ſagte der Chevalier nachläſſigen Tones zu dem Beſitzer des Café de Valois, indem er auf deſſen Söhnchen zeigte: dc ſh lichem bri iſt, zu nichts Sonderlichem bringen. 1 dſ den 1 bis 4 Uhr Nachmittags zu mir ſchicken; ich werde ihm Elementarmathematik und Engliſch lehren, welche Sprache ich ſehr geläufig ſpreche; ihm können dieſe Kenntniſſe einmal bei der Führung dieſes Etabliſſements ſehr zu Statten kommen, und mich, der ich gar nichts zu thun habe, mich wird das Unterrichten zer⸗ ſtreuen.“
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Bürſchchen da wird es, ſeitdem ſeine Schule geſchloſſen ſo 1 Sie ſollten ihn täglich
Herr Chevalier ſind allzu gütig; was Sie uns hier
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