Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
780
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Nicolas Fragonard aber lachte herzlich, als er erfuhr, was in dem neuen Hotel Guimard vorgegangen war, und ſagte zu ſeinen Freunden, die ihm gelinde Vorwürfe machten:

Was weiter? es war die Rache eines Künſtlers.

Gedichte von Friedrich Dannemann.

Bas Schachturnier.

Vor dem Schachbret Kaiſer Otto Sitzt verloren in Gedanken, Pfalzgraf Eggo gegenüber,

Keck ihn fordernd in die Schranken.

Nach dem Kampf erſt ſoll der Sieger Seinem Gegner laut erklären, Was der Preis des Schachturnieres, Den der Andre muß gewähren.

Wären's Länder auch und Schlöſſer,

Wär's des Grafen ſtolze Veſte,

Der Beſiegte muß dem Sieger 4 Laſſen ſelbſt das Liebſte, Beſte.

Frau'n und Ritter ſeines Hofes Hat des Kaiſers Huld in Gnaden, V Dieſem Zweikampf beizuwohnen, Still frohlockend, eingeladen.

Uovellen-Zeitung.

Siegt' ich ſtets im Schlachtgewühle, Wo die Schwerter klirrend fliegen, Will ich im Gedankenkampfe, Denkt er,um ſo leichter ſiegen!

Selbſt der Hof iſt nicht im Zweifel, Wer von beiden Siegern weiſer, Seiner Meinung nach bekundet Größre Meiſterſchaft der Kaiſer.

Und die Frauen, leiſe flüſternd, Juſt in Neubegier entbrennen, Welchen Preis der hohe Sieger Seinem Gegner werde nennen.

Um des Kaiſers junge Schweſter Jene ſich erwartend ſchaaren, Ob ein Wort von ihrem Munde Mög' das Räthſel offenbaren.

Doch verſunken in Gedanken Blickt Mathilde vor ſich nieder Und die dunkle Gluth der Augen Bergen ſtumm die feuchten Lider.

Marmorblaß, die ſchönen Züge Scheinen kalt und ohne Leben, Nur zuweilen ſeußßt ſie leiſe, Und die kleinen Hände beben.

Nur zuweilen nach den Spielern Blickt verſtohlen ſie hinüber,

Und es ſtrömt der Wangen Bläſſe Dann in Purpurröthe über.

Naturbilder aus dem Inſectenleben. Von J. Chr. L. Neukirch. Leipzig, Bernhard Schlicke. Bei den vielen über populäre Naturkunde erſcheinenden illu⸗ ſtrirten Werken ſind ſolche beſonders erfreulich, welche ſich durch genau nach der Wirklichkeit gearbeitete Abbildungen auszeichnen und von den darzuſtellenden Gegenſtänden dem Beſchauer nicht nur eine maleriſch intereſſante, ſondern vielmehr eine deutliche Vorſtellung verſchaffen.

Dieſe ſeltenen Eigenſchaften finden bei dem vorſtehenden, ſehr elegant ausgeſtatteten Büchelchen ſtatt. Verbunden mit dem ent⸗ ſprechenden Text werden ſie ihm eine weite Verbreitung ſichern. Es iſt nämlich für den Text eine pädagogiſch erzählende, aber für dieſe Form keineswegs trockene Einkleidung gewählt, ſo daß ge⸗ wiſſermaßen an dem rothen Faden kindlicher Vergnügungen und ländlicher Unterhaltungen die einzelnen Naturgegenſtände aufge⸗ reiht ſind und ſo in unbefangener Weiſe, halb ſpielend, aber doch in lehrreichem Ernſt durch die Hand der Jugend gehn.

Mit Recht ſind dabei die einheimiſchen Erſcheinungen der Inſectenwelt beſonders berückſichtigt, und in der That bieten ſie eine der intereſſanteſten Materien in der Naturgeſchichte des Thierreichs dar.

Nach dieſem kleinen Werkchen möge daher derjenige greifen, dem daran liegt, daß ſeinen Kindern in einfacher Form auf ſo manche wichtige Frage aus der realen Welt eine faßliche, ſich an⸗ genehm einprägende Antwort ertheilt werde. O. B.

Allerlei Rauh. Von Julius Mühlfeld.

Leipzig, Heinrich Hübner. 1862. 15

Dies iſt gewiß für ein paar Bändchen Unterhaltungslectüre ein Titel, der zwiſchen dem Unerwarteten und dem Sinnigen die rechte Mitte hält. Der bereits vielfach bekannte Verfaſſer präſentirt den Leſern unter jener neuen Benennung kleine Erzählungen, welche ſich zum Theil an reale Erinnerungen anlehnen. Oft hat er darin auch den Ton der Reiſenovelle, eine Rubrik, die ſich allmählich in unſerer Literatur ſelbſt gebildet, recht wohl ge⸗ troffen, wie z. B. in der kurzen Blüette:Eine Rügenreiſe. Im Ganzen ſind es ſechs Erzählungen, die in leichter Weiſe unterhal⸗ tend dargeſtellt zwei Bändchen füllen. Auch ſtrebte der Verfaſſer manche Beſpiegelungen unſerer Zeit an. Ein Verleger, Herr Wichtig, ſagt z. B. zu einer jungen Dame, die ihm einen Roman verkaufen will:Ihr Buch können wir ſo nicht drucken, denn es fehlen die pikanten Wendungen, die bei den franzöſiſchen Romanen ſo ſehr ziehen. Nehmen Sie das Manuſcript noch einmal mit, und hier, nehmen Sie auch den ewigen Juden und den Grafen von Monte Chriſto mit ſich, mein Fräulein. Leſen Sie dieſe Bücher und ſtreuen Sie, was Sie dabei profitiren, in Ihren Roman ein, damit er druckfähig wird und ſobald Sie ihn mir wiederbrin⸗ gen, zahle ich Ihnen 50 Thaler!

Es iſt leider aus dem Leben gegriffen; laßt Euch alſo dieſe Worte des Herrn Wichtig geſagt ſein, Ihr 5000 jungen noch unbekannten Romanſchriftſteller Deutſchlands, wenn Ihr gleich⸗ falls jene 50 Thaler verdienen wollt! O. B.

V der ſich Gaune auch de Sie la 6 ſim ſe ſch da duen grade pleis!