778 daß er es umſonſt gemalt hatte, und als er einige Wochen ſpäter gar erfuhr, die Tänzerin habe einen jungen und namenloſen Maler beauftragt, das noch nicht vollendete Werk zu Ende zu führen, ſprach der Künſtlerſtolz in ihm ſo laut, daß er Tag und Nacht keine Ruhe vor ſeinen Mahnungen hatte.
Ein Anderer ſollte alſo ſeinen ſchönen und ſo genial entworfenen Plan verpinſeln, der Ruhm, der ihm nur allein zufiel, ſollte zur Hälfte wenigſtens auf einen Schüler übergehen, und dieſe gehaßte oder von ihm verachtete Frau endlich ſollte in ihrem Portrait vielleicht noch mehr bewun⸗ dert werden als in der Wirklichkeit? Solche Gedanken ſchnitten dem Meiſter tief in das Herz und ſtörten ſeine Nachtruhe, wie ſie am Tage inmitten der reizendſten Ver⸗ gnügungen Falten auf ſeiner Stiru hervorzauberten.
Inzwiſchen malte ſein junger College rüſtig weiter, und zum Ueberfluß mediſirte man in der guten Stadt Paris noch darüber, daß die ſchöne Guimard ihren neuen Apelles ebenſo begünſtige wie den jungen Herrn Herzog ven Rohan, deſſen Schätze ſie allmählich in Verwahrung zu nehmen beſtrebt war. Und als nun eines Tages Fra⸗ gonard zufällig durch einen wohlunterrichteten Freund er⸗ fuhr, innerhalb dreier Tage werde die Guimard ein groß⸗ artiges Feſt zur Einweihung ihres neuen Hotels geben, deſſen Glanzpunkt ja natürlich die Fresken in dem großen Saale waren: da konnte er ſich nicht enthalten, mit den Zähnen zu knirſchen; war es doch nicht einmal unwahr⸗ ſcheinlich, vaß das lügneriſche Weib öffentlich ſeinen Ruhm einem Andern, dem neuen Maler, in die Schuhe ſchieben würde.
Dieſe ganzen drei Tage lang ging der Meiſter geſenk— ten Hauptes und ſo düſteren Geſichtes umher, daß ſeine Freunde ihn kaum wiederzuerkennen vermochten; er ſah beinahe aus, als ob er ſchon im Sterben läge. Am Nach⸗ mittage des dritten Tages aber— es war der vor dem Einweihungstage— richtete ſich ſein Haupt plötzlich wie⸗
Uoveilen-Zeitung.
[VIII. Jahrg. der auf, ſein Auge wurde wieder klar, und um ſeine Lip⸗ pen ſchwebte ein Lächeln, das den Sieg über ſeine Melan⸗ cholie verkündete und nebenbei etwas beſonders Schlaues und Muthwilliges an ſich hatte.
In der nun folgenden Nacht würde Jeder, der ihn ge⸗ ſehen hätte, Fragonard für einen Dieb gehalten haben, denn, ohne irgend Jemand in ſein Geheimniß eingeweiht zu haben, ſchlich er, wiederum in ſeinen theatraliſchen Mantel eingehüllt, nach dem Hauſe der Guimard. Bei ſich verſteckt trug er ſeine Palette und Pinſel, einen Dittrich und eine Blendlaterne. Armer Fragonard, wenn er der Polizeiwache in die Hände gefallen wäre!
Aber dies geſchah nicht. Er gelangte glücklich und ungeſehen auf der geheimen Treppe in den Saal der Gui⸗ mard, und als er eine halbe Stunde ſpäter wieder heraus⸗ kam, lachte er über das ganze Geſicht, kehrte in ſeine Woh⸗ nung zurück und ſchlief ſo gut und feſt, wie es ihm wenig⸗ ſteus in den zwei letzten Nächten nicht paſſirt war.
Am Abende des folgenden Tages drängten ſich die Caroſſen mit altadligen Wappen und die beſcheidenen bürgerlichen Fiacres in der Rue Dominique; Hunderte von Fackelträgern, damals das beſte Beleuchtungsmittel
gen dazwiſchen umher, und reich galonnirte Diener riſſen die Wagenſchlage auf, aus denen hochaufgeputzte Cavaliere und Damen ſtiegen, um in das Hotel der liebenswürdigen Tänzerin Guimard zu treten, die Damen gehörten aller⸗ dings der Demi-monde an, aber ſie trugen Diamanten wie die Prinzeſſinnen, und jede hatte ihren ſehr ergebenen Cavalier.
Beleuchtung aufnahmen, wie die Prinzeſſinnen aus, ſo glich die Guimard einer Königin; ſie hatte in ihrem Coſtüme eine ungemeine Pracht entfaltet und funkelte über und über von den Juwelen des jungen Herrn Herzogs ven Rohan.
in Leipzig. In dieſer Stelle verblieb er bis zu ſeinem Tode. Er ſtarb am 28. Juli 1750, im Alter von 66 Jahren.
Herkunft, Bildungsgang und Amt hatten Bach auf Kirche
und Schule gewieſen. Sein ſchaffenskräftiger Genius fühlte ſich durch dieſe Enge nicht beſchränkt; er fand in ihr ſeine eigenſte Heimath. Sebaſtian Bach kannte ſowohl die franzöſiſche wie die iralieniſche Muſik; namentlich gehörte der Venetianer Caldara zu ſeinen Lieblingen. Die Nähe Dresdens brachte die mannig⸗ fachſten Beziehungen zu Haſſe; beide Künſtler lebten in herzlichſter gegenſeitiger Anerkennung. Aber genährt von dem Geiſte der deutſchen Vorzeit, erfüllt von der Tiefe ſchlicht evangeliſcher Frömmigkeit und Glaubenseinfalt, iſt Bach durch dieſe fremden Einwirkungen nie einen Augenblick irre geworden in der Urſprüng⸗ lichkeit und Sicherbeit ſeines eigenen Weſens. Wenn Bach, wie Forkel in ſeinem verdienſtvollen Buche über Bach erzählt, zuweilen von ſeinen Ausflügen nach Dresden zu ſeinem Sohn Friedemann ſcherzend ſagte:„Friedemann, wollen wir nicht die ſchönen Dresdner Liederchen einmal wieder hören?“ ſo liegt in dieſem Scherz ein liebenswürdiges Gemiſch von ſelbſtbewußtem Stolz und milder Gutherzigkeit, welches ſeine Stellung zur deutſch⸗ita⸗ lieniſchen Schule treffend bezeichnet. An der Orgel hatte ſich Bach gebildet; die Orgel beſtimmte ſeine ganze Kunſtweiſe. Zu Gottes Ehre allein dachte er ſeine gewaltigen Töne; daher das Reine, tief Innige und zugleich das andächtig Feierliche, Markige und Feſte.
Bach's Phantaſie war ebenſo unerſchöpflich als großartig. Der gewaltige Schatz ſeiner Schöpfungen iſt auch jetzt nach mehr als bundert Jahren bei weitem noch nicht gehoben; aber bei jedem bisher unbekannten, neu auflebenden Weike wächſt und ſteigert
ſich auch das Erſtaunen über die Größe der Conception, der Ge⸗ ſinnung und des Styls, über die Hoheit, Gewalt, Friſche, Innig⸗ keit und Frömmigkeit der Gedanken, über die weder vor ihm noch nach ihm erreichte, geſchweige gar übertroffene Beherrſchung aller Kunſtformen, über die unnachahmlich kunſtvolle und doch immer nur den höchſten Zwecken dienende Polyphonie auf's Neue. Die Anerkennung von Bach's hoher Stellung in der Kunſt war auch bei ſeinen Zeitgenoſſen allgemein und unbezweifelt; und doch kannten dieſe nur den geringſten Theil ſeines Schaffens. Nur ſeine Orgel⸗ und Claviercompoſitionen waren damals durch den Druck ſchon weiter verbreitet. Die unzähligen Cantaten, Motetten und Paſſionsmuſiken ſchrieb Bach für die Leipziger Kir⸗ chen, wo ſie nur mit den beſcheidenen Geſangskräften ſeiner Tho⸗ masſchule und den damals gewiß nicht hervorragenden Leipziger Inſtrumentaliſten, und zwar nur, ſo lange er lebte, aufgeführt wurden. Erſt dem dritten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhun⸗ derts war es vorbehalten, den unſterblichen Rieſengeiſt in ſein volles Recht einzuſetzen. Seitdem aber hat die Erkenntniß deſſen, was er gethan, in einer in der Muſikgeſchichte unerhörten Weiſe zugenommen. Es gibt jetzt keinen echten und ernſten Muſiker mehr, der nicht Sebaſtian Bach für das vielleicht größte muſika⸗ liſche Genie aller Zeiten hielte. 9.
Literatur.
Gedichte von Adolf Glaſer. Braunſchweig, Georg Weſtermann. 1862.
Der Verfaſſer iſt der gebildeten Welt bereits als novelliſſti⸗
—
von Paris, das ſich alle Vornehmen ſelbſt hielten, ſpran⸗
Sahen ſie in den Salons, die ſie mit ihrer ſtrahlenden ſt
b
—
noch ganze Wink
fen:
voran⸗ gonan
1 Lakaie des h. des gc Keiden nabte an die fürchte ner F
T ſchon Leinn poſti einen gege nigin
alhr
über
Hau
häng Zun
heim


