geszeit, unbemerkt von allen Hausbewohnern, auf directem Wege aus dem Garten in den Saal gelangen konnte; mochte ihn nun Zufall oder Mißtrauen irgend welcher Art geleitet haben, er hatte dieſen Weg heute benutzt; viel⸗
leicht wollte er auch nur noch einmal ungeſtört ſeine
Schöpfung betrachten, die ihm aus doppeltem Grunde
werth war.
Das Schauſpiel, das ſich ihm ſo ganz unerwartet dar⸗ geſtellt hatte, war wohl geeignet, ſein feuriges Blut in die lebhafteſte Wallung zu verſetzen; die Indiscretion, ſeine Arbeit vor ihrer Vollendung einem Dritten zu zeigen, würde er der geliebten Frau wohl verziehen haben, zu ihren Füßen und offenbar von ihr begünſtigt aber einen jungen und vornehmen Mann zu finden, das mußte ihm doch unverzeihlich erſcheinen.
Er ſtand jetzt ſtolzen und ſtrengen Blickes vor der Guimard, als ſei er ihr ſtrafender Herr und Gebieter. Der junge Herzog war vom Boden aufgeſpruugen, begriff von dem Allen Nichts und ſpielte mit ſeinem Armleuchter in der Hand eine ziemlich traurige Rolle.
Wer weiß, wie lange dieſe peinliche ſtumme Scene ge⸗ dauert haben würde, wenn die Guimard, die ähnlichen Abenteuern vielleicht nicht mehr ganz fremd war, ſich nicht erholt und gefaßt hätte. Die Mimik ſpielte bei den Bal⸗ leten damaliger Zeit ſchon eine bedeutende Rolle, und Louiſon Guimard war ja Meiſterin im Ballet.
Sie nahm alſo eine ſehr ernſte und ſtrenge Miene an, richtete ſich wieder auf und warf auf Fragonard einen ihrer niederſchmetterndſten Blicke; ſo viel Hoheit aber auch in demſelben lag, verfehlte er doch ſeine Abſicht auf den Maler gänzlich, denn die Schuld der Schönen lag zu klar vor ſeinen Augen. Er begnügte ſich, einen wüthenden Seitenblick auf den Herzog, der ihm nicht perſönlich bekannt war, zu werfen.
Uovellen-Zeitung.
„Was wünſchen Sie um dieſe Stunde in meiner Wohnung, mein Herr?“ fragte die Tänzerin, wirklich
erbittert darüber, daß der Strahl aus ihren prächtigen ſchwarzen Augen nicht gezündet hatte.
Der Ton dieſer Frage reichte hin, dem Maler das heiße Blut noch wilder durch die Adern zu treiben; er fühlte, daß er dieſem jungen Laffen, der ſich wie ein Kind benahm, geopfert werden ſolle; das war zum Raſendwer⸗ den. Er wußte ſchon längſt, daß die Guimard in dem Rufe ſtehe, nur allzu galant zu ſein, aber ſo ſind die Män⸗ ner, wenu ein ſchönes Weib ihre Augen verblendet und ſich gewiſſermaßen in ihr Herz geſtohlen hat, dann umgeben ſie es mit einer Glorie, die dem Auge jedes unbefangenen Dritten höchſt lächerlich vorkommt. Fragonard hätte es machen ſollen wie Heinrich IV., der, als er bei ſeiner Ge⸗ liebten zu Abend ſpeiſte und merkte, ein Anderer ſtecke hinter der Fenſtergardine, dieſem einen Teller mit Confi⸗ türen zureichte und heiter lächelnd ſagte:„Man muß leben und leben laſſen,“— aber der Meiſter hatte nicht dieſe Geiſtesgegenwart; in ihm kochte die Wuth, wir kön⸗ nen getroſt ſagen, die Verzweiflung.
Er konnte keine Worte finden, der Frage der Tänzerin zu antwortenzerſtotterte einige unzuſammenhängende Worte, die allerdings keine Entſchuldigung, ſondern nur Vor⸗
wurf enthielten, ihrer Abgeriſſenheit wegen aber auch nicht
wirkſam ſein konnten, und dann wandte er ſich plötzlich mit dem rauhen Befehle an den jungen Herzog, den Saal zu verlaſſen.
Damit war das Eis der allgemeinen Erſtarrung ge⸗ brochen.
Der Herzog griff zum zweiten Male nach dem ihm fehlenden Degen und wurde ſehr kleinlaut, als er ihn ver⸗
mißte. Die Guimard, die ihren vornehmen Gaſt nicht be
leidigen laſſen und ihren reichen Anbeter nicht verlieren wollte, war jetzt entſchieden, Fragonard, den armen Teufel von Künſtler, lieber zu verabſchieden, und fuhr heftig auf.
Sie behauptete, daß ſie in ihrem Hauſe allein zu be—
[fehlen habe, und wies dem Meiſter geradezu die Thür.
hafteſte Gefühl. Das„A. S. B.“ gibt drei dieſer Schilderun⸗ gen, welche den Culturzuſtand in Japan bezeichnen helfen.
Zwei Edelleute, erzählt er, begegneten einander auf der Treppe des kaiſerlichen Palaſtes, und ihre Säbel ſtießen zufällig aneinander. Derjenige, welcher herabkam, ſah dies als eine Beleidigung an, ſo ſehr auch der Hinaufſteigende, welcher eine Schüſſel auf die Tafel des Kaiſers hinauftragen mußte, alles auf den Zufall ſchob; indeſſen ſetzte dieſer zuletzt hinzu:„Mein Säbel iſt wohl ſo gut wie der Ihrige.“
„Ich werde Ihnen,“ antwortete der Andere,„ſogleich den Unterſchied zwiſchen unſern Säbeln darthun,“ zog den Säbel und ſchlitzte ſich den Bauch auf. Stillſchweigend entfernte ſich der Gegner eiligſt, kehrte, nachdem er ſeinen Dienſt verrichtet, ſo ſchnell als möglich zu dem tödtlich Verwundeten zurück, freute ſich, ihn noch lebend, wenngleich mit dem Tode ringend, vorzufinden, und indem er ſich entſchuldigte, daß der Dienſt des Kaiſers ihn gezwungen habe, ſich zuvorkommen zu laſſen, bewies er ihm, daß ſein Säbel ebenſo viel werth ſei, ſchnitt ſich ebenfalls den Bauch auf und fiel todt zur Erde.—
Der Muth der Japaner zeigt ſich aber nicht bloß in wahn⸗ ſinnigen Zweikämpfen, ſondern er hat auch oft die edelſten Triebe zur Grundlage.
Eine Witwe, Mutter von drei Söhnen, lebte in großer Dürf⸗ tigkeit. Gerade in dieſer traurigen Lage ward ein Decret bekannt gemacht, das Jedem, der einen Dieb in die Hände der Regierung lieferte, eine anſehnliche Belohnung verhieß. Die Söhne der Witwe kamen ohne Wiſſen der Mutter miteinander dahin überein,
daß zum Erhalten der Mutter Einer von ihnen ſich als Miſſe⸗ thäter aufopfern, die beiden Andern aber die Rolle der Angeber
übernehmen ſollten; das Loos ſollte über die Rollen entſcheiden. Der Jüngſte, denn ihn traf das harte Schickſal, ward von ſeinen Brüdern zum Richter geführt. Der Beklagte geſtand ſofort ſein Verbrechen und ward in ein hartes Gefängniß geworfen, den An⸗ klägern bezahlte man dagegen die von der Regierung verſprochene Summe aus. Die Stimme der Natur aber erwachte laut bei den Brüdern. Durch Bitten und Beſtechung erhielten ſie die Erlaub⸗ niß, den vermeinten Miſſethäter beſuͤchen zu dürfen. Bei ſeinem Anblick ließen ſie, wie ſie glaubten, unbelauſcht, ihren Gefühlen und Thränen freien Lauf. Der Kerkermeiſter ſah indeſſen im Verborgenen das ſonderbare Spiel, dieſes laute Jammern, mit Verwunderung und ſchlich, ols ſie den zu ihrer Wohnung nach. 3 Wie hoch ſtieg nun hier ſein Erſtaunen, als er hörte, wie die unglückliche Mutter beim Bericht der beiden übrigen Söhne das Blutgeld mit dem heftigſten Schmerze von ſich warf.„Lieber will ich den Hungertod ſterben,“ rief ſie,„als durch das unſchul⸗ dige Blut meines Sohnes mein Leben erhalten!“ 4 Tief gerührt von dieſer erſchütternden Scene, eilte der Ker⸗ kermeiſter zum Richter. Auch dieſen durchdrang Bewunderung und Mitleid. Der Gefangene ward ſogleich vor ihn gebracht und von Neuem verhört. Standhaft blieb er bei ſeiner erſten Aus⸗ ſage, aber bald überzeugte ihn der Richter, daß er das ganze Ge⸗ heimniß kenne. Die beiden Brüder wurden herbeigeholt, die Sache völlig in's Licht geſetzt und unter reichem Lobe ihrer erha⸗ benen Kindesliebe ihnen Belohnung verſprochen. Der Richter Dieſer ſetzte dem jüngſten
berichtete dieſe edle That dem Kaiſer. d jedem übrigen aber
Bruder ein Jahrgeld von 1500 Thalern, 500 Thaler auf Zeitlebens aus.—
Kerker verließen, ihnen bis
—
(VIII. Jahrg. Ar
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