„Das iſt herrlich, Nicolas! Das iſt herrlich! Wie ſchön! welche Aehnlichkeit!— Du biſt ein Meiſter, Nico— las, und ich bin ſtolz auf Dich!“
Damit eilte ſie auf Fragonard zu, der mit ruhigem und ſtolzem Lächeln ſein Werk betrachtet hatte, und warf ſich ihm ohne weitere Umſtände an den Hals, während ſie ihn fortwährend mit Lobeserhebungen überſchüttete.
Das dunkle Auge des Meiſters blitzte bei dieſen Lieb⸗ koſungen höher auf, und er hatte Mühe, ſeinen ruhigen Stolz zu bewahren, aber dies gelang ihm dennoch, und als er die Guimard auf die Stirn küßte, ſagte er nur:
„Laß das, Louiſon, laß das! Ich bin mit Deinem Saale noch nicht fertig, und Du weißt, daß ich Dir ver⸗ ſprochen habe, in ganz Paris ſolle man nicht ähnliche Fres⸗ ken finden.“
„Du haſt Dein Wort jetzt ſchon gelöſt. Bin ich denn wirklich ſo ſchön, Nicolas, wie Du mich gemalt haſt?“ Die Guimard ſprach dies, ganz in Glückſeligkeit über ihr Bild, das ſie nicht aus den Augen ließ, verloren.
„Du biſt in dieſem Augenblicke noch ſchöner,“ erwi⸗ derte der Meiſter, deſſen Blicke wieder entzückt an dem Ori⸗ ginale hingen.
Und die Tänzerin war jetzt, wo ihre Eitelkeit ſich ſo außerordentlich befriedigt fühlte, wirklich ſchöner als je.
„Du haſt mir nicht geſchmeichelt, Nicolas?“ fragte ſie in kokettem Unglauben.
„Wie wäre das möglich, Louiſon?“
„Aber vielleicht hat die Liebe Dein Auge bethört?“
„Nicht bethört,“ ſagte der Maler raſch, indem er ſich vor der ſchönen Frau auf ein Knie niederließ und ihre zarte Hand ſtürmiſch küßte,—„ſondern ſie hat es klarer und ſchärfer als je gemacht, und nicht auf das äußere Auge allein hat ſie eingewirkt, ſondern was ich malte, kam aus der Tiefe des Herzens, in dem Dein Bild ruht;— und wäreſt Du hundert Meilen von mir entfernt geweſen, dieſes Bild hätte nie anders werden können!“
Uovellen-Zeitung.
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Die ſchöne Guimard beugte ſich zu ihrem leidenſchafl⸗ lichen Anbeter nieder, ſchlang den weißen Arm um ſeinen Hals und zog ihn feſter an ſich.
Man ſieht: die Tänzerin liebte den Maler und der Maler die Tänzerin. Das wußten ſie Beide auch ſchon längſt.—
Am Abende deſſelben Tages, den Fragonard bis zu Einbruch der Dunkelheit mit ſeiner Geliebten bei einem ſplendiden Diner zugebracht hatte, worauf er ſich wichtiger Geſchäfte wegen entfernen mußte, finden wir Louiſon Gui⸗ mard wieder in einem ihrer bereits eingerichteten und be⸗ wohnten Zimmer in der unteren Etage.
Dieſes Mal trug ſie ein reizendes Morgencoſtüm, noch ein wenig mehr kokett als das ſchwarzſeidne Kleid mit den Goldbrokatſchleifen,— und auch dieſes Mal war ſie nicht allein. Aber nicht Fragonard iſt es, der zu ihren Füßen liegt und ihre Hände küßt, ſondern der junge Cavalier, der am Vormittage an ihrem Hauſe vorüberritt und ſeinen Freund, den Vicomte, belehrte, welche„bürgerliche Ca⸗ naille“ ſich in das Faubourg St. Germain eingeniſtet habe.
Es iſt der Herzog Victor de Rohan, ein Verwandter des ſpäter ſo berüchtigt gewordenen Cardinals, ein noch ſehr jugendlicher und weibiſch hübſcher Herr, der eines der größten Vermögen beſitzt und nach Kräften verſchwendet.
Der Herr Herzog war eine halbe Stunde ſpäter, als der Maler gegangen war, erſchienen; er fand ja die Gui⸗ mard„trotz ihrer dreißig Jahre noch reizend“, und die Guimard bewunderte wieder trotz ſeines faſt knabenhaften
und vor Allem ſeine verſchwenderiſche Freigebigkeit.
Als der Herzog genug von ſeiner Liebe geſprochen hatte, fiel ihm gerade nichts Beſſeres ein, als die Unter⸗ haltung auf die neue Einrichtung der ſchönen Tänzerin zu lenken, und ſo kam es deun, daß dieſe, die Fragonard das Verſprechen gegeben hatte, Niemandem die Fresken in
Zur Culturgeſchichte.
Aeber die öffentlichen Schreiber in Paris. Doctor Leuting gibt üb er die Männer dieſes Gewerbes eine ſehr draſtiſche Schilderung. Wer durch die Straßen von Paris geht, wird, in dem ermü⸗
denden Getümmel bald auf eine eigenthümlich induſtriöſe Men⸗
ſchenclaſſe aufmerkſam, es iſt die der öffentlichen Schreiber.
Betrachten wir die Wohnung eines ſolchen Schreibers ge⸗
nauer. Es iſt eine hölzerne Bude, welche auf Rädern ruht, ſo daß ihr Bewohner von einem Quartier in das andere überſie⸗ deln kann, denn der Schreiber iſt ein ſpeculativer Kopf und weiß, wo es gerade am meiſten zu thun gibt. In dieſer Bude alſo wohnt der Béranger der Vorſtädte, der Sevigné der Nähterinnen und der Petrarca der Griſetten; er ſchreibt in Verſen und in Proſa, iſt Romantiker oder Claſſiker, redet pathetiſch oder idyl⸗ liſch; er kennt das menſchliche Herz, hat den Gil Blas geleſen und die neue Heloiſe. Er iſt des Morgens Katholik und des Abends Proteſtant, lebt bald vom Theater, bald von der Kirche, und ver⸗ dankt einem Rendez-vous ſein Frühſtück, einer Untreue ſein Mit⸗
ſchen, von denen der Eine ſtehen muß und der Andere ſitzen kann, obgleich er Beide einladet, Platz zu nehmen. Jetzt tritt ein junges Mädchen ein und ſagt mit geheimnißvoller Miene und mit zu⸗ friedenem Lächeln:. 4
„Mein Herr, ſchreiben Sie ihm ein recht artiges Brieſchen und ſagen Sie ihm, daß er mich heute Abend am Brunnen des Innocents finden wird.“. 2
„Gut, gut,“ ſagte der Schreiber,„ich weiß ſchon, was Sie wollen. Recht graziös, recht zärtlich, und ein wenig ſenti⸗ mental.“
nur recht gut.“ „Und wie viel wollen Sie daran wenden, Mademoiſelle?“ „Sie dürfen bis auf ſechs Sous gehen, wenn es nur nach der neuſten Mode und recht zärtlich geſchrieben iſt.“ „Für ſechs Sous kann ich Ihnen ſchon etwas recht Hübſches und Zärtliches liefern. Können Sie Ihren Namen unter⸗ ſchreiben?“ „Nein, mein Herr.“ Der Schreiber lächelt und denkt bei ſich: Nun, das iſt doch einmal wieder eine recht Unw iſſende. So habe ich ſie gerne. Den
tageſſen. Er gehört keiner Partei an, weil er von jeder Geld verdienen will, und ſchreibt miniſteriell, wenn der Kammerdiener
des Miniſters, republikaniſch, wenn der Handlanger eines Mau⸗
rers ihn beſucht. Bald bezahlt ihm die Zärtlichkeit eines jungen Soldaten, der in der Hauptſtadt in Garniſon liegt, ein Gläschen Natafia, bald verdankt er den Launen einer eiferſüchtigen Köchin eine Flaſche rothen Wein. Vor ſeiner Thüre iſt oft ein großes Gedränge; denn die Bude faßt außer ihm nur noch zwei Men⸗
Unterricht hat dieſe noch nicht ganz verdorben. Es iſt ärgerlich, daß einem beutzutage ſo viele Leute in's Handwerk pfuſchen. Der Schreiber hat das Briefchen geſchrieben, zuſammenge⸗ legt und fragt nun, welche Adreſſe darauf komme. 2 Die Kleine antwortet, indem ſie erröthet:—„Setzen Sie darauf— an Herrn Julius—, das iſt genug. Ic werde V den Brief dem Concierge geben, und dieſer wird ihn ſchon be⸗ ſorgen.“
Alters und Weſens ſeinen hohen Namen, ſein Vermögen.
„Schon recht, ich überlaſſe Ihnen Alles, aber machen Sie es
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