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gemacht zu haben. Noch einmal und in ſo eindringlicher Weiſe, wie der Hauptmann ſie bisher an dem beſonnenen jungen Manne nicht gewohnt war, bat er dieſen, alles Dienſtliche bis zur Rückkehr in den Quartierſtand zu ver⸗ ſchieben und ihn nur auf wenige Minuten an den Ort zu begleiten, wo er, eingeführt von ſeinem Freunde Dierxen, ſo glückliche Stunden verlebt hatte.„Mein Wort darauf, Herr Hauptmann,“ und dabei legte er wie betheuernd die Hand auf das Herz,„der Gang wird Sie nie und nimmer gereuen!“
Ein längeres Verweigern würde am Eade zu einer Störung des bisher unter den beiden Officieren beſtande⸗ nen Freundſchaftsverhältniſſes geführt haben, und der Hauptmann gab endlich, wenn auch nicht ohne innere Mißſtimmung, der Aufforderung des Lieutenants nach. Das Haus des Rectors lag nicht fern, und vie Vorſtellung bei deſſen Schweſtern fand ſofort ſtatt.
Obgleich es Erfahrungsſache iſt, daß die Anſichten der Männer in nichts mehr, als in Beurtheilung der äußern Schönheit eines jungen Mädchens, auseinandergehen, ſo mußte ſich der Hauptmann doch bei dem erſten Anblick des Schweſternpaares geſtehen, daß er über alles Erwarten zu Gunſten ſeines Lieutenants davon überraſcht war.
Die in jenem Augenblicke von ihm empfangenen Ein⸗ drücke würden, wenn überhaupt möglich, nur ſchwer wie⸗ derzugeben ſein. Es war, als ob eine Stimme in ſeinem Innern ihm zurief, daß bei den vielen Bekanntſchaften, die er im Oſten und im Weſten von Deutſchland bis dahin in der weiblichen Welt zu machen Gelegenheit gehabt, das liebliche Schweſterpaar vorzugsweiſe berufen ſchien, durch alle möglichen Vorzüge, durch ausdrucksvolle Geſichtszüge, edle Haltung und klangvolle Stimme, einen unauslöſch⸗ lichen Eindruck auf ein Männerherz zu machen. Wie die hohe edle Stirn, das geiſtvolle Auge, die ſtolze und doch ungeſuchte Haltung der ältern Schweſter Maria, die als beſondere Schönheit einem Bildner hätte als Muſter die⸗
Uovellen-Zeitung.
nen können, ſo hatte auch Meta's, der jüngern Schweſter, liebliche Erſcheinung zur Zeit beide Officiere gefeſſelt. In einer augenblicklich ihn überkommenden Befangenheit ver⸗ mochte der Hauptmann eine Entſchuldigung für das Dienſt⸗ vergehen, deſſen der Lieutenant ſich durch willkürliche Ver⸗ längerung des Urlaubes ſchuldig gemacht, ſchon als zuläſſig, wenn auch nicht als gerechtfertigt zu erkennen. Um nicht ſelbſt eine große Schuld auf ſich zu laden, bedurfte es ſei⸗ ner ganzen Selbſtbeherrſchung, ſich zur rechten Zeit aus der Gegenwart von Maria zu verbannen, die im Laufe der Unterredung den Entſchluß in ihm hervorgerufen, nur ihr und keiner Andern nach dem Frieden ſeine Hand anzu⸗ tragen.
Maria war der Stern, um welchen ſich die Huldigung der beiden Officiere in dieſem Augenblick drehte.
Aber ihre Zeit war verſtrichen; mit ſchwerem Herzen trennten ſie ſich von dem Gegenſtande ihrer gemeinſchaft⸗ lichen Verehrung. Lieutenant Dierxen von den Drago⸗ nern gab ihnen das Geleit bis nach Varenholz. Als ſie voneinander ſchieden, ließ der Hauptmann an ihn und den Vater die Einladung zu einem Mittageſſen ergehen. Dier⸗ ren nahm ſie lächelnd an, mit dem Zuſatze:„Aber zuvor, Herr Hauptmaun, halten wir doch Gericht über den armen Sünder?“ 5
Wohl hatte der luſtige Reitersmann bemerkt, daß dem Hauptmanne bei dieſer Anrede das Blut in's Geſicht ſchoß, und ein letzter liſtiger Blick flog über Beide hin, als er leicht grüßend ſein Pferd wandte und davon ritt. 3
Bei dem Mittageſſen, welches am folgenden Tage auf der großen Dehle in des Hauptmanns Quartier ſtattfand, war eine heitere Geſellſchaft verſammelt, und fröhliche Trintſprüche belebten das Mahl. Zuletzt wurde Lieute⸗ nant v. B. vor ein geſtern von Dierxen angedeutetes Kriegsgericht gefordert, dem der Hauptmann als Präſident vorſtand. Der Beklagte hob in ſeiner Vertheidigung be⸗ ſonders hervor, daß er im Intereſſe der verbündeten Armee
trug, wurde ebenfalls krank. Erſt ganz kürzlich ſtarb in London ein Mädchen, welche künſtliche Blumen fertigte, die durch das Arſenik an den grünen Blättern vergiftet worden war.
Dr. Cotherby hat das Publicum davon unterrichtet, in wel⸗ cher Art es ſich leicht davon überzeugen könne, ob in einer grünen Farbe Arſenikgift enthalten ſei. Man brauche auf die verdäch⸗ tige Farbe nur ein paar Tropfen von einer ſtarken Auflöſung von Ammonial fallen zu laſſen, und ſobald die Farbe dadurch ſich in Dunkelblau verwandele, ſo ſei ſie giftig und wirklich gefährlich. Das Gift verräth ſich indeſſen von ſelbſt, und es bedarf gar keines chemiſchen Mittels, um es zu erkennen. Arſenik wird nur ange⸗ wandt, um der Farbe einen beſondern Glanz zu geben, und dieſer Glanz verräth ſeinen Urſprung. Wenn ein Kleiderſtoff, ein Kranz oder eine Tapete eine ſchönere grüne Farbe zeigen, als dieſe Dinge gewöhnlich haben, ſo iſt wahrſcheinlich der Tod darin ent⸗ halten. Die Schönheit des Grüns iſt die lebendigſte Warnung vor der Benutzung deſſelben.“
Das Auffallendſte dabei iſt unſtreitig die Sorgloſigkeit und Gedankenloſigkeit der Fabrikanten, die ſich dieſer giftigen Farben wiſſentlich bedienen, um ihren Waaren ein ſchöneres Anſehen zu geben und den Abſatz derſelben zu erleichtern, ohne zu berückſich⸗ rigen, wie vieler Menſchenmorde ſie ſich dadurch indirect ſchuldig machen. Dieſe Gewinnſucht kann nicht beſſer beſtraft werden, als dadurch, daß Niemand ihnen ſolche Waaren abkauft und dieſe in ihren Magazinen veralten. Nur in dieſer Art können die Fabrikanten dahin kgebracht werden, auf den Gebrauch ſolcher giftiger Farben zu verzichten. Je früher das aber geſchieht, um ſo beſſer für die Menſchheit. C.
Literatur.
Romane von Theodor Mügge. Dritte Folge, vierter, fünfter und ſechster Band. Breslau, Trewendt. 1862.
Wir haben ſchon früher über die Mügge'ſchen Romane ge⸗ ſprochen und denken auch noch ferner darauf zurückzukommen.
Die hier genannten Bände in vorzüglicher Ausſtattung— denn die Trewendt'ſche Art zu drucken gehört zu den beſten deut⸗ ſcher Verleger— enthalten ſechs Erzählungen:„Die Erbin von Bornholm“,„Am Scheidewege“,„Die Auserwählten des Prophe⸗ ten“,„Sigrit, das Fiſchermädchen“,„Drei Freunde“ und„Alte und neue Welt“..
Viele dieſer Novellen, welche ſämmtlich nicht lang ſind, ſpie⸗ len im Norden, dem eigentlich intereſſanteſten Terrain Mügge ſcher Erzählungen. Er kannte es gründlich, und ſeine ruhige Art, tüchtige, gehaltvolle Perſönlichkeiten von derber Natur und geſun⸗ dem Geiſt zu zeichnen, wird durch dieſen Volksboden mit dankba⸗ ren Stoffen verſehen. Als typiſch bezeichnend drängt ſich in die⸗ ſer Weiſe die ſehr warm anſprechende abgerundete Erzählung „Sigrit“, obgleich nur kurz gehalten, in den Vordergrund. Von ähnlicher Charakterrichtung, nur in höheren Kreiſen der Geſell⸗ ſchaft ſpielend, ſchließt ſich hier„Die Erbin von Bornholm“ an.
Wenn wir in dieſen Darſtellungen lebensvolle Geſtalten er⸗ blicken, die ohne Effeethaſcherei, überhaupt ohne jede übertreibende Manierirtheit geſchildert ſind, ſo erhöht es den guten Eindruck noch, daneben einen Hintergrund der Natur gemalt zu finden, der in Zeichnung und Farbe friſche Wahrheit hat und deſſen atmo⸗ ſphäriſcher Odem belebend auf die Menſchen zurückwirkt. Es macht oft den wohlthuenden Eindruck, als wären die Studien zu dieſen
(VIII. Jahrg.
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