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doch erſt zwei Tage ſpäter zu Ende ging. nung erregte Aufſehen im kleinen Orte. Ueberall wurden Feuſter und Thüren geöffnet, den bärtigen Hauptmann und ſeinen Diener zu betrachten. Man hatte ſeit langer Zeit keinen Soldaten in dieſen Gegenden geſehen; ſo war es wohl natürlich, daß die im ſchlanken Schritt die Straße hinab Reitenden Aufſehen erregten. Als jedoch viele der Einwohner aus ihren Häuſern im Sturmlauf auf ſie zu eilten, machte dieſe plötzliche Bewegung den Hauptmann etwas ſtutzig. Sein Erſtaunen dauerte indeſſen nicht
lange; denn von allen Seiten ertönte es wie aus einent
Munde:„Wieder einer von unſern Befreiern!— Sie können bei mir logiren!“ riefen Einige.—„Ne, ne! komme Se to mi, da is et beter!“(Nein, nein, kommen Sie zu mir, da iſt es beſſer!) ſchrie ein Anderer und dabei ſah ſich der Hauptmann von einem halben Dutzend der braven Holſteiner umringt, deren Einige ſeine Hände, Andere die Zügel des Pferdes ergriffen, um ihn zum Mit⸗ kommen in ihre Wohnung zu bewegen.
Er vermochte der ſo freudig patriotiſchen Beſtürmung endlich nur durch die Erklärung zu entgehen, daß er, um Keinen von ihnen zu beleidigen, das Quartierbillet vom Bürgermeiſter ſelbſt holen wollte. Die größte Freude aber machte die mitten in dem luſtigen Getümmel erhal⸗ tene Nachricht, daß am Abend zuvor ein Officier, ganz in derſelben Unifornt, mit einem holſteinſchen Reiterofficier angekommen und bei dem Herrn Rector ſein Quartier ge⸗ nommen.
Bei dem geringen Umfange des Städtchens, welches nur aus zwei auf dem Marktplatze ſich kreuzenden geraden Straßen zu beſtehen ſchien, konnte dem Lieutenant die An⸗ kunft des Hauptmanus als Urſache der allgemeinen Bewe⸗ gung nicht lange verborgen bleiben. Letzterer aber hielt es für angemeſſen, des Erſteren dienſtſchuldiges Erſcheinen abzuwarten. Als faſt eine Viertelſtunde vergangen und Lieutenant v. B. vergebens auf ſeine Ankunft hatte warten
Dritte Folge.
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Seine Erſchei- laſſen, ſchickte der Hauptmann den Diener ab, um dem
Untergebenen ſeine Ankunft melden zu laſſen.
Nach wenigen Minuten erſchien auch der Lieutenant und mit ihm der holſteinſche Dragonerofficier. Dieſer, ein ſchöner junger Mann, bei ſeiner hohen, ſtattlichen Fi⸗ gur wie zum Reiter geboren, grüßte in militäriſcher Hal⸗ tung, aber ein leichtes Lächeln umſchwebte ſeine Lippen, welches ſagen zu wollen ſchien, daß die Sache für ſeinen Freund noch keineswegs einen ſo ernſten Ausgang nehmen würde, als der Anſchein dazu vorhanden. Lieutenant v. B. dagegen ſchien offenbar im Bewußtſein der verletzten Dienſtpflicht um eine paſſende Anrede verlegen, um ſein Vergehen einigermaßen zu entſchuldigen.
„Nehmen Sie mich als Arreſtant mit, Herr Haupt⸗ mann,“ begann er nach einigem Zögern,„ich habe als dienſtvergeßner Soldat Strafe verdient— ehe Sie mich jedoch verurtheilen, erſuche ich Sie um die Gunſt, Sie den Damen meines gegenwärtigen Quartiers, welches mir durch die Freundſchaft meines lieben Cameraden zu Theil wurde, vorſtellen zu dürfen. Sobald Sie die beiden Schweſtern des Rectors, meines augenblicklichen Haus⸗ wirths, geſehen, hoffe ich einige Nachſicht von Ihnen in Beurtheilung meines Dienſtvergehens zu finden.“
Dieſe eigenthümliche Einleitung zur Entſchuldigung eines Subordinationsvergehens war ganz geeignet, auch einen ſtrengeren Compagniechef, als es v. B.'s Vorge⸗ ſetzter war, zum Lächeln zu bringen, daher gelang es dem Hauptmann nur mit einiger Mühe, dem Lieutenant im ernſten Tone ſeine Mißbilligung zu erkennen zu geben, indem er ihn zugleich erſuchte, die Erzählung ſeiner Liebes⸗ abenteuer auf eine paſſendere Zeit zu verſchieben und die Rückreiſe in das Cantonnement ohne Weiteres mit ihm anzutreten.
Der Lientenant v. B. ſchien jedoch nicht ſo ohne Wei⸗ teres von dem Triumphe ablaſſen zu wollen, eine ſo ange⸗ nehme Bekanntſchaft in ſo ganz unvorhergeſehener Weiſe
und Verzierungen aller Art können allerdings nicht mit Straflo⸗
ſigkeit, wohl aber mit Sicherheit und Leichtigkeit verfertigt wer⸗
Welche Folgen aber daraus entſtehen koͤnnen, hat ſich hier erſt in den letzten Tagen herausgeſtellt. Einem kleinen Mädchen wurde eine kuͤnſtliche Weintraube gegeben. Nachdem ſie ſich da⸗ mit eine Zeitlang beluſtigt hatte, gab ſie das Spielzeug einer Spielcameradin beinah von ihrem eigenen Alter, die ſofort eine der Beeren abbrach, ſie in den Mund ſteckte und daran ſaugte. Am folgenden Tage war ſie todt. Ein ausgezeichneter Arzt, welcher
den.
das unheilvolle Spielzeug chemiſch unterſuchte, fand, daß zehn
dieſer Beeren drei Gran Kupferarſenik— ein tödtliches Gift— enthielten, und daß jedes Weinblatt des Zweiges genug Gift in ſich faßte, um ein Kind zu tödten. Die Weinbeeren hatten natür⸗ lich nicht die Beſtimmung in den Mund genommen zu werden; wenn aber ein Kind eine ſo täuſchend nachgeahmte Frucht erblickt, ſo fühlt es ſich natürlich verſucht, ſie in den Mund zu ſtecken. Jene künſtliche Weintraube war nichts mehr und nichts weniger als
Gift in der Geſtalt eines Nahrungsmittels, obwohl nie beabſich⸗
tigt wurde, irgend Jemanden durch die Nachahmung zu betrügen. 1 Ballſaales verbreitet werden mögen.
Wir führen dieſen Fall indeſſen hauptſächlich deßhalb an, um die unglaubliche Ausdehnung zu zeigen, in welcher ein beſon⸗ deres Gift für die Erzeugung von Farben verwandt wird. Arſe⸗ nik— eins der ſchrecklichſten Gifte— hat die Eigenſchaft in ge⸗ wiſſen chemiſchen Combinationen die ſchönſten Schatlirungen von Grün zu liefern. Es gibt kein Grün, das dem aus Arſenik ge⸗ wonnenen Grün an Schönheit gleichkommt, und deßhalb bedient man ſich deſſelben beſonders in ſolchen Fällen, wo man den Glanz der Farbe für ſehr wünſchenswerth hält. Man benutzt es nicht bloß bei der Fabrikation künſtlicher Blumen, ſondern auch zum
Färben der Wolle und leinener Stoffe, ſowie bei der Herſtellung der Papiertapeten für Zimmer, und in allen dieſen Fällen kann es ſehr gefährliche Folgen nach ſich ziehen. Vor dem Schranke eines kleinen Mädchens, worin die Spielſachen derſelben aufbewahrt wurden, war ein Rouleau von grünem Papier. Das Mädchen wurde krank und ſtarb augenſcheinlich an Gift, das es in einer ge⸗ heimnißvollen Weiſe eingeſaugt hatte. Ein Arzt unterſuchte das grüne Papier chemiſch und fand, daß in einem Stück von ſechs [Zoll 13 Gran Arſenik enthalten waren, völlig genug, um zwei erwachſene Perſonen zu tödten. Noch weit ärger iſt Folgendes: Ein Ballanzug von 20 Yards grüner Tartalane würde gegen 900 Gran weißen Arſenik enthalten, und dieſes Gift iſt ſo loſe an den Stoff geknüpft, daß die Theilchen deſſelben ſich leicht da⸗ von trennen, nach allen Richtungen verbreiten und die Luft in einem Zimmer oder Ballſaal mit⸗Todesſtoff ſättigen. Ein Kranz mit funfzig grünen Blättern mag Gift genug enthalten, um zehn Perſonen zu toödten. Ein deutſcher Arzt hat berechnet, daß ſechzig Gran Arſenik von einem einzigen Ballkleid an einem Abende ſich trennen und in unbemerkbaren Atomen in der Atmoſphäre eines Zehn Damen in ſolchen grünen Ballkleidern vermöchten eine ganze Geſellſchaft zu tödten.
Wenn die Frage aufgeworfen werden ſollte, weßhalb ſo etwas ſich nicht wirklich ereignet, ſo iſt die Antwort, daß es doch geſchieht. Die armen Nähterinnen und Blumenmacherinnen er⸗ kranken und ſterben, weil ſie mit dieſem Stoffe zu ſchaffen haben. Ein engliſcher Todtenbeſchauer erwähnt einen Fall aus ſeiner eignen Erfahrung, in dem durch ein einziges Kleid beinah drei Todesfälle herbeigeführt wurden. Die beiden Nähterinnen, welche das Kleid gefertigt hatten, erkrankten, und die Dame, welche es


