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Einladung erhielt. Großes Wohlgefallen hatte Herr Dierxen, einer der wohlhabendſten der umwohnenden Guts⸗ beſitzer, an dem jungen Officier gefunden, während deſſen zweiter Sohn, der erſt kürzlich als Lieutenant in das zweite holſteiniſche Dragonerregiment eingetreten war, enge Freundſchaft mit ihm ſchloß.
Eines Abends bat Lieutenant von B. bei dem Appell den älteſten Hauptmann um Urlaub für den folgenden Tag, vorgeblich zu einer mit dem neugewonnenen Freunde zu unternehmenden Jagdſtreiferei. Obgleich der ſtrenge Dienſt, dem Feinde gegenüber, dem Hauptmanne ohne An⸗ frage bei dem Regimentscommandanten eine Urlaubsbe⸗ willigung nicht geſtattete, ſo glaubte er ſchon einmal eine Ausnahme von der Regel machen zu dürfen. Er ertheilte den erbetenen Urlaub zu einem etwas verlängerten Jagd⸗ gange, d. h. vom Morgen des nächſten Tages bis Abends zum Appell.
Der folgende Tag war vergangen, Appell und Zapfen⸗ ſtreich längſt vorüber; wer aber nicht wiederkehrte, war der Lieutenant. Als auch Mitternacht herangekommen war, ohne den Officier zu bringen, fing der Hauptmann all⸗ mählich an, in Beſorgniß, daß den Abweſenden ein Unfall betroffen haben könnte, ſich Vorwürfe über ſeine Nachgie⸗ bigkeit zu machen. Er kannte die große Pünktlichkeit des Officiers in Dienſtangelegenheiten; nur etwas Außer⸗ ordentliches konnte zu ſeinem Ausbleiben die Veraulaſſung gegeben haben. Man ſtand einem verrätheriſchen Feinde gegenüber, dem ſelbſt während des Waffenſtillſtandes nicht ſonderlich zu trauen war. Hatten doch die Dänen auf unbewaffnete, ruhig ihres Weges ziehende Soldaten der Verbündeten geſchoſſen und auf heſſiſche Huſaren Jagd gemacht, die mit ihren Pferden vom Beſchlagen aus einer Schmiede zurückgekehrt waren, unter dem Vorgeben, daß ſie die Demarcationslinie überſchritten hätten. Dieſe aber konnte wegen des Gewirres der Knicke und Gräben
Uovellen-Zeitung.
nirgends genau innegehalten werden. Die Beſorgniß des
Commandirenden mehrte ſich mit jeder Stunde, und er be⸗ ſchloß endlich, ſich ſelbſt auf den Weg zu machen, um den Fehlenden aufzuſuchen.
Er hatte bereits erkundet, daß die beiden Freunde bei einem Gutsbeſitzer zu Mittag gegeſſen und ſich von da nach Tiedehenne, einem kleinen, vom Hauptwege abgele⸗ genen Städtchen, begeben hätten. Sobald die Sonne her⸗ auf war, ſtieg er zu Pferde, um, nur von einem Diener begleitet, die Nachforſchung nach dem Verlornen zu begin⸗ nen. Die über einen Deich nach dem Orte führende Straße war, wie gewöhnlich, gepflaſtert. Neben derſelben lief ſo wenig ein anderer Fahrweg als ein Fußzoeg hin. Der tiefe Boden geſtattete keinen andern Ausweg. Nur einzelne, in Poldern liegende Bauernhöfe waren in viertel⸗ und halbſtündiger Entfernung ſichtbar. Keiner derſelben blieb ununterſucht; es fand ſich indeſſen nirgends eine Spur, die auf die Fährte des Vermißten hätte hinweiſen können. Des Hauptmanns Aufregung wurde dadurch noch mehr geſteigert, und er gerieth endlich auf den Gedanken, daß Lieutenant v. B. doch wohl einen andern Weg möchte ein⸗ geſchlagen haben.
Seine Theilnahme an dem Schickſale des jungen Offi⸗ ciers ſpiegelte ihm allerlei Trugbilder vor, eins noch erre⸗ gender als das andere. Allerletzt, als er ſich denſelben ſchon verunglückt dachte und es für das Gerathenſte hielt, die Geſchichte dem Regimentschef zu melden, um dadurch deſſen Intereſſe für das Aufſuchen des Lieutenants zu er⸗ wecken, tauchten in geringer Entfernung die erſten Häuſer von Tiedehenne vor ihm auf.
Die freundlichen, von einem ſchlanken Kirchthurme überragten Ziegeldächer gaben ſeinen Gedanken eine an⸗ dere Richtung; jede fernere Unentſchloſſenheit ward beſei⸗ tigt, und raſcher als bisher verfolgte er ſeinen Weg. Ohne Gewißheit, ob feindliche Truppen in der Nähe, ritt der Hauptmann getroſt in das kleine wohlgebaute Städt⸗ chen ein, unter der Beruhigung, daß der Waffenſtillſtand
Am ſpäten Nachmittag empfahlen wir uns und erreichten nach drei Viertelſtunden unſer Lager am Waſſerfall, wo wir uns von unſeren gaſtronomiſchen Anſtrengungen bald erholten. Da⸗ mit wir unterwegs nicht an Durſt ſterben möchten, hatte die hohe Gaſtgeberin uns noch ein ungeheures Horn, mit Tetſch gefüllt, an den Lagerplatz geſendet— eine höchſt anerkennenswerthe, zu lobende Vorſicht.“ 6.
Aus der Natur. Mineraliſche gifte.
Leben und Geſundheit ſind unbedingt ſehr koſtbare Güter, und deßhalb verdient die folgende Mittheilung, die wir der Times vom 20. October entnehmen, die größte Beachtung, weil ſie vor Gefahren warnt, die ſchon manche Geſundheit untergraben, manches Menſchenleben weggerafft haben. Der Artikel lautet:
„In dem öſtlichen Annex der großen Ausſtellung, wo die Wunder der mineraliſchen Welt zur Anſicht aufgeſtellt ſind, wird durch die Zuſammenſtellung von Farben, die ſich in einigen Be⸗ hältniſſen darbieten, der Blick ſelbſt des gleichgültigſten Beſuchers gefeſſelt. Der blendende Glanz derſelben kann mit nichts weiter verglichen werden, als dem Gefieder jener tropiſchen Vögel, die gelegentlich unter einer Glasdecke in Maſſen zuſammengehäuft werden, um die Malerei, welche die Natwp herzuſtellen weiß, nach⸗ zuweiſen. Und die Farben, von denen wir ſprechen, ſind eben⸗
falls natürliche, welche die menſchliche Kunſt aus den Metallen zu
gewinnen verſtanden hat. Dieſes Carmoiſin, Grün
3ch arlach, und Gelb, die durch ihren außerordetlichen Glanz dem Auge bei⸗ werden.
nahe Schmerz verurſachen, vertreten einfach Metalle in einer chemiſchen Combination mit gewiſſen andern Subſtanzen. Ihre wahren Namen ſind bezeichnend techniſch, doch ihre gewöhnlichen Titel ſind ausdrucksvoll genug, und ſie liefern den Malern die Mittel, ihre prachtvollen Gemälde auf Leinwand herzuſtellen. Die Sache hat indeſſen auch noch eine andere Seite. Dieſe Pul⸗ ver, die ſo ſchön ausſehen, ſind gar oft tödtliche Gifte— ſo ge⸗ fährlich und unheilvoll wie bunte Schlangen. Dieſes dunkle Scharlach, dieſes ſtarke Blau, jenes blendende Grün, ſelbſt jenes ſchneeige Weiß ſind ſämmtlich giftig. Aber, wird man ſagen, das i*ſt eben ſo mit andern Subſtanzen und manchen andern Farben, mit vegetabiliſchen ebenſogut wie mit mineraliſchen. Wozu dient eine Beſprechung, ob Gegenſtände für die Geſundheit zweckmäßig oder nachtheilig einwirken, ſobald ſie nicht zur Nahrung beſtimmt ſind? Wozu nützt die Frage, ob Farben nahrhaft ſind oder nicht, da es doch Niemandem einfallen wird, ſie in ſeinen Magen zu brin⸗ gen? So natürlich dieſe Fragen auch ſcheinen, ſo erledigen ſie den vorliegenden Fall unglücklicher Weiſe durchaus nicht voll⸗ kommen. Dieſe wunderbaren Farben, welche die neuere Chemie zu entdecken vermocht hat, finden zuweilen den Weg in den Mund von Perſonen, und noch weit häufiger in die Lungen derſelben. Viele Mütter werden ſich erinnern, daß die gemalten Figu⸗ ren auf Zuckerzeug oft ſehr nachtheilige Folgen für ihre kleinen Lieblinge hatten, aber jetzt hat die Erzeugung dieſer vielen glän⸗ zenden Farben dieſe Gefahren ſehr vervielfältigt. Es gibt keine Schattirung der natürlichen Farben, welche die Kunſt nicht tin ſchend nachzumachen verſteht. Künſtliche Früchte, Blumen und Blätter können mit einem mehr als natürlichen Glanze hergeſtel Weintrauben und Pflaumen, Kränze von Immergrün
[VIII. Jahrg.
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