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Nr. 48.)
„Arme Elſie!“ ſchrieb mir dieſer Tage mein alter Freund Kittredge,„in welchem Herzen lebt jetzt noch ihr Andenken, da Sophie geſtorben iſt? Und von denen,
welche noch zuweilen an ſie denken, wie wenige begreifen
da das feierliche Räthſel ihres Lebens und ihres Todes!
Dritte Folge.
Für mich hat dieſer Tod ſeine tragiſche Größe und
ſeine fürchterlichen Lehren.
Es war über dieſes junge Mädchen verhäugt, in ſich,
in Folge eines Ereigniſſes, das ihrer Geburt vorausging,
wei feindliche Principien von widerſprechenden Naturen 5
ſich entwickeln zu ſehen. Der Kampf währte lange und war grauſam. Die Schlange herrſchte anfangs vor, die Siegerin Elſie's, wie ſie Siegerin Eva's geweſen war. Später nahmen die erhabenen Elemente dafür Genugthu⸗ ung, und das Weib entwickelte ſich aus der tödtlichen Um⸗ armung, in der ſie ſich längere Zeit abgerungen hatte, umſchlungen wie die Söhne Laokoon's; aber erſchöpft durch den innern Kampf, war die Tochter Catalina Ven⸗ ner's jetzt am Ende ihrer Kräfte. Eine Herztäuſchung hatte ihr die noch bleibende Thatkraft geraubt, die viel⸗ leicht zu den Bedürfuiſſen dieſer ſpäten und langſamen Metamorphoſe genügt haben würde.
Wer weiß, ob ſie nicht ſtarb, getödtet durch Bernhard Langdon?
So viel iſt gewiß, daß in dem äußerſten und entſchei denden Augenblicke der Schauplatz des gewaltigen Kampfes über den beiden Kämpfern zuſammenſtürzte.
Das wenigſtens war es, was ich zu ſehen glaubte, und welchem Trauerſpiel ich mit blutendem Herzen und Thrä⸗ nen in den Augen beiwohnte.
Arme Meluſine Amerikas! Meine theilnehmende Freundſchaft hat zuweilen den Raſen, unter welchem Du ſchläfſt, mit Blumen beſtreut. Friede Deiner Aſche! Achtung Deinen Manen! Die, welche Dich nicht liebten, haben Dich nicht gekannt!“
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Ehen werden im Himmel geſchloſſen.
Erinnerungen aus dem holſteiniſchen Kriege von E. Heuſinger.
Während einer im Verlauf des holſteiniſchen Krieges eingetretenen kurzen Waffenruhe war eine Compagnie des
zweiten Garderegiments in einem kleinen Dorfe unweit
Rendsburg ſtationirt. Im Orte, deſſen Häuſer viertel ſtundenweit voneinander entferut lagen, gab es weder Theilnehmer zu einer Whiſtpartie noch flinke Mädchen zum Tanzen. Die in den Quartieren vorhandenen ländlichen Schönheiten waren ſo ſchwerfällig, als die von Fleiſch und Milch ſtrotzenden Kühe in den unabſehbaren Marſchen, die täglich dreimal von dieſen ihren Freundinnen mit dem blanken Milchzuber auf dem Kopfe den regelmäßigen Be⸗ ſuch empfingen. Gefielen auch den Soldaten die bieder⸗ ben Landſchoͤnheiten recht wohl, und das ſaftige Rindfleiſch und die großen Rahmkäſe auf dem Tiſche noch beſſer, ſo hatten die Officiere meiſt tödtliche Langeweile, wofür eine Unzahl täglich gerauchter feiner Cigarren und der ſteifſte Arraegrog nur dürftigen Erſatz gewährten.— Einigen Wechſel in dieſe Einförmigkeit des patriarchaliſchen Stüll⸗ lebens brachten die ab und dann von deu benachbarten Gutsbeſitzern veranſtalteten Jagdpartien und Mittags eſſen, bei denen Alles in reichlichem Maße vorhanden, woran es zur geiſtigen und leiblichen Erfriſchung in der Dorfſchaft gebrach.
Unter Andern war es der Lieutenant v. B., ein ebenſo tapferer als liebenswürdiger Officier, der ſich in kurzer Zeit bei dieſen Herren Pächtern und Grundbeſitzern in be ſondere Gunſt geſetzt hatte. Es verging ſelten ein Tag, an dem er nicht von einer oder der andern Familie eine
Nach einem ſcharfen Ritt über vulcaniſches Terrain, an ſteilen Abhängen vorüber, erreichten wir unſer Ziel und wurden ſogleich in den von der jungen Fürſtin bewohnten Palaſt, eine niedrige, kugelförmige Strohhütte, in die man nur ſehr gebückt eintreten⸗ konnte, geführt.
Madame, eine junge hübſche Abyſſinierin, empfing uns ſehr freundlich, auf dem Angareb ſitzend, ihr zur Seite ein kleines Kammerkätzchen. Auf einem zu den Füßen der jungen Dame ausgebreiteten Teppich wurden wir genöthigt, Platz zu nehmen, was bei dem geringen Durchmeſſer der Hütte für vier Mann, wo⸗ von einer faſt 7 Fuß Hohe hat, mit gewiſſen Schwierigkeiten ver⸗ bunden war. Nachdem die gymnaſtiſch⸗equilibriſtiſche Uebung des Niederlaſſens vorüber und einige Höflichkeiten gewechſelt wa⸗ ren, wurde die Tafel ſervirt.
Die abyſſiniſche Tafel, ein runder großer Korb mit Teffbrod gefüllt, das zugleich als Brod und Serviette dient, wurde durch die enge Thüröffnung in den engen Hüttenraum, der ſich inzwi⸗ ſchen mit einigen Hofchargen, Waffenträgern und Lieblingsdienern völlig gefüllt hatte, hineingeſchoben und Waſſer zum Benetzen der Finger, die jetzt die Stelle der Gabeln vertreten ſollten, herum⸗ gereicht. Nachdem Jeder von uns ſein Volumen ohne Durchbre⸗ chung der Wände auf ein Minimum reducirt hatte, um der Tafel Platz zu machen, erſchien ein zweiter kleiner Korb, in welchem fein zerſchnittenes Fleiſch in kochendem Fett, reich mit beſonders ſchar⸗ ſem rothem Pfeffer gemiſcht, ſpritzend und ſprudelnd kochte. Die hohe Dame, ſowie das anweſende Hoffräulein, nahmen mit den zarten Händen das ſprudelnde, ſiedende Pfefferfleiſch aus dem Korbe, wickelten Biſſen, eines Polyphem würdig, in das dünne Teffbrod und ſtopften uns dies, uns zu ehren, höchſt eigenhändig
in den Mund. Thränen— ob Thränen der Rührung über dieſe Artigkeit, oder Thränen, erzeugt durch den diaboliſch brennenden Geſchmack des rothen Pfeffers— traten in unſere Augen. Nach dem wir uns durch einiges Teffbrod, das bei der Form ſehr großen dünner Eierkuchen und dem Ausſehen einer Bienenwabe einen ſehr angenehm ſäuerlichen Geſchmack hatte, reſtaurirt hatten, er⸗ ſchien das Hauptgericht jedes abyſſiniſchen Gaſtmahles— die ganze oder halbe Hinterkeule eines friſch geſchlachteten jungen Stiers, wovon man mit langen Meſſern oder dem Säbel erſtaun liche Portionen abſchneidet. Einzelne Stücke dieſes rohen Flei ſches ſind wirklich ausgezeichnet zart und lieblich. Während dieſer Arbeit der Zähne wurde in Rhinoceros⸗ und großen Ochſenhör⸗ nern„Tetſch“, ein hellgelbes ciderartiges Getränk, das angenehm kühlend ſchmeckt, kredenzt. Man bereitet es, indem man Honig. mit Waſſer gähren läßt, und dieſer Miſchung die Rinde eines Rhamnus beifügt; es iſt das Hauptgetränke in ganz Abyſſinien Nachdem die Hörner gekreiſt, wurde ein neues Gericht ſervirt: ganze Ochſenrippen, die nur wenige Augenblicke lang, auf glühende Kohlen gelegt, auf der Oberfläche leicht gebräunt waren— allen europäiſchen Beefſteaks bei weitem vorzuziehen.
Nach aufgehobener Tafel wurde wieder ein Krug Waſſen ſervirt, um die Hände, die ſoeben als Gabeln gedient hatten, von Fett, Pfefferſauce ꝛc. zu reinigen, wozu die Brodſervietten nicht ausreichten.
Die reichen Ueberreſte des ſplendiden Mahles wurden von den Dienern mit ungemeiner Virtuoſität verſchlungen und mit enormen Quantitäten Tetſch hinabgeſpült, dann wurde Kaffee ſervirt und fortwährend Tetſch kredenzt. Hierauf wurden unſere Geſchenke überreicht und mit großem Danke angenommen.


