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Augenblicke darauf erwachte ſie und erklärte, daß ſie mit außerordentlichem Vergnügen ihren vortrefflichen Lehrer, den Herrn Langdon, ſehen würde.
Ihre geringſten Wünſche galten, wie man weiß, gleich Befehlen. Bernhard wurde geholt und ſetzte ſich auf den Armſtuhl, auf welchem Helene gewöhnlich wachte.
Elſie empfing ihn mit einem Lächeln. Sie ſchien ihre letzte Unterredung ganz vergeſſen zu haben. Vielleicht ſetzte ſie einen gewiſſen Stolz darein, ſich ihm frei von jener
augenblicklichen Schwäche zu zeigen, in deren Folge ſie ihm
ihr Geheimniß offenbarte; vielleicht erſtreckte ſich auch die unerklärliche Verwandlung, welche Alle bemerkten, auf die leidenſchaftliche Neigung, die ſich geäußert hatte, ihm zu gefallen; vielleicht endlich kam es daher, daß jedes irdiſche Intereſſe für ſie verſchwunden war, und ſie gleichwohl ihr Andenken vor der Erinnerung bewahren wollte, die er von einem Anfall ihrerzügelloſen Einbildungskraft hegen konnte.
Wie dem aber auch ſei, ſo empfing ſie doch Bernhard ruhig und lächelnd, während er verwirrt und erröthend die Augen vor ihr ſenkte.
Sie theilte ihm keine Beſorgniſſe mit, und doch ſah er, daß ſie ſich ſchon als verurtheilt betrachtete.
Allmählich wurde er ruhiger, und, ſie mit einer Art
wiſſenſchaftlicher Neugier betrachtend, ſuchte er in ihren Augen nach jenem Diamantglanze, jenem finſtern Lichte, in welchem ſie ehemals funkelten.
Er fand ſie nicht mehr.
Er hatte vor den Augen eine andere Elſie, fahl, ernſt, ergriffen von einer theilnahmsvollen Rührung, die ſie zu verbergen ſtrebte. Die alten Dudley,— wenn ſie vom Himmel herab dieſen letzten Zweig ihres ſtolzen Stammes erlöſchen ſahen,— hatten Urſache, ſtolz auf denſelben zu ſein, denn Elſie ſtarb gleich kräftig gegen die Qualen der Gegenwart, wie gegen die Beſorgniſſe vor der Buuit
Bernhard fragte ſich, mit einer Art von Betäubung, wohin das wilde, verſchrobene Kind gekommen ſei, deſſen
Uovellen-Zeitung.
(VIII. Jah rg.
erfüllte. Von dieſer Elſie erblickte er nichts mehr.
Und dennoch! Ein Umſtand erinnerte ihn an dieſelbe.
Trotz ihrer Erſchöpfung, trotz ihrer Schmerzen, hatte ſie das ſchwere Halsband nicht abgelegt, welches in ihrer jetzi⸗ b gen Lage für ſie eine wirkliche Pein ſein mußte. Ihre Armbänder aber trug ſie nicht mehr. Eines derſelben lag neben ihr auf dem Kopfkiſſen, und in dem Augenblicke, als Bernhard von ihr Abſchied nahm, ſagte ſie: „Ich werde Sie nicht wiederſehen, vielleicht wird ſie mich einſt näher kennen, die Sie lieben; geben Sie ihr dieſen Schmuck im Namen ihrer Schülerin, im Namen ihrer Freundin Elſie.“
Bernhard wollte danken, aber er konnte kein Wort her⸗ vorbringen. Er war in dieſem Augenblicke der bei weitem Schwächere von Beiden. Sie folgte ihm mit den Augen bis zur Schwelle der Thür, und als er dieſelbe überſchrit⸗ ten hatte, verriethen zwei Thränen, die unter ihren Augen⸗ wimpern hängen blieben, ihre letzte Aufregung.
XIX.
Als der würdige Chauncy Fairweather erfuhr, daß die Tochter des angeſehenſten Mitgliedes ſeiner Heerde ſehr krank ſei, wollte er ſie ſehen, um ſie zu ermuthigen und zu tröſten. Dieſer Beſuch ſagte dem Doctor nicht zu. Er wagte
es indeß nicht, demſelben ein Hinderniß entgegenzuſtellen. Der Geiſtliche kam und ſprach lange und viel, Als er fort war, winkte Elſie die alte Sophie zu ſich und ſagte: „Man laſſe dieſen Mann mit dem kalten Herzen nicht mehr zu mir! Um mir in meinen letzten Augenblicken bei⸗ zuſtehen, um für mich zu beten, wenn man mich in den Schooß der Erde ſenkt, will ich befreundete Worte, be⸗ freundete Hände.— Katholiken oder Proteſtanten, das gilt mir gleich.— Sage das meinem Vater!“
ernſter Anblick ihn mit einem unbeſtimmten Schrecken
Feuilleton.
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In den Arcaden von Paris.
In ſeinen lebendigen Streiflichtern über Frankreich gibt der
Verfaſſer des„Quellwaſſers“ auch eine modern ſatiriſche Cha⸗
rakteriſtik der Pariſer berühmten Verkaufsläden. Wcoollt Ihr mit mir einen Gang durch die Arcaden des Pa⸗ lais Royal und des„Grand Hotel de Louvre“ machen?— Das
Palais Royal gehört nach gemeinen Begriffen der Familie des
Louis Philipp, nach ſeythiſchen dem Prinzen Napoleon, der aber den größten Theil deſſelben aus Leutſeligkeit an Wirthe und Krämer vermiethet. Das Grand Hotel de Louvre iſt auf Actien gebaut und wirft jetzt— wie man mir ſagte— jährlich eine Million Franken reinen Gewinn ab. Es iſt daſſelbe aber auch ein großer Bienenſtock mit gar vielen und koſtbaren Zellen. Wenn Du in einer der kleinſten Manſarden über Nacht bleiben willſt, ſo mußt Du wenigſtens ein Goldſtück zurücklaſſen. Im Hofe am Haupteingange ſtehen Palmen als Warnungszeichen, daß man nicht ungeſtraft hier wandelt. Im Erdgeſchoſſe ſind Verkaufslä⸗ den aller Art, und ich ließ mir ſagen, daß für den größten derſelben über hunderttauſend Franken jährlicher Miethzins gezahlt werde. Seht, da iſt dieſes Rieſengewölbe. Hier könnt Ihr theure Lein⸗
wand, theure Spitzen und unmenſchlich theure Shawls kaufen; hier ſind Hemden nach dem neueſten Schnitt für die Löwen des Tages; ſogar kaffeebraune Hemden wie aus Baumbaſt gewebt. Seht, hier ſind Teppiche in reichſter Auswahl; betrachtet doch dieſen hier, der wie ein Pantherfell ausſieht, und jenen dort mit den eingewirkten Fuchsköpfen! Ja, fürwahr, dieſe Hallen ſind ein Paradies für eine Dame unſers Jahrhunderts.. Wir betreten das nächſte Gewölbe und ſind wie durch einen Zauber in das eiſerne Mittelalter verſetzt. Hellebarden und Lan⸗ zen und Helme und Rüſtungen und Schilde— daß ein deutſcher Junker Freudenthränen vergießen könnte. 4 Einen Schritt weiter und wir ſind im Orient. Phantaſtiſch golddurchwirkte Stoffe, goldne Spangen und Knöpfe, goldbeleg⸗ ter Hausrath aller Art mit ſeltſamen Zeichen erhitzen die Phan⸗ taſie. Ein Orangenbaum aus Porzellan ladet Euch ein, unter ſeinem Schatten die Kunſt von Sevres zu bewundern und eine von den Fleurs lumineuses um 20 Franken als Lampe nach Hauſe zu nehmen. Seht doch dieſe Porzellanſchüſſeln an! Ein ſonderbarer Geſchmack! Ein kleiner Fiſch, eine Eidechſe und ein Hecht iſt in erhabner Arbeit in derſelben. Betrachtet auch dieſe beiden Figuren; dieſes Blumenmädchen aus Porzellan, wie kokett
ausſe wohl wach
gene nich der
Plä Kra unn
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