Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
750
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In den Tannen fanden die Franzoſen Schutz und De⸗ ckung gegen die Verfolger, und Lützow, welchem nicht daran gelegen ſein konnte, die paar Leute aus dem Holze zu trei⸗ ben, welche ihm keinen Schaden mehr thun würden, der vielmehr das Leben ſeiner eigenen Jäger ſchouen wollte, ließ Appell blaſen, um ſein Corps zu ſammeln. Cavalle⸗ rie iſt im Gebüſche gegen Infanterie jedesmal im Nach⸗ theile, und Lützow wollte keinen Mann nutzlos opfern.

Allein Körner, welcher der Wildeſte beim Vordringen war und im leidenſchaftlichen Ungeſtüm der Jugend die fliehenden Feinde verfolgte, ließ ſich von der Thatenluſt hinreißen, ohne der eigenen Klugheit und dem Rufe des Signalhorns Gehör zu geben.

Wir müſſen die Hunde aus dem Buſche haben! Ein Hundsfott, wer nicht folgt! rief er in begeiſterter Kampf⸗ luſt und ſtürmte mit hochgeſchwungenem Degen in das Ge⸗ hölz. Aber die feindlichen Scharfſchützen hatten in den Tannen verdeckte Stellungen eingenommen und empfingen den Verfolger mit einem dichten Kugelregen.

Eine Kugel ſtreifte den Hals von Körner's Pferde, drang ihm in den Unterleib, verletzte Leber und Rückgrat und benahm ihm ſogleich das Bewußtſein. Lautlos ſank er vom Pferde, und die herbeieilenden Cameraden fingen den Sterbenden auf. Nach wenigen Minuten hörte er in Frieſens Armen auf zu athmen.

Sein Tod war ſchnell und jedenfalls ſchmerzlos, da er wahrſcheinlich gleich im Augenblicke der Verwundung das Gefühl verlor. Er vermochte kein Zeichen mehr von ſich zu geben kein Lebewohl zu ſagen; im ſchnellſten Augen⸗ blicke war das, was das Leben veredelt, bei ihm hinweg⸗ gerafft; kein Zeichen eines ſchmerzlichen Empfindens be⸗ merkte man an ihm und auch im Tode blieben ſeine Geſichtszüge unverändert friedlich, ruhig.

Die Cameraden trugeun die Leiche ſanft und vorſichtig in den nahen Hochwald und betteten ſie auf ein bequemes Lager aus weichem Mooſe. Ein geſchickter Wundarzt war ſchnell herbeigeeilt aber er bot ſeine Kunſt vergeblich

Die Lützow'ſchen Jäger, durch den Fall ihres Lieblings zur höchſten Wuth entflammt, hatten ſich unaufhaltſam in das Verſteck der Feinde geſtürzt. Gegen die Ergrimmten war jeder Widerſtand vergeblich geweſen: die Franzoſen waren niedergemacht oder gefangen genommen worden nur wenige waren entkommen.

Nun ſtanden die Sieger mit trüben Blicken um die Leichen ihrer Gefallenen. Ein junger Graf Hardenberg und ein Lützow'ſcher Jäger waren außer Körner die theu⸗ ren Opfer des Tages. Ein allgemeines Schmerzgefühl durchzuckte die Braven, als ſie um ihres Lieblings Leiche ſtanden, der ſie vor kaum einer Stunde noch mit ſeinem Schwertgeſange erfreut hatte, und deſſen Augen doch nun ſchon gebrochen waren, von deſſen Lippen niemals wieder einer ſeiner begeiſterten Geſänge ertönen ſollte. Es war ein allgemeiner Verluſt und eine allgemeine Trauer und jedem Einzelnen wollte däuchten, er hätte in dem ju⸗ gendlichen Heldenſänger den beſten Freund verloren. Der alte ſiebzigjährige Fiſcher war beim Anblick der Leiche ſo tief ergriffen, daß ihm Thränen in die Augen traten, welche längſt das Weinen verlernt zu haben ſchienen, und er

rief im ſchmerzlichen Zorne:Es iſt ſchon recht, ich wollte,

Ihr wär't Alle geblieben. Hol' der Teufel Eure Bravour! Ich will lieber die feigſten Hundsfötter commandiren, als Menſchen, die nicht auf Appellblaſen hören.

Von Bärenhorſt, ein ſchöner Mann und ſchwärmeri⸗ ſcher Freund Körner's, ſtand lange troſtlos neben der Leichen). Mit feuchtem Auge faltete er die Hände, und ſeine erbleichten Lippen flüſterten:

Führ' uns, fall' unſer Loos, Auch tief in Grabesſchooß: Lob doch und Preis Deinem Namen! Reich, Kraft und Herrlichkeit Sind Dein in Ewigkeit! Führ' uns, Allmächtiger! Amen! *) Nun Körner todt war, mochte auch er nicht länger leben. Wenige Tage ſpäter, in dem Gefechte bei Göhrde, ſtürzte er mit

auf das Leben war bereits entflohen und menſchliche dem Rufe:Körner, ich folge Dir! in den Feind und kehrte

Hülfe unmöglich.

lebend nimmer wieder.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Aus Chili, Peru und Braſilien. Von Ernſt Freiherrn von Bibra. Leipzig, Hermann Coſtenoble. 1862.

Sie werden vom vorigen Jahre noch dieErinnerun⸗ gen aus Südamerika von Bibra im Gedächtniß haben. Der Verfaſſer hat Recht, wenn er in dem Vorwort zu den oben angeführten neuen drei Bänden die günſtige Auf⸗ nahme erwähnt, welche jenes erſte Werk im Publicum ge⸗ funden hat. Es war bei manchen Mängeln ohne Frage eine unterhaltende und über die fremden Landestheile zu⸗ gleich belehrende Lectüre.

Die neun novelliſtiſchen transatlantiſchen Gemälde, welche uns in dieſer Edition mitgetheilt werden, ſpielen ebenfalls wieder in Chili, Peru und Braſilien.

Die Phantaſie eines Schriftſtellers hat einen unge⸗ heuren Vorſprung, wenn ſie ſich, wie hier, auf einem romantiſchen, wenig bekannten und durch ſeine Natur⸗

wunder und fremden Menſchencharaktere merkwürdigen,

für Alle an ſich ſchon anziehenden Terrain bewegen kann.

Es gewährt Raum und die Möglichkeit zu thatenreichen

Begebenheiten, deren Wahrſcheinlichkeit im Allgemeinen

nicht angezweifelt werden ſoll, ſich aber auch ſchwer von

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