die Baumlücken ſchaute der Himmel im lichten Blau her⸗ nieder und fand einen Wiederſchein in den Augen des Dich⸗ terjünglings, der eben ſein begeiſtertes Schwertlied ſchuf. Die Cameraden waren das Aufſuchen der Einſamtkeit von ihm gewöhnt und ſtörten ihn nicht. Körner's poetiſches Gemüth neigte ſich von Jugend an
zu dem Glauben an Ahnungen und übernatürliche Winke
des Schickſals,— er wurde auch jetzt ernſt und nach⸗— denklich und nahm ſeinen Platz unter dem Baume wieder ein. Er mußte jetzt noch allein bleiben, wollte noch einen Augenblick ſeinen Erinnerungen weihen,— da er nicht wußte, ob er nicht der letzte ſein würde.
Den Dichter packte eine Angſt, ein unverkennbares Sehnen. Die Todesahnung in der Bruſt kämpfte einen harten Streit mit der Liebe zum Leben, in welchem die holde Braut ihn mit ſüßem, verheißendem Lächeln erwar⸗ tete. Es war nicht Furcht oder Feigheit, die ihn anfocht — ſie hat Körner niemals gekannt;— aber es war eine ſchmerzliche Trauer, von Allem ſcheiden zu müſſen, was ihm theuer geweſen, die ihn weich ſtimmte und ſeine Bruſt mit bangem Weh erfüllte. Er war ja ſo glücklich, ſo unendlich ſelig geweſen, er hatte das höchſte Glück, den ſchönſten Hochgenuß des Lebens, den ganzen Zauber und Schmelz reiner Jugendliebe gekoſtet— und nun ſollte er ſterben, ſterben fern von ihr,— ſie nimmer wiederſehen, ſeine Toni!
Zwei große Thränen verdunkelten ſeine ſchönen Augen — dann löſten ſie ſich wie funkelnde Perlen und rannen langſam über die bleichen Wangen nieder. Aber mit ihnen ſchien auch der Druck von Körner'’s Bruſt gelöſt. Er hatte ſeinen Kampf zu Ende gekämpft. Das Herz war dem Muthe unterlegen, der geſchworen hatte, nicht eher das Schwert aus der Hand zu legen, nicht eher die Ge⸗ liebte wiederzuſehen, bis Deutſchland frei ſei und er ihr als freier Deutſcher die Hand reichen könne;— er richtete ſich hoch und kräftig empor und kehrte feſten Schrittes zu den Cameraden zurück.
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
Jetzt konnte er es noch nicht wiſſen, daß er mit dieſer Stunde der Erinnerung ven ſeinen Lieben Abſchied genom⸗ men hatte.
„Bringſt Du uns kein neues Lied mit, Körner?“ rief ihm ein Freund entgegen, als er in dem Kreiſe der Ca⸗ meraden Platz nahm.
„Ja, ich habe etwas. Das Ding iſt freilich noch nicht recht fertig; aber ich will es Euch doch immer vorleſen. Ein Bischen Melodie dazu ſummt mir auch ſchon im Kopfe umher.“
Er zog die Schreibtafel hervor und las:
Du Schwert an meiner Linken, Was ſoll dein heit'res Blinken? Schauſt mich ſo fre undlich an, Hab' meine Freude dran! Hurrah!
„Mich trägt ein wack'rer Reiter, Drum blick' ich auch ſo heiter, Bin freien Mannes Wehr,. Das freut dem Schwerte ſehr.“ Hurrah!
Ja, gutes Schwert, frei bin ich, Und liebe dich herzinnig, Als wärſt du mir getraut, Als meine liebe Braut. Hurrah!
„Dir hab' ich ja ergeben Mein lichtes Eiſenleben; Ach, wären wir getraut! Wann holſt du deine Braut?“ Hurrah!
Zur Brautnachts⸗Morgenröthe Ruft feſtlich die Trompete: Wenn die Kanonen ſchrei'n, Hol' ich das Liebchen ein. Hurrah!
der freien Compoſition des Dichters hervorgeht. Eine geringere Breite und Vielſeitigkeit würde oft von ſelbſt zu einer beträchtli⸗
cheren Tiefe und feſſelnderen Einſeitigkeit geführt haben, denn die
ſchönſte Spannung für den Leſer iſt diejenige, welche aus einer wahrhaften Schilderung des Einfachen hervorgeht. dazu auch etwas nöthig, was man ſtets ungern vermißt: Liebe zur Natürlichkeit, zur realen, geſunden Auffaſſung des Lebens. Nur dadurch werden Uebertreibungen und ſeltſame Unmöglich⸗ keiten verhütet.
Der große Leſerkreis findet hierfür leicht in der Anſpannung des ſtofflichen Intereſſes eine Entſchädigung. O. B.
Eaſt Lynne. Von Frau Henry Wood. Engliſchen von Heinrich Hammer. Leipzig, Günther. 1862.
Ein vierbändiger, ſehr breit ausgeführter Roman von echt engliſcher Färbung. Er trägt den ſpecifiſchen Ton, welcher die Frauenwerke in der engliſchen Literatur kennzeichnet. Doch iſt er nicht vorherrſchend auf Rührung und Schulmoral angelegt, ſondern greift die geſellſchaftlichen Zuſtände in der Ariſtokratie auf und an, und bewegt ſich in ſehr ſtofflichen Intereſſen.
Dieſe zu charakteriſiren, braucht bloß der eine Zug erwähnt zu werden, daß in dieſer Erzählung ein todter Mann, eine Leiche, von Gläubigern arretirt wird, eine Scene, die in ihrem Effect den Schauern einer Geſpenſtergeſchichte gleich zu ſtellen iſt. In der Entwicklung der Charaktere haben die engliſchen Autoren immer jenen Vorſprung vor den meiſten deutſchen, der ſich auf eine alte gute Schule in der Kunſt der Romandarſtellungen gründet
Voigt und
Freilich iſt
Aus dem
und ſchon allein durch die ungenirte oben erwähnte Ausführlich⸗ keit geſtützt wird..
So iſt es auch hier der Fall, und wo uns auch der Geſammt⸗ ausdruck der Compoſition nicht erwärmen kann und kein genügen⸗ der Fond von Poeſie durch dieſelbe durchbricht, werden wir doch entſchädigt oder geblendet durch einen realen Anhalt an die Ver⸗ hältniſſe der Wirklichkeit, die faſt immer mit Specialkenntniß ge⸗ braucht und enthüllt ſind. 1„
Die Uebertragung empfiehlt ſich durch flüſſige Verſtändlich⸗ keit, und die elegante Ausſtattung ſchließt ſich den übrigen im ſelben Verlag erſchienenen Werken an. O. B.
Hochdeutſche Gedichte von A. W. Greifswalde, Koch's Verlagsbuchhandlung. 1862.
Die Verfaſſerin iſt dieſelbe, welche ſich früher ſchon in platt⸗ deutſchen, ſeit Claus Groth ſo ſehr beliebten Gedichten verſucht hat. Sie gab:„En por Blomen“ und„Nige Blomen ut Anne⸗ marik Schulten ehren Gohren“ heraus.
Die Dame hat diesmal ihre Lieder in hochdeutſcher Mundart geſchrieben und ſie in„Sträuße“ eingetheilt, deren ſich vier Gruppen im Inhaltsverzeichniſſe vorfinden.
„Freude ſchwingt die goldnen Flügel In dem reinen Aetherblau, Drückt des ſchönſten Kuſſes Siegel Still auf jede Blumenau.
Auf die klare Stirn des Himmels, Auf die Erde jung und neu,
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