746 blick auf ſie, der Helene ein Unbehagen verurſachte, deſſen Grund ihr entging.
Nach dieſem Grunde forſchte ſie eifrig, und eines Ta⸗ ges, als Elſie erſchöpft ſchlief, glaubte Miß Darley, er⸗ muthigt durch das ſtets wachſende Vertrauen, welches Dudley Venner ihr zeigte, die alte Sophie über die Ver⸗ gangenheit der jungen Kranken befragen zu können.
Die alte Negerin war anfangs etwas eiferſüchtig ge⸗ weſen, hatte ſich aber endlich der milden Gewalt gefügt, welche die liebenswürdige Helene ausübte, und antwortete ihr jetzt ohne allzuviele Zurückhaltung.
„Wie alt iſt Elſie?“ hatte Miß Darley gefragt.
„Seit dem vergangenen September achtzehn Jahre.“
„Seit wie lange hat ſie ihre Mutter nicht mehr?“ fuhr Helene fort, deren Stimmee ein wenig zitterte.
„Seit October achtzehn Jahre,“ erwiderte die alte Sophie.
Helene blieb einen Augenblick ſchweigend.
Dann flüſterte ſie kaum hörbar:
„Worau ſtarb die Mutter Elſie's?“
Die kleinen Augen der Negerin öffneten ſich groß bei dieſen Worten. Sie ergriff die Hand Helene's mit einer Bewegung plötzlichen Schreckens und wendete den Kopf nach Elſie hin, als hätte ſie gefürchtet, dieſe bei der unweſentlichen Anſpielung aus dem Schlafe emporfahren zu ſehen.
„Still!— ſtill!“— ſagte ſie, nachdem ſie Miß Darley bis auf den Gang geführt hatte, wo ſie beſorgte Blicke umherſandte, ehe ſie ſprach.—„Man ſpricht davon hier nie.— Gott weiß ohne Zweifel, weßhalb er dieſen fürchterlichen Thieren die Gewalt gegeben hat, zu tödten, — weßhalb er zugab, daß meine arme Elſie, noch ehe ſie geboren war, von dieſem Fluche getroffen wurde! Miß Darley, es war an einem Julitage, als Miſtreß Venner den tödtlichen Stich bekam. Allein ſie überlebte die Ge⸗ burt ihres unglücklichen Kindes noch um drei Wochen.“
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
Schluchzend erſtickte ihr)e Stimme; aber ſchon hatte ſie genug geſagt, und das, was ſie gehört hatte, mit den eigen⸗ thümlichen Traditionen zuſammenſtellend, welche in Rock⸗ land über Elſie im Umlauf waren, hatte Miß Darley ſo ziemlich Alles errathen.
Sie konnte ſich jetzt Rechenſchaft von der Entfrem⸗ dung geben, die ſie noch zuweilen für ihre junge Kranke empfand, ſie erklärte ſich den unabläſſigen Kampf der bei⸗ den feindlichen Principien, welche ſich eine der ſchönſten Organiſationen, eine der ſtolzeſten Seelen, die es je gab, ſtreitig machten. Daher das Bedürfniß der Hingebung, unterdrückt durch den Inſtinct des Alleinſtehens und in einiger Beziehung durch das Verlangen nach Finſterniß. Daher dieſe Augen ohne Thränen und dieſe Lippen ohne Worte; daher dieſer kalte und ausdauernde Zorn, der auf die Gelegenheit mit der ſtummen Erwartung der in ſich ſelbſt zuſammengerollten Schlange lauerte.
Eine ſolche Entdeckung mußte ihr Elſie in einem neuen Lichte zeigen, und ehe ſie zu dieſem Opfer eines unerhör⸗ ten Verhängniſſes zurückkehrte, wollte ſie den Sinn der Vorſehung ergründen, den ihr die Erforſchung einer ſolchen Exiſtenz bot.
„Wie!“ ſagte ſie zu ſich, indem ſie in den Garten hinausging,„iſt es denn möglich, daß der Wille, dieſe einzige Quelle der Freiheit, ſo, ſelbſt noch vor der Geburt, vergiftet werden kann? Und wenn das iſt, wie dürfen wir uns das Recht anmaßen, über die zu urtheilen, die wir mit Unrecht unſers Gleichen nennen!“ 1
Dann folgten andere Fragen, noch fürchterlichere, über den Theil des Einfluſſes, den die Elemente und die phy⸗ ſiſche Conſtitution auf die Bildung des moraliſchen Weſeus haben.
Die junge Lehrerin ließ ſich durch dieſe Gedanken mehr und mehr erweichen, als ſie plötzlich Jemand hinter ſich gehen hörte. Es war Dudley Venner, der zu ihr trat, um mit ihr, wie er ſagte, von der jungen Kranken zu ſpre⸗
empfiehlt daher den Genuß des Kaffees den Greiſen und ebenſo
den Perſonen, welche das Alter von funfzig Jahren erreicht haben.
Man ſoll täglich, je nach dem Bedürfniſſe, den Umſtänden und der Vollblütigkeit der Individuen gemäß, zu verſchiedenen Zeiten eine, zwei, drei, ja ſelbſt vier Taſſen Kaffee trinken. Natürlich entbindet der Genuß des Kaffees Niemanden von der Beobach⸗ tung der gewöhnlichen, für die Erhaltung der Geſundheit noth⸗ wendigen Vorſichtsmaßregeln.
Doctor Petit erwähnt zur Unterſtützung ſeiner Meinung
zahlreiche Beiſpiele, die er unter den Fällen ausgewählt hat, welche er in der Ausübung ſeines ärztlichen Berufs und bei der Leitung ſeiner Kaltwaſſerheilanſtalt in Chateau⸗Thierry zu beob⸗ achten Gelegenheit hatte. Dieſe Beobachtungen ſollen den Be⸗ weis dafür liefern, daß der Genuß des Kaffees als ein Mittel, das Leben zu verlängern, betrachtet werden kann. Sie empfehlen ſogar den Genuß deſſelben bei Congeſtionen und Blutandrang im Gehirn, die faſt immer einen tödtlichen Ausgang nehmen, und ge⸗ gen welche die Kunſt nur ſehr wenig Mittel beſitzt. Das iſt in⸗ deſſen ein mediciniſcher Punkt, der mit der herrſchenden Praxis gänzlich im Widerſpruch ſteht und der jedenfalls erſt noch ein tie⸗ feres Studium und bündigere Thatſachen, als die von dem Ver⸗ faſſer dieſer Flugſchrift aufgeſtellten, bedarf, ehe er als gültig angenommen werden kann.
Die Art und Weiſe, wie der Kaffee auf die Verdauung des Menſchen einwirkt, veranlaßt den Doctor Petit noch zu dem Rathe, ſich des Kaffees zu bedienen, um die Gicht, den Nieren⸗ gries und die Anlagen dazu zu bekämpfen. Ueber dieſen Punkt iſt er mit dem Doctor Trouſſeau vollkommen einerlei Meinung, der den Kaffee in ſolchen Fällen in ſeiner Schrift:„Traité de
matière médicale et de thérapeutique“ empfiehlt und zur Unter⸗ ſtützung ſeiner Meinung daran erinnert, daß die Gicht und der Nierengries im Orient und auf den Antillen, wo man außeror⸗ dentlich viel Kaffee trinkt, faſt gänzlich unbekannt ſind. Das ſind die wichtigſten Thatſachen, die in der Denkſchrift des Doctor Petit enthalten ſind. Wir ſind weit entfernt, uns für die Richtigkeit einer ſeiner Behauptungen zu verbürgen, allein die von ihm ausgedrückten Anſichten ſind originell genug und über⸗ dies durch ſo ernſte, wiſſenſchaftliche Erwägungen unterſtützt, daß wir wohl annehmen können, dieſelben werden in unſern Tagen, wo der Kaffeegenuß ſo allgemein iſt, den meiſten unſerer Leſer nicht unwillkommen ſein. C.
Aus der Natur.
Das Zodiakallicht. Dieſes Phänomen, auf das Herr Faye kürzlich die Aufmerk⸗ ſamkeit der jetzt in Mexico befindlichen franzöſiſchen Officiere gelenkt hat, beſteht aus einem Kegel weißlichen Lichtes, welcher die Sonne zu ſeiner Grundlage hat und gemeiniglich zur Zeit der Tag⸗ und Nachtgleiche bei dem Sonnenauf⸗ und Untergang zu bemerken iſt. In unſern Breitegraden iſt daſſelbe eine ſehr ſeltene Erſcheinung; je näher man aber dem Aequator kommt, um deſto größer iſt der Glanz dieſer Naturerſcheinung. Innerhalb der Wendekreiſe iſt ſie beinahe beſtändig zu bemerken. Um die Erſcheinung dieſes Lichtkegels am Himmel zu erklären, hat man die ſonderbarſten Theorien erdacht. Einige betrachten dieſes Zo⸗ diakallicht als eine Art von perſpectiviſcher Abbildung eines oder
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