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Indem ſie ſo ſprach, wendete ſie ſich zu ihm.
Ihr Geſicht, das ſie ihn zwang zu betrachten, war todtenblaß, und über ihren Diamantaugen ſchwebte Etwas wie ein Schleier, der unter andern Augenlidern als denen Elſie's ſich ohne Zweifel zu zwei großen Thränen verdichtet haben würde.
„Ihre Augen ſind ſehr ſchön, Elſie,“ ſagte Bernhard; „zuweilen haben ſie einen Glanz, der ſchwer zu ertragen iſt,— für den Augenblick aber ſind ſie mild und laſſen er⸗ rathen, daß in Ihnen viele koſtbare Eigenſchaften liegen, aus denen eine wahre Freundſchaft große Vortheile ziehen könnte.— Elſie, ich bin aber Ihr Freund, mögen Sie es nun wiſſen oder nicht.— Sagen Sie mir, was ich thun kann, um Ihre Exiſtenz glücklicher zu machen, als ſie mir zu ſein ſcheint.“
„Lieben Sie mich!“ ſagte Elſie Venner einfach.
Man ſtelle einer ſolchen Forderung und dem Geſtänd⸗ niß, welches dieſe enthält, den unbefangenſten Menſchen gegenüber und frage, was er thun würde.
Bernhard empfand die lebhafteſte, die peinlichſte Auf⸗ regung, die demüthigendſte zugleich, wie er mir ſagte. Er wurde ſeinerſeits ſehr blaß und fühlte ſich auf dem Punkte zu zittern, wie ein Mädchen, vor dem ſich die Stimme eines Liebhabers, die noch unbekannten Ausſichten auf eine ſtürmiſche Leidenſchaft eröffnen.
„Elſie,“ ſagte er gleich, ohne lange zu zögern,„ich wünſche ſo ſehr Ihnen eine Stütze, ein nützlicher Beiſtand zu ſein, Ihre Sympathie und Ihr Vertrauen zu gewinnen, das ſelbſt nichts ſagen, nichts thun oder laſſen darf, was uns gegeneinander in eine falſche Stellung bringen kann. Die Zuneigung, die ich für Sie hege, Elſie, iſt die, welche mir eine Schweſter einflößen würde, die einen verborgenen Kummer leidet,— deren Heil ich mich widmen möchte, ſollte ich darüber auch mein Glück und mein Leben in Ge⸗ fahr ſetzen. Mehr als irgend ein anderes junges Mäd⸗ chen, das ich kenne, bedürfen Sie eines aufrichtigen Freun⸗
des. Den können Sie in mir finden, und gewiß haben Sie nie etwas Anderes gewünſcht. Nur ließen Ihre Aufregung und Ihre Unruhe Sie lebhafier den ſehr na⸗ türlichen Durſt nach einer wahren Zuneigung empfinden. — Geben Sie mir Ihre Hand, theure Elſie, und ver⸗ trauen Sie mir. Vertrauen Sie mir, als ob meine Mutter auch die Ihrige geweſen wäre.“
Maſchinenmäßig reichte ſie ihm ihre Hand. Als er ſie nahm, war es ihm, als ob ein eiſiger Hauch ihm bis zum Herzen dringe. Gleichwohl drückte er ſie theilnahmsvoll und richtete auf das junge Mädchen einen Blick voll ernſter Güte, voll trüber Theilnahme;— dann ließ er ihre mar⸗ morne Hand langſam herabfallen.
Für die arme Elſie war Alles geſagt.
An der Thür des Landhauſes verließ ſie Bernhard, ohne daß Eines von ihnen wieder das Wort ergriffen hatte. Er verließ ſie, nicht ohne finſtere Ahnungen mit hinwegzunehmen.
XVII. Als Sophie am Abend ihre junge Gebieterin, die ſich gleich, nachdem ſie nach Hauſe gekommen, auf ihr Zimmer
zurückgezogen hatte, nicht wieder erſcheinen ſah, konnte ſie
ſich der Furcht nicht erwehren.
Sie ging zu der Zimmerthür Elſie's; ſie war von innen nicht verſchloſſen. Die gute Negerin trat auf den Fußſpitzen ein, und bei dem Anblick des jungen Mädchens, das mit todtem Blick, das Bild grauſamer Qual, auf dem Bette lag, glaubte ſie anfangs an eine That der Verzweif⸗ lung.
Aelſt errieth ihre geheimen Gedanken.
„Nein,“ ſagte ſie,„beruhige Dich,— ſo weit bin ich noch nicht.— Laß den Doctor holen.— Wenn er mich nur von dieſem unerträglichen Kopfſchmerze befreien könnte.“
Der Doctor kam auf deu erſten Ruf. Er beſaß jene
von 84 Jahren, während ſein Geiſt fortwährend kräftig und ſein Körper faſt jugendlich blieb, und hätte der Philoſoph von Ferney nicht in unkluger Weiſe der Verſuchung nachgegeben, in dieſem Alter nach Paris zu reiſen, um ſich dort der köſtlichen, aber zu ſtarken Aufregung eines öffentlichen Triumphs zu erfreuen, ſo ſpricht die Wahrſcheinlichkeit dafür, daß er noch ein höheres Alter erreicht haben würde. Fontenelle, ein ſehr ſtarker Kaffeetrinker, erreichte das Alter von 100 Jahren(er lebte von 1657— 1757) und bewahrte ſich eine ganz ungewöhnliche Lebhaftigkeit des Gei⸗ ſtes und eine moraliſche Energie.
Dieſe beiden großen Beiſpiele werden, zu Ehren und zum
Ruhme der wohlriechenden Moccabohne ſeit langer Zeit citirt. Jetzt hat aber ein Arzt eine Reihe mediciniſcher Beobachtungen zu Gunſten des hygieniſchen Gebrauchs des Kaffees aufgeſtellt, welche beſtimmte Beweiſe der Wohlthätigkeit deſſelben darbieten. Es iſt dies der Doctor Petit in Chateau⸗Thierry, der eine beſon⸗ dere Flugſchrift über dieſen Gegenſtand unter dem Titel:„Pro- longation de la vie humaine par le café“ der Akademie der Wiſſenſchaften in Paris überreicht hat. Die Thatſachen, auf welche der Verfaſſer ſich ſtützt, ſprechen augenſcheinlich zu Gunſten des Kaffee, der übrigens in unſern Tagen überall zu Hauſe und beliebt iſt, ja ſogar ganz neue geſellige Gewohnheiten in's Leben gerufen hat. Der Doctor Petit ſtützt ſich nicht auf rein individuelle oder iſolirte Beobachtungen, ſondern auf bekannte und bewieſene öffentliche Thatſachen, die wegen ihres allgemeinen Charakters nicht als bloße Zufälle oder als die Folge einer zufälligen Zuſam⸗ menwirkung beſonderer Umſtände betrachtet werden können.
Znnächſt führt er die Leſer ſeiner Flugſchrift an die Grenzen
des Norddepartements in die Kohlengruben von Charleroi, wo Tauſende von Menſchen täglich zwölf Stunden lang im Innern der Erde beſchäftigt ſind, die Maſſen von Steinkohlen zu gewin⸗ nen, welche in den Fabriken der dortigen Gegend verbraucht wer⸗ den. Man findet dort kräftige Arbeiter, deren Aeußeres eine robuſte Geſundheit und die größte Muskelſtärke ankündigt. Und dennoch iſt ihre Nahrung weder ſubſtantiell, noch reichlich, denn ſie beſteht täglich aus drei oder vier Portionen Kaffee und einigen Kartoffeln und wöchentlich einem Pfund Fleiſch. Damit begnü⸗ gen ſich die Arbeiter in den Kohlengruben von Charleroi. Dieſe Leute brauchen zu ihrer täglichen Rahrung um den vierten Theil weniger, als für die Erhaltung der Kräfte bei andern Individuen für nothwendig erachtet wird; 1500 Gramme genügen ihnen reich⸗ lich zur täglichen Nahrung unter Umſtänden, wo andere Arbeiter 2000 Gramme oder 2 Kilogramme brauchen würden.
In der Nähe des Rieſengebirges in Böhmen und an den Karpathen leben arme Landleute, die alle gleichzeitig ſich mit der Weberei beſchäftigen. Dieſe unglücklichen, von Allem entblößten Leute, die ihren Hunger oft nicht einmal mit Kartoffeln zu ſtillen im Stande waren, ſahen Skeleten ähnlicher als Menſchen und waren in einen beklagenswerthen Zuſtand gekommen⸗ Endlich kamen die Aerzte der dortigen Gegend auf die Idee, dieſe Leute an den regelmäßigen Genuß des Kaffees zu gewöhnen. Der Verſuch glückte über jede Erwartung, und dieſe Wever haben jetzt in Be⸗ treff der Geſundheit und Stärke die Arbeiter in andern Ländern nicht mehr zu beneiden. Um dieſen armen Bergbewohnern den Genuß des Kaffees zu erleichtern, hat die öſterreichiſche Regierung kürzlich den hohen Einfuhrzoll auf den Kaffee ermäßigt.
Von dieſen intereſſanten Thatſachen hat ſich der kürzlich in
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