Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
742
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fallen möge, Mitleid mit einem unverdienten Schmerze zu haben.

Das war ein wirkliches Räthſel für den frommen Geiſtlichen, der keines ſeiner Beichtkinder wußte, welches ſich in einem ſo verzweifelten moraliſchen Zuſtande be⸗ fand.

War es ein Mann? War es ein Weib? Die Bitte ſprach ſich darüber nicht aus.

Nachdem der ehrwürdige Herr einige Augenblicke das Papier hin und her gedreht hatte, verfiel er wieder in den Verlauf ſeiner gewöhnlichen Gedanken. Dieſe waren ſeit einiger Zeit ſehr ernſter Art, denn er fühlte ſich von Mei⸗ nungen ergriffen, die er für Ketzerei halten mußte und die ihm viel zu denken gaben.

Proteſtant zu ſein, die geiſtliche Sorge für viele See⸗ len auf ſich zu haben und ſich, ſo zu ſagen, unwillkürlich den verabſcheuten Lehren des Katholicismus zuzuwenden, welch ein Grund zur Verwirrung!

Was ſoll ich ihnen morgen predigen? Großer Gott, was ſoll ich predigen? fragte ſich unſchuldig der fromme Geiſtliche.

Und um gewiſſer zu ſein, ſich nicht gefahrvollen Möglichkeiten der Improviſation auszuſetzen, zog er aus einem Pack alter, vergilbter Papiere zwei Predigten her⸗ vor, die er als Ergüſſe untadelhafter Orthodoxie erkannte. Während er ſie aufmerkſam las, um daraus die beſte Predigt zu wählen, ſchwand ihm allmählich die anonyme Bitte, die ſoeben in ſeine Hände gelegt worden war, aus dem Gedächtniſſe.

Sie befand ſich ſchon in der Tiefe ſeiner Taſche, zwi⸗ ſchen vielen andern ungleich wichtigern Papieren, und er vergaß ſie hier am nächſten Tage, als er aufbrach, um den gewöhnlichen Gottesdienſt zu halten.

Die von Qualen ergriffene Seele hörte nicht eine Stimme ſich in dem Tempel erheben, um ihr Elend der Gaade des Höchſten zu empfehlen.

Uoveilen-

Zeitung.

Die Gebete endeten, ohne daß er diePerſon er⸗ wähnt hatte, die ſich den biedern Sympathien der Gemeinde empfahl, und die Gläubigen ſetzten ſich wieder, um die Predigt anzuhören.

Aber Elſie Venner blieb ſtehen, mit verwundertem Blick und halb geöffnetem Munde.

Ihr Vater mußte ihren Arm berühren, um ſie darauf aufmerkſam zu machen, ſich nicht ſo bloßzuſtellen.

Sie ſetzte ſich darauf und blieb ſo regungslos ſitzen, wie auf einem eiſigen Bergesgipfel die Leiche eines Rei⸗ ſenden, den der Froſt getödtet hat.

Am ſelben Abende ordnete die alte Sophie das Haar ihrer Gebieterin. Es war vom Thau durchnäßt.

Elſie hatte mehrere Stunden hintereinander denBerg durchſtreift.

Die brave Negerin erlaubte ſich nicht die geringſte Frage; allein Elſie ſah in dem Spiegel, vor welchem ſie ſaß, das beſorgte Geſicht des treuen Geſchöpfes.

Nicht wahr, fragte ſie endlich,Du willſt wiſſen, was mich beunruhigt? Nun, es iſt, daß Niemand mich liebt, daß ich Niemand lieben kann. Sophie, ſage mir doch, was iſt denn die Liebe?

Die arme Negerin hatte darüber ſehr unvollſtändige

Begriffe. Indeß bewahrte ſie fromm und ſeit beinahe fünf⸗ zig Jahren an einer ſchwarzen Schnur, die um ihren Hals hing, die Hälfte eines ſpaniſchen Dollars, den ihr ein junger Seemann gegeben hatte, als er zu einer langen Reiſe aufbrach. Die andere Hälfte ruht auf dem Grunde des ſtillen Oceans, unter den Trümmern eines Schiffes, das an einer Klippe zerſchellte. Sie hatte dieſen Dollar mehr als ein Mal Elſie gezeigt und ihr hierbei die Ge⸗ ſchichte deſſen erzählt, was ſie ihreverfehlte Heirath nannte.

Statt aller Antwort zog ſie aus ihrem Buſen dieſe halbe Reliquie und drückte ſie fromm gegen ihre dicken Lippen.

erfolgten Tode wurde endlich das jetzt noch ſehr gewöhnliche Flintenſchloß und das Bajonnet erfunden. Im Jahre 1640 hatte man ſchon in Frankreich ein mit dieſer Waffe verſehenes Cavalle⸗ rie⸗ und im Jahre 1645 ein ſolches Infanterie⸗-Regiment. Man nannte die Mannſchaften Füſeliere, womit man in der Folge nur die mit Flinten verſehene Infanterie bezeichnete. Das Bajonnet war eine Nachahmung des von aſiatiſchen Völkern, namentlich den Malaien, auf das Gewehr geſteckten DolchsKris genannt und wurde 1679 von den Franzoſen allgemein eingeführt.

Eine beſondere Truppengattung waren dieArquebuſiere (oder Arkebuſiere) mit der gegen das Ende des 15. Jahrhunderts erfundenenArquebuſe, einem ſchweren Gewehre mit Radſchloß, und dieGrenadiere. Von den Schweden 1634 zuerſt ange⸗ wendet, von den Franzoſen aber erſt eingeführt, dienten dieſe letz⸗ teren anfänglich nur zum Werfen vonGranaten oder kleinen, mit Pulver gefüllten Hohlkugeln. Da man dazu nur ausgezeich⸗ nete Leute brauchte, ſo formirte man ſpäter beſondere Compag⸗ nien und Bataillone aus ihnen, und ſtellte dieſe an die Spitze wichtiger Unternehmungen.

Die Jägercorps bildeten ſich im dreißigjährigen Kriege. Man brauchte ſie zu Vorpoſten und dem kleinen Kriege. Wilhelm, Land⸗ graf von Heſſen, hatte 1631 bereits drei Jägercompagnien, und der Kurfürſt von Baiern, Maximilian I. oder der Große, errichtete 1645 drei Regimenter Jäger.

Widmen wir nun noch dem ſchweren Geſchütze einige Augen⸗ blicke, ſo finden wir bald nach der Berthold Schwarz'ſchen Erfin⸗ dung oder auch nur Bekannterwerdung des Schießpulvers unbe⸗ hülfliche, aus eiſernen(Anfangs ſogar nur aus hölzernen) Stä⸗ ben zuſammengeſetzte, durch eiſerne Reifen zuſammengehaltene

Maſchinen, ſtatt deren man aber bald aus Glockenmetall Glockenſpeiſe hohle Kanonen zu gießen begann, deren die Franzoſen ſich ſchon 1328 bedienten. Man nannte ſieBom⸗ barden oder, wenn ſie kürzer waren,Mörſer. In der Schlacht bei Rieſenberg eroberten die Huſſiten 150 Kanonen; und Karl der Kühne, Herzog von Burgund, hätte faſt durch die Menge ſei⸗ ner Kanonen die merkwürdige Schlacht bei Murten in der Schweiz am 22. Juni 1476 gewonnen, wenn nicht die wackern Schweizer durch raſchen Anlauf die Burgundiſchen Batterien genommen und von hier aus die eroberten Kanonen auf die Burgunder ſelbſt ge⸗ richtet hätten. Die Mörſer und Bomben ſoll Sigismund Pan⸗ dulph Malateſta, Fürſt von Rimini, in Italien in der Mitte des 15. Jahrhunderts erfunden haben. Sie waren anfangs nur eine Art Fäſſer von hölzernen Dauben, mit eiſernen Reifen gebunden und auf einem ſchweren Klotze befeſtigt. Die Kugeln des da⸗ maligen ſchweren Geſchützes waren von Stein, ſeit dem Jahre 1400 von Eiſen. Von dem Geſchütze ſelbſt hatte man ſehr viele Arten, die man oft unter dem einen NamenKarthaunen be⸗ griff. Mit ihnen ſchoß man die eiſernen, mit denHauffnits

(woraus ſpäter das WortHaubitze ſich bildete) die ſteinernen, oft bis 200 Pfd. wiegenden Kugeln. Um die Kanonen leichter und transportabler herzuſtellen, machte der ſchwediſche Oberſt von Wurmbrand im dreißigjährigen Kriege 1626 den Verſuch mit ſo⸗ genanntenledernen Kanonen, die ein ſtarkes kupfernes Rohr hatten, mit eiſernen Reifen belegt und mit ſtarken Tauen und ge⸗ branntem Leder überzogen waren. So gefährlich aber auch die⸗ ſelben allerdings waren, ſo wenig praktiſch erwieſen ſie ſich ſchon deßhalb, weil ſie wegen ihrer großen Leichtigkeit zu weit zurück⸗ prallten und wegen ihres dünnen Rohrs ſich zu ſehr erhitzten; da⸗

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