Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
740
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Er ging indeß in einige Einzelheiten ein. Als er zu der Schilderung des Kampfes gelangte, zu den Gefahren, welchen Bernhard Langdon ausgeſetzt war, wendete Elſie den Kopf ab und ſtützte ſich auf das Fenſterbret, von wo man auf dem Raſen das kleine Grab mit der weißen Marmoraafel ſehen konnte.

Dudley, welcher ihr mit beſorgtem Blicke folgte, begriff,

daß ſie in dieſem Augenblicke gegen einen der Anfälle des

Haſſes kämpfte, welche ſie zuweilen ſo fürchterlich machten.

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

Elſie kniete nieder und wollte beten; allein bald rich⸗ tete ſie ſich getäuſcht wieder empor. Sie glich einem Rei⸗ V ſenden, der durch eine Luftſpiegelung betrogen wird, am Rande des Weges niederkniet, den er für eine Quelle hält, und deſſen Lippen nur auf brennenden Sand treffen.

XV. Seitdem ich Sie nicht geſehen habe, Helene, bin ich

In dem Augenblicke, als er die unerwartete Rettung geſtorben und jetzt wieder zum Leben auferſtanden!

Bernhard's und die Gefangennahme Dick's erzählte, wen⸗

dete ſie ſich um, die Stirn ſtrahlend in befriedigendem Zorne und geringſchätzender Freude; dann ſtützte ſie ſich wieder auf das Fenſter und ſchien in die Betrachtung eini⸗ ger Pfauentauben zu verſinken, die ihre Lieblinge waren und auf dem Grabhügel miteinander ſpielten.

Eine derſelben, welche hier und dort einige Ueberbleib⸗ ſel des Thee's vom vergangenen Abend, welche hier aus⸗ gegoſſen worden waren, aufpickte, ſchlug plötzlich mit den Flügeln, taumelte und ſank mitten unter ihren Gefährtin⸗ nen todt nieder.

Elſie ſtieß einen herzzerreißenden Schrei aus, ſtürzte

zu dem Cabinet hinaus, raffte das arme Thier auf, be⸗ deckte es mit Küſſen und ſuchte es an ihrer Bruſt wieder zu erwärmen.

Es war zu ſpät. war todt.

Dieſes ſcheinbare gleichgültige Ereigniß hatte hinge⸗ reicht, um den Gedankengang Elſie's zu ändern.

Ein großer Tumult entſtand in ihrer Seele. Finſtere Reue und verzweiflungsvolles Ahnen lieferten ſich einen erbitterten Kampf.

Zu wen ſollte ſie in dieſer Qual ihre Zuflucht neh⸗ men? Nur zu dem, der den geheimen Kummer ſeiner Ge⸗ ſchöpfe kennt und den leiſeſten Seufzern einer menſchlichen Bruſt ſein Ohr leiht.

Der Vogel blieb regungslos: er

Bernhard ſprach ſo aufrichtig ſein innerſtes Gefühl aus. Wir wollen nicht ſagen, in welchem Grade er ſich täuſchte.

Helene blieb ſtumm und betrachtete mit ſchmerzhafter Verwunderung das Geſicht, welches noch die Spuren des überſtandenen Kampfes trug.

Weßhalb iſt er nicht mein Bruder? Wie gern würde ich ihn umarmen! ſagte ſie bei ſich.

Bernhard verſtand ihren feuchten Blick und errieth die Worte, die ihr bebender Mund auszuſprechen ſich wei⸗ gerte; er glaubte, daß ſie ihm ohne zu viel Mühe verzeihen

ſtattete. Er zog ſie dabei an ſein Herz, und ihre Lippen vereinigten ſich einen Augenblick.

Nie verdolmetſchte ein keuſcherer Kuß wahrere Gefühle und beſiegelte eine aufrichtigere Freundſchaft.

Der Unterricht begann wie gewöhnlich, und Elſie Venner nahm ebenfalls wie gewöhnlich ihren Platz ein.

Bei ihrem Eintritt erhob ſich ein unterdrücktes Ge⸗ murmel, und ihre Gefährtinnen ſahen alle mit einem er⸗ ſchrockenen Blick nach ihr, ohne daß ſie darauf im gering⸗

ſten zu achten ſchien. Indeß wendeten ihre Augen ſich von

Zeit zu Zeit auf den jungen Lehrer, ohne ſich darum zu bekümmern, ob man ſie beobachtete oder nicht. Dann ver⸗ loren ſie etwas von ihrem eiſigen Glanze und ſchienen von

träumeriſcher Zärtlichkeit erfüllt zu ſein.

Feuilleton.

05e

Zur geſchichte der Schießwaffen.

Gar Manchen wird Einiges über ihre Entwickelung intereſ⸗ ſiren, da ſie in unſerer Gegenwart leider wieder eine ſo große Rolle ſpielen.

Als Erfinder des Schießpulvers nennt man gewöhnlich den Franziskanermönch Berthold Schwarz zu Freiburg im Breisgau, davon auch oft derſchwarze Barthel genannt. Manche nennen als gleichzeitigen Erfinder Conſtantin Anklitz zu Cöln, obſchon Andere meinen, daß es nur eine und dieſelbe Perſon geweſen und beide Namen dem einen Berthold gehörten. Noch unſicherer iſt die Zeit der Erfindung; ſie fällt in die Jabre von 1290 1320. Indeß iſt es erwieſen, daß man lange vorher und ſchon im Jahre 668 eine Miſchung von Harz, Pech, Oel und Naphtha, und wahr⸗ ſcheinlich auch von Salpeter, unter dem Namen desGriechiſchen Feuers kannte. Die Chineſen, dieſes große, jetzt ſo über die Achſel angeſehene Volk Aſiens, einſt, als wir Deutſchen und Eu⸗

ropäer noch ziemlich ungebildet und weit zurück waren, das culti⸗

virteſte Volk der Erde, ſoll ſelbſt noch viel früher den Gebrauch des Pulvers gekannt haben. DasGriechiſche Feuer wurde entweder in irdene Gefäße verſchloſſen, oder in Kugeln geformt,

welche man anzündete und mit Werfzeugen fortſchleuderte. Aus einer Stelle eines alten arabiſchen Buches vom Jahre 1249 will man den Gebrauch des Pulvers ſchon damals bei den Arabern finden; und ein engliſcher Franziskanermönch, Robert Bacon, der von 1214 1294 lebte, gibt an mehrern Stellen ſeiner gelehr⸗ ten Schriften über Gegenſtände der Naturwiſſenſchaften Recepte von einer dem ſpätern Schießpulver ganz ähnlichen Miſchung, durch die man, wie er ſagt,ein Donnern und Blitzen in der Luft her⸗ vorbringen könne, das noch ſchrecklicher als das natürliche ſei. Das mag nun Alles wahr ſein, man mag auch das Pulver und Feuer gekannt haben, den rechten Gebrauch, den Kriegsgebrauch, kannte man drum noch nicht. Zwar wollen auch hier manche Ge⸗ lehrte behaupten, daß ein deutſcher Predigermönch, Albert der Große, im 13. Jahrhundert das Schießgewehr bereits erfunden habe; die zuverläſſigen Spuren aber fehlen. Ebenſo geht es niit der Erzählung eines franzöſiſchen Schriftſtellers, daß man bei der Vermählung des Königs Theobald von Navarra mit einer Prin⸗ zeſſin von Bourbon im Jahre 1234 bereits Kanonen gehabt habe, und daß die Saracenen im ſechſten Kreuzzuge die Befeſtigungs⸗ werke der franzöſtſchen Kreuzfahrer in der ägyptiſchen Feſtung Damiette durch abgeſchoſſenes Griechiſches Feuer zerſtört hätten.

würde, wenn er ſich alsdann eine brüderliche Liebkoſung ge⸗

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