Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
731
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Ill. Jahrg.

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Nr. 46.] Dritte

Der unerſchrockene Gaucho rang deßhalb nicht minder darnach, auf die Füße zu kommen, angeſpornt durch den Anblick ſeines Feindes, der einige Schritte von ihm am Boden lag, ganz ſeinem Willen preisgegeben.

Ich habe ihn endlich, brummte er zwiſchen den zu ſammengebiſſenen Zähnen.Wenn ich nur nicht, wie mein Thier, ihn verlieren kann; ich habe meinen Cu⸗ chillo!

Allein in eben dem Augenblicke, als es ihm gelang, die Satteldecke, die ihn zurückhielt, zu zerreißen, und er ſein Bein frei machen wollte, packte eine kräftige Hand ihn an der Gurgel, und zwei eiſerne Spitzen neigten ſich bis einen Zoll weit gegen ſeine Bruſt herunter..

Sieh, ſieh! ſagte zu gleicher Zeit eine näſelnde Stimme,es iſt der Portugieſe. Portugieſe, man rühre ſich nicht, oder man nehme ſich vor mir in Acht!

Eine Miſtgabel war in der That die Waffe, deren der redliche Abel ſich bediente, der kein Held von Profeſſion war, und ſich deßhalb nicht vollkommen ſicher fühlte. Er wußte nicht, daß der Portugieſe ſo ziemlich kampfunfähig war, und warf beſorgte Blicke nach der Seite, wo Beruhard noch immer regungslos lag. Es war für ihn eine große

Erleichterung, endlich zu ſehen, wie derſelbe nach einer

oder zwei langen Minuten ſich zu regen begann.

Bei Dick Venner begannen die Inſtincte des Anglo Amerikaners die Oberhand zu gewinnen.

Hundert Dollars in Gold, hier auf der Stelle, weun Sie mich gehen laſſen! ſagte er zu ſeinem derben Wäch⸗ ter mit einer heiſern Stimme.Sie ſehen, daß dem Menſchen nichts Böſes geſchah. Er wird binnen hier und fünf Minuten auf den Beinen ſein. Hunderund⸗ fünfzig Dollars, mein Guter! Zweihundert Dollars und meine Uhr. Sie iſt von Gold, ſehen Sie uur. Nehmen Sie ſie ſelbſt!

Aber Abel hatte nur für den Schützling ſeines Herrn Augen und Ohren. Ohne anvers, als durch ein Achſel⸗

Folge. zucken auf die verführeriſchen Vorſchläge des Portugieſen zu antworten, ſagte er:

Sieh da! Stehen Sie uns ein wenig bei! rief er Bernhard zu, der ſich ſitzend emporrichtete.

Vergebliches Bemühen. Der junge Lehrer war durch ſeinen Fall ſo betäubt, daß ſeine Gedanken ihre Klarheit noch nicht wieder gewonnen hatten.

Was gibt es? Iſt Jemand verwundet? fragte er. Da er ſeinen Hals von irgend Etwas umſchlungen fühlte, fuhr er mit der Hand hin, und durch dieſe kaum mit Ueberlegung ausgeführte Bewegung ſuchte er ſich pon dem Laſſo frei zu machen. Es gelang ihm, die Schlinge des ſelben zu erweitern, aber er dachte nicht einmal daran, den Kopf herauszuziehen. Es konnte als ein Wunder gelten, daß er nicht erwürgt worden war.

Indeß erblickte er auf dem Boden neben ſich ſeinen Revolver; er ergriff ihn wie maſchinenmäßig und wieder⸗ holte beſtändig ſeine alte Frage:Was gibt es denn? Iſt Jemand verwundet?

Kommen Sie etwas ſchnell! rief der unerſchrockene Abel ihm zu, ſobald er mit großer Befriedigung den Re volver erblickt hatte.Geben Sie mir das Spielzeug!

Nehmen Sie dieſes Strickende. Binden Sie die Hand dieſes jungen Menſchen da!

Bernhard gehorchte wie ein Kind dieſen lakoniſchen Befehlen. Dick fühlte, daß jeder Widerſtand vergeblich ſei, und um ſeinen verletzten Arm nicht roh behandeln zu laſſen, ſtreckte er ſelbſt, mit einer Art wunderbarer Gefü gigkeit, die Hände den Banden entgegen. Dabei lauerte er indeß, die Wahrheit zu ſagen, auf eine Gelegenheit zum Entrinnen.

Abel kam von Ueberraſchung zu Ueberraſchung.

Ei, ei! rief er, als Dick feſtgebunden war, und er ſich überzeugte, daß der Laſſo, an deſſen einem Ende Bern hard noch hing, mit dem andern an dem Sattel des Mu ſtangs befeſtigt war.Ei, ei! wiederholte er noch

ſolcheInſolentien von den Dienerſchaften begangen worden, daß am 4. September der Herold und Hoffourier Rudolph in der Stadt ausrufen mußte, daß es Niemand geſtattet ſei, bei den Opern, Komödien u. ſ. w. mehr als zwei Lakaien mitzubringen, welche jedoch unbedingt den Anordnungen der Wachen Folge zu leiſten hätten, widrigenfalls mit 1 Jahr Feſtungsbau, ja ſogar Leibesſtrafe gedroht wurde.

Am 15. September Nachmittags fand im Zwinger das Ju⸗ piterfeſt ſtatt, beſtehend aus einem Carouſſel der vier Elemente, Die Königin und die Kronprinzeſſin ſaßen in einem hölzernen Pavillon, welcher damals an der Stelle des jetzigen Durchgang⸗ thores des Muſeums ſtand. Oberhalb des Portales, welches nach der Oſtraallee führt, befand ſich eine von Mauro gefertigte Ma⸗ ſchine, das Chaos vorſtellend, in welcher Jupiter(Boschi) ſaß.

Dieſe Maſchine bewegte ſich durch ſinnreiche Vorrichtung gegen

die Loge der Kurprinzeſſin, worauf Jupiter eine auf das Feſt be⸗ zügliche Cantate von Lotti ſang. Nach Beendigung derſelben verſchwand die Maſchine, und die Quadrille der vier Elemente helt ihren Einzug durch das ſchon früher erwähnte Portal.

Am 17. September war Türkenfeſt und Nachtſchießen in Ihro Hoheit Garten, welcher davon den Namentürkiſcher Garten erhielt. Es war zu dieſem Feſte eigens eine Truppe talieniſcher Seiltänzer und Akrobaten(Sforzantl), 26 Mann Auch die Janitſcharen⸗ muſik(24 Mann ſtark) wirkte dabei mit.

Am 18. September kam das Dianenfeſt an die Reihe, beſte⸗ ſund aus einer Jagd auf derAlt⸗Dresdner Wieſe ſjetzt die Kieſe zwiſchen der Brücke und den Pontonſchuppen). Der Hof befand ſich unter einem großen Jagdſchirm, der auf der Wieſe er⸗

baut worden war, und hörte von dort aus vor Beginn der Jagd eine Cantate von Heinichen(Diana sul Elba) an. Es nahte ſich zu dem Ende dem Ufer ein von Mauro erbautes vergoldetes und verſilbertes Schiff, welches in Form einer Muſchel den Wa gen der Diana vorſtellte, von Nymphen getragen und von vier Hirſchkühen gezogen wurde. In demſelben befanden ſich die Mit glieder der italteniſchen Oper und der Capelle, Heinichen an der Spitze, um die Cantate auszuführen.. Am 23. September war Venus⸗ oder Damenfeſt im großen⸗ Garten, Nach einem Damenrennen führte man auf einem Platze im Freien, welcher zu dieſer Vorſtellung als Theater eingerichtei worden war, ein franzöſiſches DivertiſſementLes quatre sai- zons auf, welches Sologeſänge, Chöre und Vallets enthielt. Es traten darin 51 Perſonen der vornehmſten Hofgeſellſchaft auf. Im Prologe z. B. erſchienen folgende Dilettanten: Venus, Baro neſſe von Löwenthal; Amor, Graf von Vitzthum; Minerva, Ba roneſſe von Bibra; Mercur, von Jordan, Kammerherr der Köni⸗ gin; Apollo, Fürſt von Lubomirski, Staroſt von Boguslaw; der Elbſtrom, Graf von Oginski, Staroſt von Gordin. Im 1. Auftritte: der Frühling, von Rockeleng, Capitain der Cavalle rie; Flora, Fräulein von Pflugk. Im 2, Auftrltte: der Sommer, von Jordan; Ceres, Baroneſſe von Bibra. Im 3. Auftritte: der Herbſt, Graf von Oginski; Bacchus, von Rockeleng. Im 4. Auf tritte: der Winter, Fürſt von Lubomirski. Die Ballets wurden ebenfalls von Herren und Damen aus den erſten adligen Famt lien des Landes getanzt. Die Chöre wurden von den Theater⸗ mitgliedern geſungen, der inſtrumentale Theil von der Capelle ausgeführt, Dieſes Perſonal bildete auf offenen Wagen das bunte Ende des phantaſtiſchen Zuges, der ſich zum Damenfeſte