Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
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Gehen Sie, und Gott beſchütze Sie! ſagte, ohne weiter in ihn zu dringen, die ſanfte und fromme Lehrerin, welche ſich jetzt beinah für die Schweſter Bernhard's hielt, ſo ſehr fühlte ſie ſich als ſeine Freundin.

Obgleich Bernhard ſein ruhiges Aeußere bewahrte, hatte er doch die Rückwirkung von Helenens Aufregung empfunden. Er wundeerte ſich, daß er an die Stelle der Schrift dachte, in welcher geſchrieben ſteht, daß der Engel des Todes ſeine Opfer zuweilen im Schlafe überraſche. Er wunderte ſich noch mehr und erröthete beinahe über ſich ſelbſt, daß dieſer Gedanke ihn an die Rathſchläge des Doc⸗ tors erinnerte, und überraſchte ſich ſelbſt dabei, wie er in die Taſche ſeines Ueberrockes den Revolver ſteckte, den der würdige Arzt ihm gegeben hatte.

XII.

Als Langdon die ſchon in Schlaf verſunkene kleine Stadt verlaſſen hatte, befand er ſich in der tiefſten Ein⸗ ſamkeit. Obgleich ſeine Aufmerkſamkeit ſehr wach war, ſah er doch nichts ſich regen und hörte nichts, als das Quaken der Fröſche in dem entfernten Sumpfe oder den klatſchenden Flügelſchlag der Fledermäuſe. Nach einigen Minuten ſchien es ihm iudeß, als ob er auf der Straße den Hufſchlag eines Pferdes hörte, und als er aufblickte, ſah er in der That einen Reiter, der ohue alle Haſt ihm entgegen kam. Der Mond war in dieſem Augenblicke durch eine leichte Wolke verſchleiert, und der Reiter wie ſein Thier zeigten nur eine undeutliche Gruppe, einen ſchwarzen Fleck auf dem weißen Streifen des Weges. Bernhard hatte mit inſtinctmäßiger Bewegung die Hand bereits auf den Griff ſeines Revolvers gelegt. Schon machte er ſich Vorwürfe über dieſe allzugroße Vorſicht, als der Mond aus den Wolken hervortrat und die beiden nächtlichen Wanderer einander erkannten.

Uovellen-Zeitung.

Der Reiter zog einen Augenblick den Zügel an, und

nach einem Halt von zwei Secunden, die er darauf ver⸗ wendete, ſich zu überzeugen, daß er ſich nicht täuſchte, ſprengte er im ſchnellſtei: Galopp ſeines Pferdes auf den Fußgänger zu; dabei erhob er ſich in den Bügelu in die Höhe und ſchwang um ſeinen Kopf einen Gegenſtand, den Bernhard bei derEutfernung, in welcher er ſich befand, nicht deutlich erkennen konnte.

Dieſe unerwartete drohende Bewegung wirkte ſtärkend auf die erſchütterten Nerven des jungen Lehrer, und nach⸗ dem er raſch den Hahn ſeines Revolvers geſpannt hatte, blieb er in Erwartung ſtehen, iudem er doch an irgend einen ſchlechten Spaß glaubte.

Er hatte übrigens nicht lange Zeit zum Nachdenken. Als der Reiter bis auf zwanzig Schritte herangekommen war, machte er eine plötzliche Bewegung; es fuhr Etwas ziſchend durch die Luft, und Bernhard fühlte ſeine Schul⸗ tern von einem Ringe von Schnur oder Leder um⸗ ſchlungen.

Er erkannte, daß kein Zögern galt; er hob die Waffe und drückte los, nicht auf den Reiter, ſondern auf das Pferd.

Die Aufregung hatte ihn nicht gehindert, gut zu zie⸗ len; der Muſtaug machte einen Satz und ſtürzte leblos zu Boden, den Kopf durchbohrt von einer Kugel; aber der Laſſo war wie gewöhnlich an dem Sattel befeſtigt, und der Sprung des Pferdes hatte den armen Bernhard niederge⸗ riſſen, der regungslos und ohne Bewußtſein liegen blieb.

Dick Venuer, der durch den Sturz ſeines Juan nieder⸗ geriſſen worden war, lag mit dem Beine unter der Leiche des edlen Thieres. Ueberdies hatte einer ſeiner langen Sporen ſich in das Tuch der Satteldecke verwickelt, und er rang vergeblich darnach, ſich loszumachen. Es würde ihm dennoch gelungen ſein, hätte er ſich ſeines rechten Armes bedienen können; allein dieſer Arm war verletzt und ſo, daß jede Bewegung deſſelben ihm einen lebhaften Schmerz bereitete.

Orcheſters, welches unmittelbar vor der Scene lag, gebildet hatten, den größern, nach der Sophienkirche zu gelegenen. Im zweiten Saale dieſes Theaters lag das ſich nach und nach erhöhende Parterre, zu beiden Seiten deſſelben ein aus 3 Stufen beſtehendes Amphitheater; darüber erhoben ſich 3 Etagen, deren jede 18 Bogen hatte. Der Bühne gegenüber im erſten Range lag die reich vergoldete königliche Hauptloge; am Proſcenium be⸗ fanden ſich im Parterre noch 2 königliche Logen für den Fall, daß der König oder der Kurprinz Sänger und Orcheſter in der Nähe hören wollten. Vier hölzerne Sclaven, von dem bekannten Per⸗ moſer gearbeitet, unterſtützten die Säulen dieſer Seitenlogen, kamen aber 1755 bei einer Veränderung weg. Die Verzierung der Logen beſtand in damaligem italieniſchen Geſchmacke abwech⸗ ſelnd aus Bruſtgeländern und reichen Füllungen, Bogen mit Conſolen 2t. Die Decke war mit Leinwand überzogen und zeigte ein Gemälde von Mauro. Der Haupteingang war vom Zwinger aus über die Freitreppe durch den Cedernſaal, welcher ſpäter auch als Eingang zu den Palmſonntagconcerten im großen Opernhauſe benutzt wurde.

Am 3. September war Te Deum in der katholiſchen Hofca⸗ pelle und ſolenne Tafel mit dabei ſtattfindendem Concert der Ca⸗ pelle. Abends wurde das neue Opernhaus mit der ſchon 1717 gegebenen OperGiove in Argo von Lotti eröffnet, in welcher ſtatt der Zanni und Gaggi die Laurenti und Teſi ſangen. Zu dieſer Vorſtellung wurden die Billets nicht wie gewöhnlich im Oberhofmarſchallamte ausgetheilt, ſondern Hoffourire ſagten dieſe Oper in der Stadt an, worauf alle Jene Zutritt hatten, welche nach der Hofrangordnung wenigſtens den Rang eines Kammer⸗ junkers oder Oberſten einnahmen. Dieſes Ceremoniell blieb von

nun an bei den Gallaopern(Théatre paré) immer daſſelbe. Das Plätzeanweiſen geſchah in ſolchem Falle im Parterre durch Kam⸗ merherren, auf den übrigen Plätzen durch Kammerjunker; bei ge⸗ wöhnlichen Vorſtellungen, wenn Billets ausgetheilt wurden, ver⸗ ſahen dies Amt Kammerjunker und Schweizerofficiere, wie denn Schweizerſoldaten die Aufſicht in- und außerhalb des Opernhau⸗ ſes hatten. Bei Gallaopern ſaß die königliche Familie meiſt un⸗ mittelbar vor dem Orcheſter im Parterre, in welches dann nur hoffähige Damen in großer Toilette zugelaſſen wurden; bei ge⸗ wöhnlichen Vorſtellungen befand ſich der König in der rechten, der Kurprinz nebſt Gemahlin in der linken Proſceniumsloge, der übrige Hof in der Mittelloge, und hatten dann nur Herren ins Parterre Zutritt, während das Amphitheater oder die Stufen für Damen reſervirt wurden. Die Logen des erſten Ranges waren für die höchſten Würdenträger, Geſandten und Fremden beſtimmt, die des zweiten Ranges für die übrige Hofgeſellſchaft, für höhere Beamte, Officiere und Fremde. Im dritten Range oder Para⸗ dies wurden Kammer⸗ und andere Bediente placirt. Bei gewöhn⸗ lichen Vorſtellungen wurden auf dem Amphitheater Bürger und Weiber aus der Stadt zugelaſſen, wie es denn immer des Königs Abſicht war, das geſammte Publicum Dresdens ſo zahlreich als möglich zu ſeinen Feſten heranzuziehen. Während des Carnevals wurde nun auch, namentlich wenn die Zuſchauer in Masken erſchienen, im Opernhauſe und den daranſtoßenden Sälen nach den Vorſtellungen geſpeiſt und ge⸗ tanzt. Zu letzterem Behufe wurden alle Sitze aus dem Parterre entfernt. f Bei der Vorſtellung am 3. September 1719, zu welcher ein außerordentlicher Andrang ſtattgefunden hatte, waren übrigens

[VIII. Jahrg.

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