Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
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verwunderter, als er unter dem zerriſſenen Beinkleid Ri⸗ chard Venner's und durch zwei lederne Ringe an dem Stiefel deſſelben befeſtigt ein langes catalaniſches Meſſer erblickte.

Ohne dieſen beredten Ausrufen etwas hinzuzufügen, betrachtete er ſeinen Gefangenen vom Kopf bis zu den Fü⸗ ßen, wie ein Thier, von dem man keinen Begriff hat.

Auf den Wegl rief er, als er dachte, daß Alles be⸗ reit ſei. Und unſere drei Männer ſchritten der Wohnung des Doctors zu; Abel hielt in der Hand die Piſtole Bern⸗ hard's und das Meſſer Dick's; dieſem waren die Hände auf den Rücken gebunden; die Nachhut bildete der Lehrer, der noch immer betäubt war und ſich über weiter nichts wunderte, als daß er auf den Reiter, welcher ihn angriff, geſchoſſen hatte; die Miſtgabel trug er auf der Schulter, wie ein Bajonnetgewehr.

Es iſt alſo Jemand verwundet? wiederholte er von Zeit zu Zeit.

Abel, an den dieſe Frage gerichtet wurde, gab ſich nicht die Mühe, darauf zu antworten.(Fortſetzung folgt.)

Gedichte von Karl Stelter.

O flatternde Libelle.

O flatternde Libelle,

Wie ſchimmerte dein Kleid, Auf ſonnenheller Welle, Im Duft der Frühlingszeit;

Uoveilen-Zeitung.

[(VIII. Jahrg. ſ --:y-yʒʒ˖ᷓ Prit Wie hingſt du liebeglühend An deinem Lebenstag, Als dir noch friſch und blühend Im Lenz der grüne Hag!

Doch als der Sturm erbrauſte, Als ſich die Welle hob,

Der Nord den Wald durchſauſte, Die Blumenpracht zerſtob Wie iſt hinabgeſunken

Da dein ſmaragden Kleid,

Wie löſchte aus die Funken

Die rauhe Herbſteszeit!

O flatternde Libelle,

Du lebſt in keiner Bruſt,

Du haſt mit Windesſchnelle Geſchlürft die kurze Luſt. Dein glänzend Erdenwallen War nur ein ſchöner Traum, Das Truggebild verfallen Dem flücht'gen Wogenſchaum!

Haſt Du ein Herz gefunden.

Haſt Du ein Herz gefunden, Das mit Dir fühlt und weint, Und das in trüben Stunden Mit Troſt bei Dir erſcheint, 1 So halt an dieſem Herzen Mit ganzer Seele feſt,

Wenn Dich in Noth und Schmerzen

Die kalte Welt verläßt.

Mittags halb 12 Uhr vom Schloßhofe aus nach dem großen Gar⸗ ten in Bewegung ſetzte, wo er um 1 Uhr anlangte. Nach Been⸗ digung des Divertiſſements folgte eine großartige Illumination des Gartens, Tafel im Palais, Entenjagd und Waſſerfahrt auf dem Teiche und endlich ein Ball im Venustempel, der hinter dem Teiche erbaut war(zwiſchen der jetzigen Conditorei und dem gegenüberliegenden Pavillon), wo er bis Morgens 5 Uhr dauerte.

Welche Luſt, Freude, Pracht und Ueppigkeit mag damals in Dresden geherrſcht haben! Der Ruf der Septemberfeſtlichkeiten, welcher Tauſende von Neugierigen nach Dresden gezogen hatte, erſchallte zu jener Zeit durch die ganze Welt. Beſonderes Auf⸗ ſehen jedoch machten die dramatiſchen Vorſtellungen.

Dieſe Periode des Glanzes aber war keine kurze, denn auch noch 40 Jahre ſpäter fuhr man fort in demſelben Gleiſe des Ueberfluſſes, und wir führen als Beweis, wie ſelten die Gegenwart die Vergangenheit darin erreicht, hier die prächtige, umſtändlich geſchilderte Inſcenirung der OperEzio an:

Am 20. Januar 1755 fand die erſte Vorſtellung der Oper Ezio von Metaſtaſio und Haſſe ſtatt, mit Decorationen von Jean Hieronymus Servandont, welcher expreſſe hierzu aus Paris verſchrieben worden, und der das Natuͤrliche und Künſtliche in denen prächtigen Verwandlungen und Decorationen dabei auf eine ausnehmende Art zu zeigen ſich befliſſen. Die Ausſtattung der Oper überbot Alles, was man bis dahin geſehen hatte. Unter den Decorationen zeichneten ſich beſonders aus: Rom bei nächt⸗ licher Beleuchtung, ein Garten mit natürlichem Springbrunnen und Waſſerfall, damals ungemeines Aufſehen machend, ſowie das Capitol. Die Maſchinen, gefertigt und geleitet durch den Thea⸗ termaſchinenmeiſter Reuß, gingen vortrefflich, erforderten aber

auch, nebſt der Beleuchtung durch mehr als 8000 Lichter und V Lampen, an 250 Perſonen zur Anſtellung. Im Triumphzuge des Aötius, der Alles, was Dresden bis dahin geſehen, überſtrahlte, erſchienen 400 Menſchen, 102 Pferde, 5 Wagen, 8 Maul⸗ und 8 Trampelthiere in folgender Ordnung: 1 römiſcher Officier mit einem römiſchen Feldzeichen; 6 Velites(leicht bewaffnete Solda⸗ ten), 30 lorbeerbekränzte Muſiker mit Trompeten, Krummhörnern 1O und andern Inſtrumenten; 2 römiſche Officiere mit Feldzeichen und 24 Soldaten mit Piken(hastati); 12 gefangene Hunnen; 23 Principes(ſchwer bewaffnete Soldaten); 8 Maulthiere und 8 Kameele mit koſtbaren Decken, Waffen und Beute, geführt von je No⸗ 1 Sclaven; 4 Wagen(mit je 2 Pferden, 1 Knecht und zwei Sol⸗ b

daten), ſchwer mit Beute beladen, deren noch jetzt ein Theil im grünen Gewölbe prangt; 14 Triarii(Kernleute); 3 römiſche Feldzeichen, von Officieren getragen; 4 Soldaten mit 2 Tra⸗ gen voll Beute, und 4 Soldaten ebenſo insbeſondere mit maſſiv goldenem Geſchirr; 6 Soldaten mit Siegeszeichen; 4 lorbeerbe⸗ kränzte Römer mit einer Trage, auf welcher ein alter, legenda

Mann, geſtützt auf ein dem Anſchein nach Waſſer ausgie endes 2 Gefäß, der den Marnefluß darſtellte; 2 lorbeerbekränzte Römer mit einem Bilde, den Sieg des Astius bei Chalons darſtellend, das Decret des Kaiſers Valentinian III, die Bewilligung des Triumphzugs an Aötius enthaltend, an einer Stange befeſtigt ufe getragen von einem ebenfalls mit Lorbeer bekränzten Römer; 26

Prätorianer; 6 Handpferde des Aötius mit koſtbarem Geſchirt und je 2 Knechten; 28 Ritter auf lauter ſchwarzen Pferden; 5 römiſche Feldzeichen, worunter eins mit des Kaiſers Bruſtbild; ein römiſcher Adler, getragen von einem römiſchen Officier; V

8 Lictoren; 9 Senatoren mit Lorbeerzweigen; 3 Römer mit Lor⸗

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