4 n
—
—
—,
Uovellen-Zeitung.
728
deſſen Koffer zu durchſuchen, die er nicht gern öffnete, an deuen er aber doch ein oder zweimal die Schlüſſel vergeſſen hatte. Sie fand darin verſchiedene Gegenſtände verdäch⸗ tiger Art, und das gab ihr Manches zu denken.
Ihre Entdeckungen, wie ihren Argwohn ſprach ſie ge⸗ gen den Doctor aus, der ihr unbediugtes Vertrauen ein⸗ flößte. Dieſer wollte daraus nicht Schlüſſe ziehen, die dem Neffen Dudley Venner's unbedingt ungünſtig waren, aber es wurde ihm unmöglich, den Gedanken zu verbannen, daß derſelbe, wo nicht entſchieden feindſelige Pläne, doch jeden⸗ falls drohende Gedanken hegte.
Er ſuchte daher Bernhard auf, und noch an deniſelben Abend veränderte der junge Lehrer ſeinen Platz am Schreib⸗ tiſche. Dieſer ſtand zu nahe an dem Fenſter, und Nichts iſt ſo gefährlich, wie der Luftzug.
An demſelben Abend nahm Dick Venner, der etwas ſpät auf ſein Zimmer kam, einen Kugelzieher und zog den Schuß aus ſeiner weittragenden Büchſe, die er dann unter ſeine Jagdgewehre ſtellte.
„Es gibt etwas Beſſeres, als alle dieſe Schwätzer.“
XI.
Noch blieb einige Ausſicht, daß Maſter Dick ſeinen⸗ unbeſtimmten Abſichten nicht Folge gab. Dieſe Abſichten indeß glichen einer geladenen Mine, die von einem Augen⸗ blick zum andern platzen konnte.
„Elſie,“ ſagte er eines Tages zu ſeiner Couſine, die ſehr melancholiſch ausſah,„verſuchen wir einen Bolero! — Wollen Sie?— Wo ſind Ihre Caſtagnetten?“
Dieſer Vorſchlag wurde zufällig ſogleich und bereit⸗ willig angenommen.—
Der Tauz war für Elſie nicht eine bloße Zerſtreuung, ſondern ein Rauſch, ein Entzücken, jenem ſchwindelnden Wirbel ähnlich, in den die Orientalen ſich durch den Ha⸗ ſchiſch verſetzen.
Sie tanzte daher mit einer Art fieberhafter Aufregung,
——
und wenn Dick nicht ſelbſt tanzte, folgte er ihr mit ver⸗ wundertem, beinahe entſetztem Blick.
Dieſer Blick nahm plötzlich einen andern Ausdruck an. Er wurde forſchend, neugierig, boshaft. Elſie war nicht ſo ſehr durch den Tanz betäubt, daß ſie nicht bald die Rich⸗ tung bemerkt hätte, in welcher die glühenden Blicke gefeſſelt waren. Die Kette, die ſie um den Hals trug, hatte ſich durch die heftigen Bewegungen des Bolero verſchoben, und Dick ſuchte offenbar das Geheimniß des verhängnißvollen Males zu ergründen, das, wie man ſagte, unter dem glän⸗ zenden Schmuck verborgen ſein ſollte.
Das junge Mädchen blieb plötzlich ſtehen, brachte ihr Halsband in Ordnung, warf ihre Caſtagnetten fort, und, indem ſie den Kopf etwas zur Seite neigte, ſah ſie ihren Vetter ſcharf an, der bald unter den fürchterlichſten Strah⸗ len dieſer zuſammengezogenen Augen jede Faſſung verlor.
Die Blicke Elſie's ſprachen eine unendliche Verachtung aus, und Dick, der dadurch gereizt wurde, ließ unbeſonnen der Eiferſucht, die ihn ſeit einiger Zeit quälte, freien Lauf.
„Hätten Sie auch ſolche Laune, wenn Sie mit Herrn Langdon tauzten?“ rief er aus.
Als er dieſe Worte hervorgeſtoßen hatte, wollte er, indem er ſeine Couſine anſah, erforſchen, ob der Spott ge⸗ troffen hätte.
Zum erſten Male in ſeinem Leben ſah er ihr bleiches Geſicht ſich röthen und konnte daraus erkennen, daß er einen ſtarken Eindruck gemacht hatte.
Ein Ausruf des Zornes, ein Thränenſtrom ſelbſt hätte ihn weniger erſchreckt, als dieſe bedeutungsvolle Röthe. Elſie antwortete übrigens nichts, als die Worte:
„Herr Langdon iſt ein Gentleman!“
Dann eilte ſie aus dem Zimmer, ohne auf die Ent⸗ ſchuldigung ihres Vetters zu achten.
Er hörte, wie ſie, nach ihrem
Zimmer zurückgekehrt, den Riegel vorſchob. Er ging in den Garten und ſah,
einen Luftſtrom von Paris her, daß man dieſe Staunen erregende
Maßregel ungeſtraft wagen könne, indem die höhere Sanction
nicht mehr lange auf ſich warten laſſen werde. Frankreich war in jenem Augenblicke in der That ebenſo anticrinoliniſch, wie es, nach dem Manifeſte ſeiner Biſchöfe zu urtheilen, antichriſtlich war. Das Jahr 1859 hatte ſomit zu ſeinem ewigen Ruhme zwei große Thaten aufzuweiſen: Die Befreiung Italiens von der öſterreichi⸗ ſchen Zwangsjacke und die Emancipirung des himmliſchen Ge⸗ ſchlechts von dem nicht minder barbariſchen„eiſernen Rocke“. Wiederum— nur ein Traum! Napoleon's III. Staatsſtreich war für immer geglückt; derjenige der Kaiſerin Eugenie dahingegen nur— für eine Saiſon. Die Reaction trat ein und ſiegte. Wir haben erfahren, daß man dem Tractate von 1815 Trotz bieten, ihn revidiren und ausſtreichen konnte; daß der franzöſiſche Republi⸗ kanismus ſich erſticken und im Zaume halten läßt; daß König Bomba jun, geſtürzt iſt,— der Reifrock aber iſt uns geblieben!
Aus der Natur.
Die gnuantilope.
Der Jardin zoologique d'acelimation in Paris iſt durch eins der merkwürdigſten Thiere, die man ſehen kann, bereichert worden.
1„ Es iſt die Gnuantilope(Catoblepas gnu), welche der fran⸗ zöſiſche Viceconſul Chabaud von Port Eliſabeth geſchickt hat.
Dieſes Thier hat die zierlichen Beine des Hirſches, die Größe des Eſels, den Hals, das Kreuz, die Mähne und den Schweif
eines,kleinen Pferdes und um ſeine große Schnauze einen Kreis von Haaren.— 1 4 Der Reiſende Harris ſagt, die holländiſchen Coloniſten am Vorgebirge der guten Hoffnung nennten dieſe Antilope den Ba⸗ ſtard oder Blauw wilde Beest; in dem Lande der Bechuanas bis an den Wendekreis iſt ſie unter dem Namen Kokoon bekannt, und die Hottentotten nannten ſie Kaop oder Baas; dieſe beiden Worte bedeuten„Herr“, und ohne Zweifel iſt ihr dieſer Name wegen ihres ſchrecklichen Anſehens gegeben worden. Wenn dieſes Thier durch irgend einen verdächtigen Anblick aufgeregt oder durch ein ungewöhnliches Geräuſch erſchreckt wird, ſo erſcheint es ſtörriger und wilder als gewöhnlich; oft nähert es ſich ſogar mit einer mißtrauiſchen Mine, als ob es entſchloſſen ſei, ſich mit dem Jäger in einen Kampf einzulaſſen, ſobald man aber gegen daſſelbe die geringſte Feindſeligkeit zeigt, ſo macht es ſich ſchnell aus dem Staube. Wenn ſie ſich heerdenweiſe beiſammen finden und verfolgt werden, ſo ſtecken ſie ihren Kopf, der ſich mit einer Adlernaſe endigt, zwiſchen ihre Kniee und, mit ihrem ſchwar⸗ zen Schwanze ihre Seiten peitſchend, beginnen ſie in langen Rei⸗ hen einen raſenden Galopp; dann kehren ſie in einer Entfernung von ungefähr 200 bis 300 Metres in einer ſonderbaren Weiſe um und gehen muthig der Gefahr entgegen; plötzlich ſtehen ſie ſtill, und einen undurchdringlichen Wald von Hörnern darbietend, ſtür⸗ zen ſie wüthend auf den Gegenſtand, der ihren Zorn erregt hat. Wenn ſie ſich auf der Weide befinden, ſo haben ſie ein außer⸗ ordentlich plumpes und ſchwerfälliges Anſehen, ſo daß man ſie oft, ſelbſt in einer nur kleinen Entfernung, für wilde Büffel hält; ſie ſind aber viel munterer; plötzlich ſcheinen ſie den Verſuch zu machen, eine gar nicht vorhandene Anhöhe zu erklettern, dann
—
—
II. X.
A
Rr
daß ſpitz Ger
liche dach
hall Bli der der
die
ihrel Thei geigte ein b velch unthi ſie ſe
das Ab
laufe
zu ha nache ſchent des G
ſtigu
eine
nehr der Hiene
das! ſtolze
Catop Kopf ſchlech deſſelt würdi


