Uovellen
Richard Venner widmete indeß dieſen merkwürdigen Gegenſtänden keine lange Aufmerkſamkeit. Die Bücher, beſonders die Papiere, ſchienen ihn viel mehr zu intereſ⸗ ſiren.
Ein Band Gedichte von Kaats lag geöffnet auf dem Tiſche. Er ergriff das Buch und las auf der innern Seite des Deckels, wie er das vielleicht vermuthet hatte, den Namen Bernhard C. Langdon, von einer männ⸗ lichen Hand geſchrieben.
Neben dem Buche lag ein offenes Briefceuvert; die⸗ ſelbe Hand hatte den Namen Elſie Venner darauf ge⸗ ſchrieben. ³ Dick ſuchte ſogleich, doch vergeblich, nach dem Billet, welches dieſes Couvert enthalten haben mußte. Aufgeregt durch ſeine Neugier, hätte er leicht den kleinen Schreibtiſch erbrechen können, in welchem er wahrſcheinlich gefunden haben würde, was er ſuchte; aber wenn es leicht war, ein ſolches Meubel zu öffnen, ſo erforderte doch das Verſchlie⸗ ßen deſſelben, ohne daß eine Spur der Sprengung zurück⸗ blieb, mehr Zeit, als er dieſem gefährlichen Unternehmen widmen konnte. Was brauchte er auch im Grunde noch weiter? Seine Couſine und der Lehrer ſtauden in regel⸗ mäßigem Briefwechſel mit einander— ſie empfing ſeine Briefe, er ſchickte ihr Bücher, und das war ſchon mehr, als Dick dulden konnte. 1
„Die Partie iſt begonnen!“ ſagte er.
Dann kletterte er an ſeinem Laſſo wieder nach ſeinem Zimmer hinauf, da er ſeinen unbeſcheidenen Beſuch nicht verlängern wollte. Wer von dieſem Augenblicke an mit ſcharfer Beobachtungsgabe den Unterhaltungen Dick Ven⸗ ner's gefolgt hätte, würde bemerkt haben, daß er ſtets eine oder zwei Fragen in Beziehung auf den jungen Lehrer ein⸗ zumiſchen wußte.
Einige der ſo erhaltenen Mittheilungen gefielen ihm
Zeitung.
[VIII. Jahrg.
wunderbaren Fortſchritte, die er, wie man ſagte, in dieſer Kunſt gemacht hatte. Auf weiter als hundertſechzig Fuß putzte dieſer geſchickte Schütze ein Licht, ohne es auszulb⸗ ſchen, oder ſchoß, ganz wie er es wollte, eine Kugel in das rechte oder in das linke Auge der Puppe, die ihm zur Scheibe diente.
Als Miß Lätitia Forreſter ihm dieſe Beweiſe einer Geſchicklichkeit erzählte, welcher die Schülerinnen des apol⸗ lineiſchen Inſtituts ihre ganze Bewunderung zollten, konnte Dick Venner ſeine Unzufriedenheit kaum verbergen, und, angetrieben von Ehrgeiz, begann er darauf ſofort, ſich ebenfalls zu üben.
Nur benahm er ſich dabei auf eine ſehr ſonderbare Weiſe, denn er wählte zu ſeinen Schießübungen die Glas⸗ ſcheibe eines ehemaligen Treibhauſes, die er auf einem Boden gefunden hatte, und erlangte ſo die Gewißheit, daß eine Kugel unter gewiſſen Bedingungen das Glas durch⸗ dringt, ohne von ihrer Richtung abzuweichen oder an ihrer Kraft zu verlieren.
Ohne ſich mit ſeinen Fortſchritten in der Schießkunſt zu brüſten, und ſeine Uebungen im Gegentheil in einem der abgelegenſten Theile des„Berges“ vornehmend, gewann Dick die Ueberzeugung, daß er in der Entfernung von ungefähr fünfhundert Fuß eine Fenſterſcheibe nicht fehlte.
Das war wieder ein Reſultat, mit welchem das Ver⸗ zeichniß ſeiner möglichen Hülfsmittel ſich bereicherte.
Eines Abends fürchtete er dann, daß die Unthätigkeit ſeine Hand verroſtet haben möchte. Er ſattelte Juan, den berühmten Muſtang, und da er keine wilden Büffel zur Hand hatte, um ſie zu verfolgen, verſuchte er ſeinen Laſſo an einer unglücklichen Kuh, die ruhig auf einer Wieſe graſte, ohne die ungewöhnliche Rolle zu ahnen, die er ihr beſtimmte. Die Schwierigkeit beſtand darin, ſie in Galopp zu bringen. Dick gelang dies indeß, und in der
nicht, unter andern die Regelmäßigkeit, mit welcher Bern⸗ hard ſich in dem Schießen mit dem Revolver übte, und die
Entfernung von fünfundzwanzig Fuß ſchleuderte er ſeine tödtliche Schlinge nach ihr. Sie legte ſich um die Hörner
ſchengeſchlechtes anbeten! An dem himmliſchen Blicke, an dem bezaubernden Lächeln werden wir ſie erkennen! Selbſt im Pale⸗ tot und Ueberſtiefeln werden wir die Liebesgöttinnen und Grazien erkennen und das Knie ebenſo entzückt und treuer Anbetung voll vor der Schönheit im Promenadenfrack beugen, als wir es bisher vor der Göttergebornen in Suſanna's kleiner Schürze oder in Donna Elvira's Mantille gethan haben.
Das war der Traum. Ein lieblicher, entzückender, aber ach! nur ein Sommernachtstraum! Der Bloomerismus!... Wer denkt heute noch daran? Es iſt beim Alten geblieben, und der Reifrock iſt jetzt 1862 nach Chriſti nur noch— etwas weiter als bisher geworden.
Vor zwei Jahren trat ein Augenblick ein, wo es ſchien, als ob die Welt abermals für eine Veränderung reif wäre. Zu der⸗ ſelben Zeit, als der Züricher Friede, die Congreßfrage, der Brief des Kaiſers an Victor Emanuel, und Victor Emanuel’s Antwort, der Krieg in Marocco und der Hirtenbrief des Cardinal's Morlot die ſogenannten ernſten Staatsmänner und die noch viel ernſtere Börſe beſchäftigten, bemerkte man in den engeren Kreiſen Frank⸗ reichs eine Bewegung, die weit ernſter war, als alle obengenann⸗ ten, obſchon die Politiker ex professo mit ſpöttiſchem Lächeln
darauf herabſahen.
Wenn ich hier das milde, vielſinnige Wort„Bewegung“ ge⸗
brauchte, ſo meine ich damit nichts Geringeres, als eine durch⸗ 1 ſſonder pnen, h hinzufügen, daß der Wir ſomit beſchloſſen haben und beſchließen
greifende Revolution; und ich muß zuglei
eigentliche Heerd derſelben eine gewiſſe kleine Feeenwohnung in den Tuilerien war, ein kleines bezauberndes Gemach im Style der Alhambra mit einem gleichſam in eine Nußſchale oder in eine Perlenſchnecke zuſammengedrängten Luxus von Gold, Sam⸗
met, Schnitzwerk, Trumeaux und Spitzen zu 500,000 Frcs.; mit einem Worte: das Boudoir der Kaiſerin Eugenie.
Kaiſer Napoleon III. hatte ſeinen 2. December gemacht. Die Kaiſerin wollte Aehnliches vollbringen, wenn ſie ſich auch nicht völlig zu der Höhe der rettenden That des Jahres 1851 auf⸗ ſchwingen könnte.—
Die Kaiſerin hatte ihren 2. November gemacht. Das iſt nämlich das hiſtoriſche Datum eines kleinen roſenfarbnen Circu⸗ lars, welches unter allen glücklichen Mitgliedern des ſchönen Ge⸗ ſchlechts(NB. denjenigen,
welche der feinſten beau monde des franzöſiſchen Kaiſerreichs angehörten) ausgetheilt worden war, und eine Einladung nach Compiègne zum dortigen Herbſtaufent⸗ halt, des Jahres 1859 enthielt. Dies Circular lautete folgen⸗ dermaßen: 8—. „Meine liebe—(Marquiſe, Marſchallin oder dergl.)! Wir ſetzen Sie hierdurch in Kenntniß, daß: 1 In Anſehung Deſſen, daß hier auf Erden Nichts ſo altmo⸗ diſch werden darf, daß es ſich ſelbſt überlebt;. daß der Reifrock ſich dieſem ſich ſelbſt überlebenden Stadium nähert; und daß endlich, in Betracht des Züricher Friedens und un⸗ ſerer Siege in Maroecco ꝛc., ein höchſt paſſender Zeitpunkt einge⸗ treten iſt, unſern diesjährigen dohen rjemnzah in Compieègne 5 eichnen, durch einen ganz beſondern Aet zu bez n, daß der Reif
rock bei der Toilette an unſerem Hofe in Compiẽgne für dieſen Herbſt abſolut verboten und verbannt iſt; es dürfen ſtatt ſeher nur geſtärkte Unterkleider und in nicht zu übertriebener Multip f cation vorkommen, wobei Sie, meine liebe—(Marquiſe, Mar chal⸗
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