Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
725
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glänzenden Blickes auf ſeine Nerven, die im Allgemeinen ſehr geprüft waren.

Ob Elſie ſeine Beweggründe durchſchaute, darum kümmerte er ſich, die Wahrheit zu ſagen, kaum. Das Weſentliche beſtand darin, für ſie eine Gewohnheit, ein Bedürfniß zu werden; das Uebrige mußte daun von ſelbſt

kommen, bis zu dem Augenblicke, in welchem er überzeugt

ſein dürfte, nicht das ganze Gerüſt ſeiner Hoffnungen über den Haufen zu werfen, indem er ſich deutlich erklärte.

So urtheilte er bei kaltem Blute; aber ein zwanzig⸗ jähriger Gaucho urtheilt nicht immer ſo.

X. Eines Abends ſtand Richard Venner, durch ſeine

abenteuerlichen Neigungen getrieben, wieder aus dem Bett

auf und zündete ſeine Lanpe an. Er ſah nach der Uhr; es war Mitternacht vorüber. Er zog einen Schlafrock und Filzſchuhe an, öffnete dann einen ſeiner Koffer und zog daraus unter mehreren Packten mit Leinwand oder Kleidungsſtücken einen ſehr feſten, mehrere Klafter langen Lederſtreifen hervor, der mit einer Zugſchleife endete. Es war ein Laſſo. Dick entrollte denſelhen in einer gewiſſen Länge, befeſtigte das eine Ende deſſelben an dem Thür⸗ griff und warf dann das andere Ende zu dem offnen Fen⸗ ſter hinaus.

Unter dieſem Fenſter lag das zu dem Zimmer Elſie's, welche im Erdgeſchoß wohnte. Unſerem gewandten Bue⸗ nos⸗Ayrier wäre Nichts leichter geweſen, als ein Stock⸗ werk hinabzuklettern, ohne des Laſſo's zu bedürfen; aber er wollte auf dem Blumenbeete unter dem Fenſter nicht

die geringſte Spur hinterlaſſen.

An ſeinem Laſſo hängend, ließ Richard Venner ſich wie eine Tigerkatze bis zu der Höhe des untern Fenſters hinabgleiten, und wie er es erwartet hatte, fand er dieſes Fenſter offen, da die Nacht ſehr warm war. Durch eine

Dritte Folge.

geſchickte Schwingung ſchleuderte er ſich dann, ohne das geringſte Geräuſch zu machen, in das Innere dieſes Zim mers hinein.

Er lauſchte und hörte nicht den geringſten Athemzug.

Er trat einige Schritte vor, und Nichts verrieth ihm, daß man auf ihn blickte. Er erhob die Mouſſelinvor⸗ hänge des Bettes Elſie lag nicht darin! Wo ſie war, hätte Niemand zu ſagen vermocht.

Richard Venner ſtieß einen tiefen Seufzer aus. Der Raum hatte damit nichts zu thun, daurchaus nichts; er gab ſich ganz der Freude hin, ſich keinen Vorwurf machen zu müſſen. Der Himmel nahm ſich offenbar ſeiner an, indem er ihn gehindert hatte, ſich durch eine Dämmierung, deren Größe er einzuſehen begann, bloßzuſtellen.

In dieſes Gefühl der Freude miſchte ſich bald das einer ſehr lebhaften Neugier. Er ließ ſeine gierigen Blicke überall umherſchweifen.

Das Zimmer Elſie's war eigenthümlich, wie ihr gan⸗ zes Weſen. Es glich einem Waldmuſeum, einer Samm⸗ lung von Gegenſtänden, welche in der Dunkelheit der Wälder das profane Auge nicht zu erkennen vermochte, und welche die, deren Blicke am erfahrenſten ſind, oft kaum zu erreichen wiſſen. Neſter von Raben z. B., die ſtets auf dem Wipfel der höchſten Bäume niſten; Eier ſeltener Vögel, die zu ihrer Erreichung den Blick eines Adlers und die Beine einer Ziege erfordern; Moos, Haidekräuter, die wenig be⸗ kannt ſind, weil ſie an den unzugänglichſten Orten wachſen; vegetabiliſche Urbilder jeder Art und jeder Geſtalt, ſonder⸗ bare Launen der Natur, für welche Elſie den Geſchmack der Naturforſcherin und der Poetin hegte. Sophie, die Enkelin des Oberhauptes eines wilden Stammes, gerieth zuweilen vor dieſen Gegenſtänden in Entzückung, die ſie vielleicht an das Phyſiſche ihres Stammes erinnerten. Ge⸗ genſtände der Kunſt, Vaſen, Gemälde, werthvolle Bronzen bildeten ebenfalls einen Theil dieſer ungeordneten Samm⸗ lung.

Willen, dieſen Gedanken trotz aller geſchichtlich bewährten Ge⸗ wohnheiten, trotz aller eingewurzelten Vorurtheile auszuführen! Sie war es, welche folgenden ſeltſamen Angſtſchrei in die Welt hinausſandte: Keine Kleider mehr! Nieder mit der Tyrannei der Schnürbruſt; nieder mit der Scheinheiligkeit des Unterrocks! Es lebe der Polkarock und das orientaliſche Beinkleid. Es lebe die Freiheit, das Barett mit der kleinen pikanten Hahnenfeder, es lebe der Fortſchritt, die lackirten Stiefel, oder mit andern Worten: Koſſuth!

Daß eine ſo unerhörte Dreiſtigkeit auf bedeutenden Wider⸗ ſtand ſtoßen mußte, war vorauszuſehen; ſelbſt die geiſtvollſte Idee fritt erſt nach beſtandenem Kampfe ſiegreich hervor, und es war llar, daß ſich gegen eine ſolche radicale Neuerung mächtige Inter⸗ eſſen auflehnen würden.

Das alte Coſtüm hatte ebenfalls ſeine Vorzüge, ſeinen Reiz, um nicht zu ſagen ſeine hundertjährigen Ahnen..

Dieſe Robe mit ihrem üppig wogenden Faltenwurfe, niemals abgeneigt in den bacchantiſchen Wirbeln des Walzers einen hüb⸗ ſchen Fuß ſehen zu laſſen, oder Dank ſei es ihrem vortheilhaf⸗ en Schnitte eine ſchneeweiße Schulter oder die Schönheits⸗ linien eines herrlich gewölbten Nackens, das war doch immer⸗ bin Etwas, was man nicht ſo leichtſinnig an den Nagel hängt! Selbſt der reizende Pariſer Damenhut mit ſeinen Spitzen und Blumen und den kokett flatternden Bändern, ſelbſt dieſer war in manchen Fällen ebenſo äſthetiſch berechtigt, als praktiſch vor⸗ trefflich. Alſo ließen ſich auch in dieſem Punkte conſervative Stimmen vernehmen; man ſah einen ernſten Kampf voraus, aber man hoffte auf die Miſſion des Bloomerismus und ſträumte. Die neue Idee hatte trotz aller Hinderniſſe und Aergerniſſſe bereits

ein kleines Gebiet erobert und in denHanover Square rooms ſeine Fahne aufgepflanzt: Miß Bloomer war gekommen, hatte ihr kleines Fäuſtchen in der Hoſentaſche geballt und ſo glaub⸗ ten wir wenigſtens, hatte geſiegt! Es konnte alſo nicht lange mehr dauern, ſo träumten wir bis wir das ganze ſchöne Ge⸗ ſchlecht in türkiſchen Hoſen und einer enganſchließenden Tunica à la Preciosa erblicken würden. Die rauſchenden ſeidnen Kleider, die luftigen Tüllröcke ſammt allen Wunderwerken an geſtärkten Volants und talentvoll angebrachten Kautſchuk und Uhrfedern würden bald nur noch der Märchenwelt und dem hiſtoriſchen Ro⸗ man angehören. Ein Novellenſchreiber der Zukunft würde ſeine Heldin alſo ungefähr auf folgende Weiſe ſchildern:Bei ihrem Eintritte in den Salon zog ſie ſogleich die allgemeine Aufmerk⸗ ſamkeit auf ſich. Sie war zum Entzücken. Ein kleiner koketter Oberrock(von bouteillegrünem Tuch) ſchloß ſich zierlich um die ſchlanke Taille; aus der nach außen ſitzenden Bruſttaſche guckte ſchelmiſch ein feines Battiſttuch hervor, die mauriſchen Beinkleider von weißem Mouſſelin waren unten am Rande mit koſtbaren Spitzen beſetzt, die gleich durchbrochenem Laubwerke auf die wohl⸗ gewichſten Stiefel fielen. Auf dem Kopfe trug ſie ein ſpaniſches Barett, von welchem eine lange Straußfeder maleriſch herabwallte. Die erloſchene Cigarre zwiſchen zwei Fingern der Gasflamme nähernd, zündete ſie dieſelbe kunſterfahren an, warf ſich auf einen Fauteuil nieder, ſchlug faſt ein Bischen übermüthig das eine Bein über das andere und begann die Unterhaltung mit ihrem Vetter ꝛc. ac. Auf dieſe Weiſe wird die Gleichſtellung beider Geſchlechter ſich geltend machen, liberté, fraternité, egalité! Ach, ſie werden ſich niemalsin der Menge verlieren, dieſe lie⸗ benswürdigen Geſchöpfe, in denen wir die beſſere Hälfte des Men⸗